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Turbulente Zeiten im Pflegeheim

Wohlfahrtsverband kündigt Kräften in Creußen und schafft neue Strukturen - 04.11.2015 17:54 Uhr

Das Albert-Schweitzer-Seniorenzentrum in Creußen: Nun wurde die Leitung der Einrichtung entlassen. © Foto: Ralf Münch


Andreas Mottl, der entlassene Heimleiter, sieht sich als Bauernopfer. „Ich habe mich verpflichtet zu schweigen“, sagt Mottl. Nur soviel: Die Kündigung sei falsch und löse die Probleme nicht.

Ein Blick in den wegen seiner Notengewichtung umstrittenen Pflegenavigator ergibt, dass das Creußener Heim zuletzt zweimal schlecht vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen bewertet wurde. Das Heim liegt mit der Note 2,6 deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 1,3.

Auffallend: Laut Bericht haben die Bewohner das Pflegeheim außerordentlich gut bewertet. Schlecht schneidet dagegen Pflege und medizinische Versorgung ab. Peter Schimpf ist Vorsitzender beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern: „Kritisiert wurde vor allem die Dokumentation.“

Frühere Beschäftigte des Heimes, die nicht namentlich genannt werden wollen, sagen, dass sich die entlassene Pflegedienstleiterin Karin Hoffmann darum gar nicht kümmern konnte. Weil sie aufgrund starken Personalmangels selbst ausschließlich mit der Pflege beschäftigt gewesen sei. Hoffmann will sich mit Verweis auf ihren noch laufenden Vertrag nicht äußern.

Verbandsvorsitzender Schimpf gibt aber zu: „Wir hatten einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand und viele Wechsel beim Personal.“ In einem kleinen Heim wie dem Creußener, mit gerade einmal 60 Betten und 20 Vollzeitkräften, könne so etwas eben nicht aufgefangen werden.

Probleme hätten die Versäumnisse aber eher den Kassen als den Bewohnern gemacht. „Die monieren das aber völlig zurecht“, sagt Schimpf. „Sich liebevoll und aufopfernd um die Bewohner zu kümmern, genügt nicht“, sagt Schimpf. Das hätten Mottl und Hoffmann getan. „Es ist absolut nichts Schlimmes oder Belastendes passiert,“ versichert Schimpf. Noch vor zwei Jahren habe das Haus unter Mottl regelmäßig sehr gute Noten eingefahren.

Laut Vorsitzendem Schimpf gilt es, den Pflegebetrieb des Verbandes neu zu strukturieren: „Wir ziehen Kompetenzen von Creußen nach Bayreuth ab und von Bayreuth nach Nürnberg.“ Konzepte sollen künftig nur noch einmal für alle Einrichtungen entwickelt werden.

Bis Januar untersteht das Haus der Bayreuther Heimleiterin Oxana Kamyshanskaya. Dann soll in Creußen eine Stelle geschaffen werden, die Heim- und Pflegedienstleitung in einer Person vereint. Diese soll Kamyshanskaya künftig berichten. Kurzum: Das Creußener Heim soll dem Bayreuther untergeordnet werden. 

THORSTEN GÜTLING

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