Hoch hinaus

Über den Job eines Revierleiters in der Region

8.9.2021, 17:41 Uhr
Der Revierleiter Lorenz Wurmthaler klettert mit dem mobilen Hochsitz eine stramme Borke hinauf. Die Teile bringen rund zehn Kilo auf die Waage. Die Aufnahme entstand im Prüll bei Pottenstein.

Der Revierleiter Lorenz Wurmthaler klettert mit dem mobilen Hochsitz eine stramme Borke hinauf. Die Teile bringen rund zehn Kilo auf die Waage. Die Aufnahme entstand im Prüll bei Pottenstein.

Nach 50 Sekunden – das ist zeitlich noch gar nicht so schnell nachgerechnet – ruft der Revierleiter schon winkend aus luftiger Höhe: "So, sechs Meter, das reicht hier. Da kann ich mir gut einen Überblick über die Fläche um den Jungwuchs machen – tiefer würde ich hier nichts sehen, denn diese Fichten sind zwei Meter hoch und würden die Sicht verdecken".

Sicherung gegen Absturz

Er zeigt von oben auf den Verjüngungskegel. "Damit ich nicht abstürze, zog ich meinen Klettergurt an und sicherte das Gewehr."

Vor 20 Jahren machte der 44-Jährige den Jagdschein. Den transportablen Klettersitz gab es damals noch nicht. "Diesen entdeckte ich vor sechs Jahren auf einer Drückjagd." Die Idee vom mobilen Sitz komme von den Bogenschützen aus Amerika, die mit Pfeil und Bogen ihr Wild jagen, so Wurmthaler. "Ich war damals überrascht, wie viel mehr man einen Überblick gegenüber den der Kanzeln und Hochsitze hatte. Man ist hier viel flexibler und effizienter beim Jagen. Hier weiter oben gibt es dann noch einen Vorteil: Wir sind hier außerhalb des Windes."


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Das stellt der verheiratete, zweifache Familienvater fest. Wieso ist der Wind so wichtig? "Das Wild riecht uns und verschwindet. Rehwild und Schwarzwild sichert immer auf Augenhöhe. Wenn ich hier oben bin", ruft er hinunter, "merkt es den Wind nicht. In der Jägersprache heißt es deshalb ja ,aus dem Wind zu sein‘", verrät er und ergänzt: "Jagdwetter ist immer, wenn der Wind nicht pfeift. Wenn der Wind jagt – dann bleibt der Jäger zu Hause", legt er in den Wipfeln noch nach. Regen und Schnee seien kein Hindernis.

Lorenz Wurmthaler ist Revierleiter bei den Bayerischen Staatsforsten. Damit ist er verantwortlich für 1600 Hektar Regiejagd.

"Acht Begehungsscheininhaber gehen bei mir mit auf die Jagd. Die Nachfrage nach dem transportablen Klettersitz wird immer mehr. Es ist kein Allheilmittel und keine Wunderwaffe, doch ich sehe schon die genannten Vorteile", bekräftigt er.

Inzwischen hat er es sich oben im Baum mit einem gepolsterten Sitzkissen gemütlich gemacht. "Hier kann ich auch die Positionen schnell ändern. Oder, wenn ich sehe, dass es an einer anderen Stelle geeigneter wäre, dann ziehe ich einfach um."

Dabei zeigt er auf die schnurgerade Fichte ohne Äste und mit fester Borke in der Nachbarschaft. "Das Gewehr hänge ich mir beim Hochsteigen immer um, damit es nicht am Sitz klappert", zeigt er seine routinierte Technik. Mit Sicherungsmaterial hat seine Anschaffung zwischen 500 und 600 Euro gekostet.

Steiler Winkel

"Wenn ich mir eine große Kanzel hinbaue, so kostete dies das gleiche Geld", rechnet der ehemalige Effeltricher laut. "Hier kann ich einfach an geeigneter Stelle hochgehen und an anderer Stelle mich schnell neu einrichten." Die erhöhte Position lässt es auch zu, in einem steileren Winkel zum Boden zu schießen. "Das ist ein Aspekt der Sicherheit, wenn ich von oben nach unten schieße, ist immer ein guter Kugelfang vorhanden", verweist er aus seiner langen Praxiserfahrung.

Einige Kollegen hat er schon mit der Handhabe zum Klettersitz geschult. "Ist eine Bewegungsjagd mit mehreren Jägern, dann ist ein ausgebildeter Höhenretter dabei. Übrigens steht in der Betriebsanweisung, dass einer ortskundigen Person der Standort mitzuteilen ist. Damit dieser feststeht, wenn eine Rettung nötig ist", verweist er auf die Vorschriften. Ein Klettersitzseminar ist beim Jagen im Freistaat notwendig. Hier lernt man auch das Abseilen vom Baum, die Stand- und Eigensicherung und das Verhalten bei der Jagd. "Keine Höhenangst, schwindelfrei und sportliche Fitness", zählt der Revierleiter auf, seien Voraussetzung.

Unten wieder sicher angekommen, hält Lorenz Wurmthaler Ausschau nach seiner sehenswerten Naturverjüngung: Tanne, Eiche, Linde, Lärche, Kiefer und Fichte: Kein Wildverbiss ist an den zarten Pflänzchen zwischen dem saftigen Moos zu beobachten.

Der Staatswald im Prüll blüht auf. "Ziel ist es, einen bunt gemischten Wald in allen Altersgruppen zu haben. Hier ist der Boden verjüngt", freut er sich.

"Ich will als Förster, dass die Baumarten, die oben als Altbestand vorhanden sind, sich unten als Naturverjüngung ansiedeln, ohne dass sie weggefressen werden", zeigt er seine Motivation auf. Wohin kommt das erlegte Wild? "Das geht in die Direktvermarktung vom Forstbetrieb Pegnitz an Abnehmer vor Ort", sagt er.

Schnell verpackt

Schnell ist sein Alusitz, der gerade noch in beachtlicher Höhe befestigt war, zusammengeklappt und auf den Rücken geschultert. "Der ist sehr handlich. Ich schätze mal so zehn Kilo", wägt er ab. "Die neueren Modelle sind noch flacher", verspricht er. Er winkt aber ab, denn er ist mit seinem alten Prachtstück zufrieden.

So zwei bis drei Stunden vor der Dunkelheit oder früh bei der Dämmerung geht der Förster, der seit 2011 in Pottenstein tätig ist, zur Jagd. "Die Jagd gehört zum Forstberuf dazu und ist ein Teil davon", empfindet Wurmthaler, der in Weihenstephan studierte.

Im Wald zu arbeiten, das war schon ein Kindheitstraum. "Ruhe, Natur, Pflanzen und Tiere, ich habe hier alles. Die Liebe zum Wald hat mich zum Beruf des Försters getrieben."

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