„Velo“ legt Zwischenstopp in Pegnitz ein

31.8.2015, 09:20 Uhr
Heinrich Schlack bemalte sein Velomobil mit Kuhflecken. Er hofft, dass Autofahrer sofort an eine „Kuh“ denken, wenn sie ihn sehen, und einen großen Bogen ziehen.

Heinrich Schlack bemalte sein Velomobil mit Kuhflecken. Er hofft, dass Autofahrer sofort an eine „Kuh“ denken, wenn sie ihn sehen, und einen großen Bogen ziehen. © Foto: Thomas Knauber

Dieser Pedelec-Motor schob Schlack gut voran, weil die Technik clever ausgedacht ist: Rollt der Radler nämlich mit diesem futuristischen Gefährt bergab, dann lädt sich sein Akku wieder auf. Innerhalb von zwei Tagen lässt sich so die Strecke nach Berlin bewältigen. Schlack brauchte aber drei – wegen der Hitze.

Doch auf dem Rückweg, beim Zwischenstop in Pegnitz, war der Akku ziemlich platt, genauso wie der Konstrukteur. Schlack hatte Hunger, der Akku brauchte Strom. Dieser und Essen war schwer zu bekommen in der Innenstadt, weil gerade Mittwoch war und viele Gasthäuser geschlossen. Aber ein Tipp von Passanten half dem Fernradler weiter. Heinrich Schlack bekam in der Bäckerei Schorner, die ja nur mit Elektrofahrzeugen arbeitet, mit herzlicher Freundlichkeit eine Steckdose — und ein Stück vegetarische Pizza.

Preis eines Kleinwagens

Schlack investierte für sein Velomobil „go-one“ über 10 000 Euro. „Das ist der Preis eines Kleinwagens“, lächelt er. Aber auch andere Velomobile kosten so viel, egal ob sie Quest heißen, Milan, Le Mans, Leiba oder Arcus. Nur das „Mango“ ist billiger — vielleicht, weil es kürzer ist.

Aber für dieses Geld bieten die „go-one“-Hersteller, die Brüder Beyss aus Straelen an der holländischen Grenze, Leichtigkeit und Aerodynamik. Ihre Modelle sind für Rennen und Rekorde gedacht: nur 24 Kilo schwer und gut gefedert.

Das Velomobil von Schlack wiegt allerdings mehr, weil eine Plexiglashaube und der Motor dazukommen, zusammen über vier Kilo. Diese Plexiglashaube sieht zwar top aus, beschert dem Nürnberger aber schweißtreibende Fahrten. Schlack ist nach zehn Minuten „klitschnass“, auch wenn draußen kühles Wetter ist.

„Deshalb wird sich so ein Velomobil nie durchsetzen“, glaubt er. Obwohl in den neuen Modellen extra ein Lüftungskanal eingebaut ist. „Unter den Velomobilisten gibt es einen Spruch: ,Eine Badewanne ist auch nass, aber nicht so bequem.‘ Wer Aerodynamik will, braucht sich nicht über den fehlenden Fahrtwind beschweren.“ Einige Velomobil-Fahrer verzichten deshalb aufs Plexiglas und halten ihren Kopf in die Luft.

Wie kam nun Schlack auf dieses Rad im Ei? Der gelernte Starkstromelektriker, der dann Energietechnik studierte, war zunächst ein Fan von Liegerädern. Mit solch einem Gefährt war er schon in Barcelona und in Polen, sogar ohne jede Angst vor einem Dieb. „Damit kann keiner wegfahren.“ Ein Liegerad braucht nämlich Training. Einige Nürnberger wurden durch ihn bewegt, auch aufs Liegerad umzusteigen. Aber den nächsten Schritt zum Velomobil machte kaum einer mit. „In Nürnberg gibt’s die nicht, eher im Umland.“

Heinrich Schlack radelte mit seinem „go-one“ schon zum Bodensee, an einem Tag — das sind 309 Kilometer. Und nach Germersheim am Rhein sowie nach Schweden.

„Paar Geräusche“

Danach installierte er seinen Pedelec-Motor und peilte Berlin an. Er ist stolz auf seine Konstruktion, weil sie problemlos durchhielt. „Es hat gut geklappt, besser, als ich vermutet hab. Es gibt zwar ein paar Geräusche und irgendwas klappert, aber es ist nichts Gravierendes.“

Dieser Motor ist 25 km/h schnell und hilft bergauf, was auch nötig ist. Denn immerhin wiegen Velomobile plus Mann, Gepäck und Akkumotor rund 125 Kilo. Als er diese Zahl nennt, fügt der Öko-Fan noch einen nachdenklichen Satz an: „Unsere Autos sind viel zu schwer. 1,5 Tonnen, nur um einen Menschen mit 75 Kilo zu bewegen?“

Heinrich Schlack radelt übrigens, seiner Weltsicht entsprechend, in einem Shirt mit der Aufschrift „per la pace“ („für den Frieden“). Es stammt von einer Friedensfahrt per Rad, die 2003 von Erlangen aus nach Turin ging, in den Ort Cumiana. Solche Radtouren gibt es alle zwei Jahre.

Die Erlanger pflegen bewusst eine Städtefreundschaft mit Cumiana, weil hier die deutsch-italienische SS im April 1944 über 50 Männer erschoss, die als Repressalie willkürlich ausgewählt waren. Der inzwischen verstorbene Anton Renninger aus Erlangen hatte diese SS-Einheit geleitet.

Alles Geschichte und Geschichtchen, die Schlack mit seinem Ökomobil erlebt hat.

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