Ungewisses Schicksal der Hopfenoher Kirche

10.7.2018, 17:09 Uhr
Für einen Tag kehrten die Statuen Peter und Paul zurück in die gleichnamige Kirchenruine auf der Hopfenohe, wo einst Richard Lehner getauft wurde.

Für einen Tag kehrten die Statuen Peter und Paul zurück in die gleichnamige Kirchenruine auf der Hopfenohe, wo einst Richard Lehner getauft wurde. © Gerald Morgenstern

Auch von den Aktivitäten von Pfarrer Johann Ritter und der Erweiterung des Gotteshauses berichtete Lehner. Ritter, der spätere Stadtpfarrer von Auerbach, war 1933 Geistlicher in Hopfenohe geworden und wollte die Ortschaft durch die Erweiterung des Gotteshauses vor dem Zugriff des Militärs schützen. Dazu sammelte er Geld von seinen Pfarrangehörigen ein, was ihm aber die NSDAP verbot.

Lehner erzählte weiter jene Geschichte, die auch der Auerbacher Heimatschreiber Hans-Jürgen Kugler in seiner Pfarrchronik von Hopfenohe niedergeschrieben hat. Nachdem Ritter keine Haussammlung machen durfte, sammelte er kurzerhand beim Gottesdienst Geld für den Kirchenausbau ein. Die Kuverts nahmen ihm die Nazis aber auf dem kurzen Weg von der Kirche bis zum Pfarrhaus ab. Außerdem erhielt Ritter eine Anzeige der Bayerischen Politischen Polizei, weil er dieses Vorgehen als "Akt des Bolschewismus" bezeichnete.

Der engagierte und umtriebige Geistliche schaffte es jedoch, von den Reichsbehörden die Geldsammlung in Höhe von 6000 Reichsmark (RM) zurückzubekommen und auch die Klage abzuwenden. Der Umbau des Gotteshauses, der eigentlich fast ein Neubau war, konnte beginnen. Gelder gab es auch vom Bistum Bamberg, das Gros stemmten allerdings die Gläubigen vor Ort. Mit Spenden von Baumaterialien, ihrer Arbeitskraft und Spanndiensten errichteten sie die Kirche und wurden mit Biermarken bezahlt.

Bezahlung in Bier

1935 wurde wieder Gottesdienst in Hopfenohe gefeiert. Aufschluss über die Kosten und Finanzierung gibt die Kirchenrechnung von 1936. Sie bezifferte sich auf insgesamt 38 000 Reichsmark. Die Position "1800 Reichsmark, Bier für Hilfsarbeiter" sticht darin hervor. Die Kirchenerweiterung und all der Aufwand konnte nicht verhindern, dass die Nazis den Übungsplatz erweiterten und die letzten Hopfenoher 1939 abziehen mussten.

Die verlassene Ortschaft verwilderte zunehmend, die Häuser dienten zeitweise als Wohnung für Familien der Zielbauarbeiter des Militärs. Nach dem Krieg wurden dort auch Flüchtlinge einquartiert. In der noch voll ausgestatteten Pfarrkirche Peter und Paul hielt Pfarrer Ritter weiter Gottesdienste, an denen deutsche Soldaten und polnische Kriegsgefangene teilnahmen. Richard Lehner stand damals als Messdiener am Altar. "Auch als Hütebuben kamen wir oft auf die Hopfenohe und streiften durch das verlassene Dorf", erinnert sich der Zeitzeuge. "Wir schauten durch die eingeschlagenen Fensterscheiben der Häuser, alte Öfen und verwüstete Einrichtungen machten einen gespenstischen Eindruck."

Das Bild zeigt den Umbau der Hopfenoher Kirche im Jahr 1934, der fast einem Neubau glich.

Das Bild zeigt den Umbau der Hopfenoher Kirche im Jahr 1934, der fast einem Neubau glich. © Repros Gerald Morgenstern

Pfarrer Ritter stellte schließlich die Inneneinrichtung von Hopfenohe für die im Krieg ausgebrannte und dann wiederaufgebaute Kirche von Troschenreuth zur Verfügung. Dort fanden auch die wertvollen Barockschnitzereien des Auerbacher Bildhauers Michael Doser eine neue Heimat. Die Statuen Peter und Paul waren nun für Messfeier des Dekanats kurz auf die Hopfenohe zurückgekehrt.

Die Frage, was aus der, von der US-Armee gesicherten, Kirchenruine im Sperrgebiet mal werde, warf Regionaldekan Dr. Josef Zerndl in seiner Predigt auf: "Wer weiß, ob nicht unsere jungen Ministranten in 80 Jahren in ein Dorf und eine Kirche kommen können, wo wieder neues Leben eingekehrt ist?"

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