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Trotz Corona: Waischenfelder Musiker blickt positiv in die Zukunft

Ein echt fränkisches Gewächs: Wastel Kauz über die Zeit während Corona als Kulturschaffender - 19.11.2020 16:56 Uhr

Das „Bandmobil“ von Sebastian Kauz muss auf den ersten Einsatz noch etwas warten. Der 20 Jahre alte Kleinbus ist mit großem Aufwand aufgemöbelt worden.

19.11.2020 © Foto: Martin Burger


Wastel Kauz, unter diesem Namen traten Sebastian Kauz und sein guter Freund und Bandkollege Jeremia Reinders eigentlich immer auf, wenn sie auf Festivals oder anderen Veranstaltungen unterwegs waren und das Publikum mit echt fränkischer Musik unterhielten. "Musizieren in Mundart", nennt es Kauz, der seine Leidenschaft zu fast jeder Tages- und Nachtzeit auslebt.

Vom Duo zum Quartett

Kurz vor dem ersten Lockdown holte das Duo Wastel Kauz zwei weitere Musiker mit an Bord. "Wir wollten eine Band machen. Wir haben einen genialen Schlagwerker gefunden, der wahnsinnig toll auf dem Marimbaphon spielt. Und einen überragenden Kontrabassisten." Ein Name für das neue Quartett war auch schnell gefunden: Wastel Kauz und die Brunnskadda. Auf lediglich sechs Veranstaltungen konnte die Band ihr Können unter Beweis stellen, dann kamen die Ausgangsbeschränkungen.

"Wir waren gerade in den Vorbereitungen, ein Festival in Waischenfeld auf die Beine zu stellen und dachten uns, dass im Sommer bestimmt alles stattfinden kann, doch Monat für Monat wurde alles abgesagt." Kauz war am Boden zerstört. Als Künstler freue man sich auf jeden Gig, erklärt er. Jedes Mal, wenn das Datum eines Festivals anstand, waren die Bandmitglieder in Gedanken vor Ort.

Als feststand, dass auch das Festival Klangtherapie nicht stattfinden durfte, feierten die Organisatoren zumindest eine Betriebsfeier. Zu diesem Zeitpunkt durften Feste unter bestimmten Hygienevorschriften von bis zu 150 Personen stattfinden. "Das haben die toll aufgezogen. So konnten wenigstens die Leute, die das alles organisieren wollten, sich treffen und etwas feiern." Und auch das Tanzen kam auf solchen Veranstaltungen nicht zu kurz. "Man wurde eben kreativ", erzählt Kauz mit einem breiten Grinsen, "es fanden sogenannte Schwimmreifen-Partys statt. Jeder hat sich einen Schwimmreifen um die Hüfte geschnallt, so konnte der Abstand eingehalten werden." Selbst nach ein oder zwei Bier kamen sich die Gäste so nicht zu nahe.

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Gerade in der Sub-Kultur, zu der die Band dazugehört, gehe eigentlich keiner ein Risiko ein. Viele Musiker würden nämlich im sozialen Bereich arbeiten, weiß Kauz, der selbst Krankenpfleger ist. Die Musik war ein guter Zuverdienst, neben seinem Hauptberuf – den er halbtags ausübt. Nun lebe er etwas sparsamer, um die Zeit gut zu überstehen. "Ich habe davon ja nie gelebt und will das auch nicht. Ich bin gerne Pfleger und der Beruf lässt sich auch gut mit meiner Musik verbinden. Ich bin eben ein Künstler aus Überzeugung." Freilich könnte er auch die staatliche Hilfe für Künstler und Kreative beantragen, aber daran denkt Sebastian Kauz überhaupt nicht. Er verdiene genügend Geld, dass es zum Leben reicht. Außerdem sollten es nur diejenigen beantragen, die es auch brauchen würden.

Mit Blick auf große Firmen sagt er: "Wir sind ja sozial und nicht wie große Konzerne, die genug verdienen und weiterhin produzieren, aber trotzdem vom Staat Hilfen annehmen." Gerade die Corona-Krise zeige die Schwächen unserer sozialen Gesellschaft auf. Es freue ihn zwar, dass die Pflege nun bejubelt werde, aber es passiere immer noch zu wenig, ist sich Kauz sicher.

In den Sommermonaten wagte sich Kauz neben dem Texten von Liedern an ein ganz anderes Projekt: dem Bandmobil. Ende 2019 kaufte er sich einen 20 Jahre alten Kleinbus und bastelte mit seinem Bruder Woche für Woche daran. "Das war eine Heidenarbeit. Komplett entrostet. Fenster alle raus und neue rein. Geschweißt, die Karosserie aufbereitet und einiges mehr." Das Vorhaben hätte er wohl ohne die Pandemie niemals mit seinem Bruder durchgezogen, resümiert er und zieht dadurch etwas Positives aus der sonst recht negativen Situation. Nun sei der Bus fertig und fahrbereit und warte auf seinen ersten "Einsatz mit der Band". Sobald es die Lage zulässt, werde er noch einen Stromwechsler einbauen, der dann das Equipment mit Strom versorgt, und dann könnte die Band Wastel Kauz und die Brunnskadda an jedem beliebigen Ort ein Konzert veranstalten.

Hoffen auf baldiges Treffen

Proben finden aktuell nur zu zweit statt, berichtet er etwas geknickt. Das Duo Wastel Kauz treffe sich ab und zu und übe altbewährte Lieder, aber auch Neues, denn des Öfteren kommen dem Künstler neue Ideen, die er zuhause aufnimmt und seinen Bandmitgliedern zuschickt. "Die können sich das dann anhören und haben dann wiederum eigene Ideen und Ansätze, das schicken die mir dann zurück. Jeder macht sich so seine Gedanken." Irgendwann, wenn der Lockdown vorbei ist, dann möchte das Quartett sich wieder treffen und eine "Jamsession" veranstalten.

MARTIN BURGER

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