Traumberuf

Unterwegs mit einem Pegnitzer Schornsteinfeger

21.7.2021, 17:21 Uhr
Schlotfeger Thomas Klinner bewegt sich hoch auf den Dächern über Pegnitz und der Region: „Der Kopf ist immer dabei.“ Manchmal findet er Bienen- oder Vogelnester in den Kaminen.

Schlotfeger Thomas Klinner bewegt sich hoch auf den Dächern über Pegnitz und der Region: „Der Kopf ist immer dabei.“ Manchmal findet er Bienen- oder Vogelnester in den Kaminen. © Foto: Rosi Thiem

Dort beginnen die Trittstufen hoch hinaus zum Kamin. "Ich schau mir das schon an, bevor ich hoch gehe. Die Erfahrung macht natürlich sicherer. Dabei gilt: immer Kopf einschalten", sagt der Familienvater lachend. Die Unfallverhütungsvorschriften sind ihm wichtig. War es schon mal brenzlig? "Ja, in den 23 Jahren meiner Berufstätigkeit ist mir zwei Mal die Leiter weggerutscht. So schnell konnte ich gar nicht schauen", berichtet er. "Einmal kam Wind auf, als ich auf dem Dach war, und die Leiter rutschte weg. Ich konnte mich zum Glück an der Dachrinne festhalten. Nach unten waren es dann nur noch zwei Meter", sagt er im Nachhinein erleichtert.

Eis und Schnee sind am gefährlichsten. "Im Sommer kommt es hin und wieder vor, dass ein Bienen- oder Vogelnest im Kamin zu finden ist", verrät Thomas Klinner.

Klinner, der die Hälfte der Pegnitzer Kamine kehrt, aber auch in 19 Ortschaften – wie Troschenreuth, Körbeldorf und Buchau – hatte damals bei der Berufsfindung zunächst ganz andere Pläne. "Ich hatte schon eine Ausbildungsstelle als Werkzeugmechaniker fest in Aussicht. Der Zufall bescherte mir ein Praktikum beim Kaminkehrer", berichtet er lachend. Sein Ausbilder und ehemaliger Chef Rudi Schwindl zeigte ihm alles, was den Beruf ausmacht. "Ich wollte flexibel sein, acht Stunden – an einer Maschine – lagen mir nicht. Der Kundenkontakt ist mir auch sehr wichtig", erzählt er. Nun ist er sein eigener Chef mit eigenem Kundenstamm. Für ihn ist der selbstständige Beruf ein Treffer, in dem er voll aufgeht. "Mittlerweile macht die Beratung einen sehr großen Anteil meiner Arbeit aus", stellt der engagierte Schornsteinfeger fest. "Durch die Energiepolitik, die ständige Änderungen bringt, sind viele Leute verunsichert. Viele Hausbesitzer sprechen mich dann an und stellen Fragen." Beraten wird dann zur Hauptsache und nebenbei der Kamin sauber, sagt er und grinst.

Mehrere Schulungen

Er ist zuständig für Öl, Gas und Holz – bei Strom ist er außen vor. Kohle geht – Pellets, Photovoltaik, Solar sind einige Themen der Zukunft. "Natürlich muss ich mich da selbst auf dem Laufenden halten. Fünf bis sechs Mal im Jahr bin ich auf Schulungen der Innung. Die Kundenberatung wird immer mehr. Aber ich mache es ja gerne", so Klinner.

Einige Eigenheimbesitzer wüssten nicht, dass sie sich laut Gesetz selbst um einen Kaminkehrer kümmern müssen. "Jeder Kaminkehrer hat ein Gebiet und einen Kundenstamm. Es ist generell möglich, sich auch einen anderen Kaminkehrer zu wählen. Allerdings ist es auch eine Vertrauensbasis, wenn man weiß, wer an die Tür kommt", findet er. Seine Kunden vertrauen ihm. Besonders schätzen sie seine Zuverlässigkeit. Manchmal bekommt er auf den Dörfern von den Kunden auch eine Tasse Kaffee. "Dem Kunden zuliebe ziehe ich auch mal Überziehschuhe an. Arbeitssicherheit bieten allerdings die Sicherheitsschuhe. Flügel habe ich leider noch nicht", sagt er grinsend.

Für das Kehren, die Beratung, die Feuerschau oder Heizung messen nimmt er sich gerne Zeit. Inzwischen hat er einen Auszubildenden, der ihn begleitet. Zu Coronazeiten wurde der Schornsteinfeger-Beruf recht schnell als systemrelevant eingestuft. Die Menschen waren mehr zu Hause – es gab mehr Ruß. Das Vertrauen zum Schlotfeger sei vorhanden, ebenso wie das steigende Beratungsaufkommen. Das spürt auch Ehefrau Stefanie. "Es ist ein Beruf, der nicht stehen bleibt. Es muss permanent gelernt werden. Ein toller Beruf mit vielen abwechslungsreichen Möglichkeiten. Aber für den Nachwuchs müsste mehr Werbung gemacht werden", fordert sie. Gibt es Ärger mit der Schmutzwäsche? "Kein Problem", winkt Stefanie Klinner ab: "Es gibt separate Büro- und Wirtschaftsräume mit Dusche." "Und für die Hände reicht heißes Wasser mit einer gescheiten Bürste", fügt ihr Mann grinsend hinzu.

Kaminkehrer bringt Glück

Der Schlotfeger als Glücksbringer – woher kommt das? "Da gibt es verschiedene Ansichten. Früher war das mehr Aberglaube. Bei den Feuerstätten aus Holz brannte öfter der Kamin, der nicht gefegt wurde. Als dann der Schornsteinfeger kam, sahen die Menschen, dass es ein Glücksfall war, wenn dieser kehrte und es nicht zu einem Brand kam.

Somit wurde er zum Glücksbringer", lacht der 38-Jährige. Auch heute fassten hin und wieder Passanten, meist Urlauber, seine goldenen Knöpfe an und drehten diese zum "Glückbringen". Für Thomas Klinner ist es ein Traumberuf in luftiger Höhe.

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