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Trotz Wind: Rotorblätter stehen still

Für die Bürger von Pegnitz haben die zeitweise abgeschalteten Anlagen keine negativen finanziellen Folgen. - 15.09.2020 05:55 Uhr

In den beiden Pegnitzer Windparks werden gelegentlich wegen Instandhaltungsarbeiten oder einer drohenden Netzüberlastung Windräder abgeschaltet.

© Foto: Ralf Münch


Die Stadt Pegnitz betreibt zwei Windparks. Der Windpark Büchenbach liegt zwischen Büchenbach und Buchau nahe der Autobahn. Dieser wurde mit vier Windrädern 2012 und 2013 in Betrieb genommen. Der Kaufpreis damals: 22,1 Millionen Euro.

Der Windpark Buchau zwischen Büchenbach und Körbeldorf, ebenfalls an der A 9, wurde mit drei Windrädern 2016 an das Netz angekoppelt. Kaufpreis 13,5 Millionen plus jährliche Mehrerlösbeteiligung. Pegnitz selbst hat als Stadt mit diesem Park mehr Windräder als größere Städte der Region wie Bayreuth.

"Es gab schon ab und zu Diskussionen und Erklärungsbedarf im Stadtrat, weshalb und ob da Kosten auf die Stadt zukommen. Aber wir erkundigen uns dann immer beim Netzbetreiber", sagt Bürgermeister Wolfgang Nierhoff. Und man wurde auch immer aufgeklärt. Natürlich kämen wegen den Abschaltungen keine Kosten auf Pegnitz zu.

"Beim Windpark Buchau wurden für den Standardfall etwa 18 230 Megawattstunden pro Jahr berechnet, der über 20 Jahre einen Rückfluss nach Steuer von bis zu 4,2 Millionen Euro führen könnte. Im schlechtesten berechneten Fall mit 15 494 Megawattstunden pro Jahr wäre über 20 Jahre nach Rückfluss bis zu etwa 760 000 Euro möglich."

2019 gab es hier rund 17 000 Megawattstunden. Dieser Stromertrag liege damit "deutlich über dem schlechtesten Fall". Somit sei der Windpark in Buchau nicht defizitär , sondern führe voraussichtlich für die Stadt Pegnitz zu einem beträchtlichen Rückfluss über 20 Jahre", sagt Sylvia Tennert. Sie ist zuständig für die beiden Windparks. Noch besser steht der Windpark in Büchenbach da.

Hier geht man beim Standardfall von knapp 26 000 Megawattstunden, beim schlechtesten Fall von rund 22 000 Megawattstunden im Jahr aus. Innerhalb von 20 Jahren wären dies sechs Millionen beziehungsweise 1,62 Millionen Rückfluss an die Stadt.

Im Vorjahr lag man bei etwa 27 500 Megawattstunden mit den Erträgen also weit über dem Standardfall. "Im vergangenen Jahr hatten wir keinen einzigen Tag ohne Wind."

Wenn die Windräder ab und zu abgeschaltet würden, dann entweder, weil Wartungsarbeiten durchgeführt würden. Oder weil zu viel Strom ins Netz eingespeist werde und eine Netzüberlastung drohe.

Dann schalte Bayernwerk vereinzelte Anlagen ab. Das hänge auch mit den Photovoltaikanlagen zusammen, die Bürger installiert hätten.

In Pegnitz sind derzeit 638 Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 8,3 Megawatt angeschlossen. Und die speisen natürlich auch den Strom ins Netz. Christian Martens, Sprecher der Bayernwerke: "Im Pegnitzer Stadtgebiet bestand 2019 keine Notwendigkeit, die Erzeugungsleistung der regenerativen Anlagen zu reduzieren, um einer Unterbrechung der Stromerzeugung vorzubeugen."

In der näheren Umgebung von Pegnitz seien 2019/2020 nur vier Maßnahmen zur zwischenzeitlichen Leistungsreduzierung von Anlagen, teilweise für Instandhaltungs- und Netzbaumaßnahmen in Auerbach und Eschenbach notwendig gewesen. Falls bei dem Szenario "sonniger und gleichzeitig windreicher Tag" also eine hohe Photovoltaik-Einspeisung und hohe Windenergie stattfände und Anlagen abgeschaltet werden müssten, dann finde im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes eine laut Martens "gleichzeitige und energetisch abgestimmte Regelung beider Anlagentypen" statt. Photovoltaik- und Windanlagen würden teilweise kurzfristig vom Netz genommen. "Wenn das passiert und die Stromeinspeisung von Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien liefern, reduziert werden muss, dann werden die betroffenen Betreiber mit 95 Prozent der entgangenen Einnahmen entschädigt." Sorgen um Einnahmeeinbußen muss sich also niemand machen.

Seit dem Jahr 2016 ist im gesamten Bayernwerk-Netzgebiet wieder eine gestiegene Nachfrage nach Photovoltaikanlagen zu beobachten. Immer mehr Bürger setzten auf Strom vom eigenen Hausdach.

RALF MÜNCH

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