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Tschechen des EVP gefällt Pegnitz: "Klein, aber schön"

Import-Eishockeyspieler sind die Stützen der Ice Dogs - Arbeit im Freizeitzentrum und bei Firma Lenk - 20.09.2020 17:36 Uhr

Bis jetzt ist Trainer Markus Hausner (rechts) zufrieden mit dem, was er von den Spielern Patrik Dzemla (von links), Roman Navara und Ondrej Holomek gesehen hat.

© Foto: Andreas Beil


"Wenn ich einen Film hätte machen wollen, hätte ich dieses Drehbuch gekauft", sagt Trainer Markus Hausner, für den es das erste Spiel als Coach der Ice Dogs war. "Da dachte ich: Wenn jetzt Saisonende wäre, wäre ich zufrieden", sagt der Sportliche Leiter Alexander Herbst und bezieht sich insbesondere auf die Leistung der drei Tschechen im Team: Patrik Dzemla bereitete einen Treffer vor, Roman Navarra traf doppelt und Ondrej Holomek erzielte das entscheidende Tor.

Sie taten also das, was Sportlicher Leiter und Trainer von ihnen verlangen: Sie sind da, um die Punkte zu machen. Während fast alle anderen Spieler sich aufgrund ihres Alters und ihrer Erfahrung entwickeln dürfen, müssen Dzemla, Holomek und Navarra funktionieren. Dafür werden sie im Gegensatz zum großen Rest des Teams bezahlt.

Im deutschen Amateur-Eishockey ist es nicht unüblich, Spieler aus dem Ausland zu verpflichten. In diesen Kreisen spricht man vom Besetzen der Ausländerstellen, Herbst ist der Begriff "Importspieler" lieber.

Arbeit und nebenher Eishockey

In der Regel sieht das Modell so aus, dass Eishockeyspieler aus höheren Ligen angrenzender Länder durch den aufnehmenden Verein eine Wohnung gestellt und eine Arbeitsstelle vermittelt bekommen. Deshalb darf sich der Laie die Eishockey-Söldner nicht als Profis vorstellen, die nebenher ein bisschen arbeiten. Das Gegenteil ist der Fall: Die Pegnitzer Spieler Dzemla, Holomek und Navarra arbeiten 40 beziehungsweise 30 Stunden in der Woche und spielen nebenbei Eishockey.

"Ich glaube, in der Landesliga gibt es ein Gentlemen‘s Agreement, nicht mehr als zwei Importspieler zu verpflichten", sagt Herbst. "Da halten sich aber nicht immer alle dran. Vergangene Saison hat Pegnitz dagegen verstoßen." Jetzt ist es formal anders: Importspieler sind Holomek und Navarra, Dzemla ist zwar in Tschechien geboren, hat aber einen deutschen Pass und spielt seit sieben Jahren in Deutschland. Dementsprechend souverän dolmetscht der 29-Jährige seine beiden tschechischen Mitspieler.

"Es dauert etwas, aber wenn man sich wohlfühlt, kann man eine enge Beziehung zum Verein aufbauen", sagt Navarra. Der 24-Jährige geht in seine dritte Saison für die Ice Dogs, als einziger Importspieler der vergangenen Spielzeit durfte er bleiben – aufgrund seiner Leistung. Er fühlt sich wohl. "Pegnitz ist klein, aber schön", findet der Stürmer. Wie Dzemla arbeitet Navarra im Cabriosol und im Eisstadion als Haus- und Eismeister.

In die tschechische Heimat kommt der eine mal mehr, der andere mal weniger – Navarra muss etwa 300 Kilometer in den Ort fahren, wo seine Familie lebt. Er reist dorthin, so oft er kann. Bei Dzemla sind es rund 600 Kilometer, daher beschränkt er sich auf eine Handvoll Besuche pro Jahr. Der 29-jährige Dzemla war vergangene Saison bereits für drei Monate bei den Ice Dogs, ehe er zu den Passau Black Hawks in die Bayernliga wechselte.

Der Dritte im Bunde, Ondrej Holomek, ist zwar mit 30 Jahren der Älteste, "aber für uns wie unser Kind", sagt Dzemla. Holomek ist nämlich erst im August nach Pegnitz gekommen und hat vorher noch nicht in Deutschland gelebt. Die Landsleute zeigen ihm die Umgebung, übersetzen Dokumente und begleiten bei Behördengängen.

Holomek war er bei VHK Vsetin ein herausragender Verteidiger in der zweiten tschechischen Liga. Warum er nun in Deutschland ist? Ihm gehe es wie seinen zwei Landesleuten, sagt er: "Ich will ein neues Kapitel in meinem Leben aufschlagen, eine neue Sprache lernen und Geld verdienen." Letzteres macht er als Helfer der Dachdecker bei der Firma Lenk – in Vollzeit. Als Eishockeyspieler in Tschechien gehörte seine Zeit fast ausschließlich dem Sport, als Forstarbeiter verdiente er sich etwas dazu.

"Wir sind der Stadt und den Firmen, die unsere Importspieler beschäftigen, sehr dankbar", sagt Alexander Herbst. Er freut sich aber auch, wenn sich seine Schützlinge vor den ganz wichtigen Spielen nicht ganz so arg schinden müssen. Schließlich werden sie für die Punkte gebraucht.

MARCEL STAUDT

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