Ungewöhnlich: Straßenverkaufsstände im Landkreis Bayreuth vielerorts verboten

10.6.2021, 08:55 Uhr
Dieser Pegnitzer Verkaufsstand steht richtig: Spargelverkäuferin Maria Schriefer verkauft seit knapp zehn Jahren auf dem Parkplatz des Dänischen Bettenlagers das weiße Edelgemüse, dazu noch Kartoffeln und Erdbeeren.

Dieser Pegnitzer Verkaufsstand steht richtig: Spargelverkäuferin Maria Schriefer verkauft seit knapp zehn Jahren auf dem Parkplatz des Dänischen Bettenlagers das weiße Edelgemüse, dazu noch Kartoffeln und Erdbeeren. © Foto: Frank Heidler

Was viele dabei nicht wissen: Im Landkreis Bayreuth ist es vielerorts gar nicht erlaubt, seine landwirtschaftlichen Erzeugnisse am Straßenrand zu verkaufen. Damit geht die oberfränkische Behörde einen in Bayern ungewöhnlichen Weg, sagen Experten.

"Straßenverkehrsrechtlich ist das Anbieten von Waren und Leistungen aller Art auf der Straße (oder außerhalb der geschlossenen Ortschaft jede Werbung durch Bild, Schrift, Licht oder Ton) verboten, wenn dadurch am Verkehr Teilnehmende in einer (den Verkehr) gefährdenden oder erschwerenden Weise abgelenkt oder belästigt werden können."

Das teilt das Landratsamt Bayreuth in schwer verständlichem Amtsdeutsch auf Nachfrage der NN- Redaktion mit. Und von einer möglichen Gefährdung sei eigentlich immer auszugehen, ohne dass diese konkret im Einzelfall nachgewiesen werden müsse.

Ausgenommen von dieser Regelung sei lediglich der Verkauf ab Feld oder Hof, nicht aber beispielsweise in Parkbuchten oder auf öffentlichen Parkplätzen an der Straße. Denn auch dort könne der Verkehr beeinträchtigt werden, zum Beispiel durch abruptes Abbremsen potenzieller Kunden beim Abbiegen, verkehrswidriges Parken, Halten auf der Straße oder in Buchten für Busse.

Wer ein Feld oder einen Hof besitzt, darf dort auf den Betriebsflächen aber einen Verkaufsstand aufstellen, informiert das Amt. Dieser kann beweglich und nur vorübergehend sein, beispielsweise während der Erntesaison.

Damit diese Verkaufsstellen leichter gefunden werden, sei es ferner zulässig, dafür Werbe- und Hinweisschilder zu platzieren. Innerorts dürften Verkaufsstände von Direktvermarktern in Absprache mit der örtlichen Gemeinde- beziehungsweise Stadtverwaltung aufgebaut werden, berichtet Hannes Huttinger von der Pressestelle des Landratsamts Bayreuth.

Nur selbst Produziertes

Die Direktvermarktung betrifft nur selbst produzierte, rohe Naturerzeugnisse. Einschließlich deren eigener Weiterverarbeitung zu Halbfertig- oder Fertigwaren, also beispielsweise zu Marmelade, Eierlikör oder Räucherfisch. Eine Hinzunahme fremder Erzeugnisse, wie Honig, Schnaps, Wein oder Wolle, von regional benachbarten Betrieben, sei in untergeordnetem Umfang möglich.

Der Absatz eigenerzeugter Produkte müsse jedoch stets erkennbar im Vordergrund stehen. Auch im Hinblick auf den zu erwartenden Jahresumsatz, betont der Kreis-Sprecher.

Und noch einen wichtigen Standort für Verkaufsstände von Landwirten gibt es: auf privaten Parkplätzen von Baumärkten, Discountern und dem Lebensmitteleinzelhandel, wie Harald Köppel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in Bayreuth, ergänzt. Denn: "Es ist oft schwer, die Leute zu sich aufs Dorf zu locken." Oft hätten solche Direktvermarkter dann auch professionelle Verkaufswägen, mit denen sie in der Region unterwegs seien, und feste Standorte an bestimmten Wochentagen. Undenkbar sei dieser Absatzweg jedoch für Produkte, die fortlaufend gekühlt werden müssen, beispielsweise Eier, Fleisch und Wurst. "Da braucht man eine ganz andere Infrastruktur mit einem Schlachthaus und ausgebildetem Personal."

Gesundheitsschutz geht vor

Dieser Punkt ist selbstredend auch der Lebensmittelüberwachung des Landratsamts Forchheim besonders wichtig. So dürfe etwa Rohmilch aus Gründen des Gesundheitsschutzes nur ab Hof verkauft werden, Eier ab Hof oder als Haustürgeschäft. Beim Angebot von selbst erzeugtem Obst und Gemüse dagegen gebe es allerdings keine Beschränkungen: Kartoffeln, Spargel, Erdbeeren, Kirschen und mehr dürfen Landwirte im Kreis Forchheim ohne weitere Genehmigung am Straßenrand feil bieten.

Dabei sei es durchaus möglich und verbreitet, dass Erzeuger aus benachbarten Landkreisen dort ihre Stände mit Spargel & Co. aufbauen.

Diese Praxis bestätigt Sabine Biberger, Beraterin für Direktvermarktung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) für ihre Heimatregion. Bibergers Stelle ist am AELF in Ingolstadt angesiedelt, aber für ganz Bayern zuständig und will Bauern dabei helfen, sich einen Teil der Gewinnmarge, die sonst an den Handel verloren geht, zu sich zurückzuholen.

Zu diesem Zweck organisiert die Beraterin heuer im Herbst bereits zum achten Mal ein Seminar zur Betriebszweigentwicklung. Dort lernen die Teilnehmer pragmatische Themen rund um die Direktvermarktung, wie Investitionsplanung, Hof-architektur, Marketing und Lebensmittelsicherheit.

"Der Einstieg beginnt oft klein, mit dem Verkauf von Kartoffeln, einem Eierhäuschen oder einem Verkaufsautomaten und wird in den folgenden Jahren häufig ausgebaut bis hin zu Hofläden mit Vollsortiment", berichtet Biberger. "Spätestens bei der Übergabe an die nächste Generation wird dieser Betriebszweig meist (weiter)entwickelt." Durch die Pandemie habe dieser Trend noch mehr Aufwind bekommen.

20 Direktvermarkter

Im Landkreis Bayreuth existiert ein Zusammenschluss von zirka 20 Direktvermarktern zu einer Interessensgemeinschaft, berichtet Christa Reinert-Heinz, Abteilungsleiterin Bildung und Beratung am AELF Bayreuth. Darüber hinaus gebe es weitere Direktvermarkter, deren Anzahl dem Amt aber nicht bekannt sei.

Einige von ihnen hätten auch Verkaufswägen. Neben den Direktvermarktern haben sich außerdem unter der "Dachmarke Bayreuther Land" Erzeuger regionaler Produkte zusammengetan. Die rund 60 Mitglieder sind Landwirte und Ernährungshandwerker, wie Bäcker und Metzger, aber auch Lebensmitteleinzelhändler, erläutert Reinert-Heinz. Bei diesem Zusammenschluss seien Straßenverkaufsstände allerdings kein Thema.

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