Unschuldiges „Bauernopfer“

9.12.2010, 22:49 Uhr

Er, der die umstrittene Anlage für die zwei Pferde seiner Frau und Tochter begleitete, wirft Kreisheimatpfleger Günther Hofmann vor, unberechtigt eine harte Front gegen ihn aufzubauen. Das Landratsamt treffe außerdem mit seiner „Beseitigungsanordnung“ (sie betrifft den Stall) eine arme Landwirtsfamilie, die sich durch die Pflege seiner Pferde eine schwere Existenz mitsichern könnte.

Der Mann erläutert den komplizierten Hintergrund. Das Gelände liegt direkt oberhalb des Gasthauses Dörnhöfer von Loch. Dessen alte Wirtin ist die Besitzerin. Sie verpachtete es aber mit vielen anderen Feldern an einen Bauern im Dorf. Dieser unterstützte die Reitanlage. Aber bis sie entstehen konnte, musste viel aufgeräumt werden: Es war hier nicht nur ein Spielplatz gewesen, sondern auch eine Müllkippe. Teppiche, Draht, Antennen und über 40 Reifen mussten entfernt werden.

Im Frühjahr 2009 beantragte man nachträglich das Ausschieben von Humus für den Sandplatz. Im Sommer wurde dies vom Landratsamt genehmigt, im Nachtrag auch vom Denkmalamt. Ein Stall kam dazu. Aber weil er kleiner als 48 Quadratmeter ist, schien er „landwirtschaftlich privilegiert“ zu sein, also genehmigungsfrei.

Nicht fürs Wochenende

Nur sah er nach einem Wochenendhaus aus. Deshalb erfolgte eine Anzeige, angeblich von einem Bürger, dessen schwarz errichtetes Wochenendhaus nicht weit entfernt stand. Er musste es abreißen. Ende 2009 wurde der Abbruch des Stalls befohlen. Aber man schaltete zur Verteidigung einen Anwalt ein, Klaus-Günther Dietel. Als im Frühjahr 2010 erneut eine Beseitigungsanordnung eintraf, ging alles vor Gericht — um das landwirtschaftliche Privileg durchzusetzen.

Der Pferdehalter versteht bis heute die Argumente der Denkmalschützer nicht: Seiner Meinung nach steht der Pferdestall am Rand der archäologisch bedeutenden Fläche. Kein Baum wurde dafür gefällt und das Fundament bewusst leicht gehalten: Der Mann ist beim Bund Naturschutz.

„Totgeackert“

Das ganze Areal innerhalb des Ringwalls sei sowieso schon „totgeackert“ gewesen, sagt er. Die Pferde zerstören jetzt weniger als jeder Pflug. Er werde zum Bauernopfer gemacht: Er konnte ja nichts von der archäologischen Bedeutung wissen. Hier widerspricht allerdings Josef Gardill. „Das ganze Dorf weiß, dass da oben etwas Bedeutendes ist.“

Der Pferdehalter will auch die Bauersfamilie nicht um die Euro bringen, die er monatlich fürs Unterstellen bezahlt. Deshalb suchte er sich keine andere Bleibe für die Tiere. „Das hätte ich längst gekonnt.“