Turnhallen

Vereine sauer: Schulverband fordert Reinigung nach jeder Veranstaltung

28.7.2021, 17:49 Uhr
Gerade die Handballer des ASV Pegnitz wissen nicht wohin, da der Verein sich die Reinigungskosten nicht leisten kann. Die Sportart benötigt aber mindestens eine Dreifachsporthalle.

Gerade die Handballer des ASV Pegnitz wissen nicht wohin, da der Verein sich die Reinigungskosten nicht leisten kann. Die Sportart benötigt aber mindestens eine Dreifachsporthalle. © Foto/Archiv: Andreas Beil

Die Entscheidung des Schulverbands gilt zwar vorläufig nur während der Sommerferien, trotzdem sei dies in herber Schlag, meint der Vorsitzende des ASV Pegnitz, Günter Bauer. "Die Stadt hat uns in einem Gespräch darüber informiert, dass nach jeder Nutzung der Halle diese gründlich gereinigt werden muss. Die Kosten werden an uns weitergegeben."

Handballer können nicht ausweichen

Weil die Hygienevorschriften verschärft wurden, musste die Stadt handeln. "Zwar hat uns der Bürgermeister zu einem Gespräch eingeladen, aber worüber soll man diskutieren, wenn es keinen Handlungsspielraum gibt? Wir haben keine Alternative. Es gab den Vorschlag, Veranstaltungen zusammenzulegen, aber auch das ist keine Option", ist sich Bauer sicher.

Die Reinigungskosten fallen unterschiedlich hoch aus – je nach Wochentag und Halle. Zusätzlich zur Miete fallen damit für die Wiesweiherhalle von Montag bis Samstag 70,70 Euro und an Sonn- sowie Feiertagen 130,85 Euro Reinigungskosten an. Für die Christian-Sammet-Halle werden von Montag bis Samstag 112,38 Euro und für Sonn- und Feiertage 202,27 Euro verlangt.


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Gerade die Handballer des ASV Pegnitz haben damit ein Problem, da diese eine Dreifachturnhalle benötigen – also die Christian-Sammet-Halle. "Wir müssen uns überlegen, möglichst viele Termine zu streichen", sagt Bauer, der sich bereits vereinsintern abgesprochen hat. "Wie wir das genau machen, das wissen wir noch nicht." Gerade für die Jugend sei dies ein harter Schlag, da es auch das Ferienprogramm betreffe. "Wir können uns die Reinigungskosten schlichtweg nicht leisten."

Es fehle das Verständnis. Fakt sei, dass man sich drei- bis fünftausend Euro nicht leisten könne. "Das ist ein Tiefschlag für die Vereine", sagt der Vorsitzende leicht verärgert. "Das passiert während einer Zeit, in der wir kaum Einnahmen haben und knausern müssen. Die Leistungen der Stadt gegenüber den Vereinen sind sonst natürlich stets gut gewesen, aber das ist schon ein Hammer."

Verzicht auf das Training

Auf das Training völlig verzichten wird wohl der FC Pegnitz. Jochen Nowak, Vorsitzender des Vereins, zeigt Verständnis für die Umstände und weiß, dass der Schulverband der Stadt keinen Spielraum lasse. "Wenn das nun so gemacht werden muss und das die Vorschriften sind, dann ist es so", merkt Nowak an. "Ich will und werde mich nicht darüber aufregen. Wir werden das zwecks der Jugendmannschaft noch ausführlich besprechen und die Eltern dann informieren." Es bleibe abzuwarten, wenn man Hallenturniere doch noch einplant, ob der Verein sich die Kosten leisten könne. Denn dann müsste das auf die Besucher umgelegt werden und das funktioniere mit Sicherheit auch nicht.

Eine ganz andere Lösung hat der Verein Glückauf für sich entdeckt. Die Tischtennisspieler zum Beispiel quartieren sich in der Halle des Pegnitzer Gymnasiums ein, wie Jugendleiter Christoph Traßl verrät. "Es sind in den Ferien so oder so wenige Spieler aktiv. Die meisten sind im Urlaub." Die Reinigungskosten seien "brutal" und eine tatsächlich "unglücklich verlaufene" Sache.


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Auf Anfrage bestätigt der stellvertretende Schulleiter Wolfgang Schreiber, der für die Hallennutzung am Gymnasium zuständig ist, dass es mehrere Anfragen in den vergangenen Tagen gab. So habe er in Absprache mit der Schulleiterin Annett Becker entschieden, dass das Gymnasium den Vereinen so gut es geht entgegenkommt. "Wir erlauben die Nutzung der Halle in den Ferien, obwohl das nicht üblich ist. Und das Ganze unentgeltlich. Wir wollen die Vereine unterstützen", erklärt Schreiber.

Da das Gymnasium eine staatliche Schule sei, entscheide das Ministerium und nicht das Schulamt über die Nutzung und Kosten. Dadurch gebe es auch keine Pflicht, die Halle nach jeder Nutzung intensiv zu reinigen, wie es nun in den städtischen Hallen vorgeschrieben ist. "Es wird zwar gereinigt, aber keine intensive Grundreinigung. Wir haben auch vereinbart, dass die Vereine die Duschen nicht nutzen", sagt der Beauftragte über die Abmachung mit den Vereinen. "Wir müssen halt jetzt alle ein bisschen zusammenhalten. Wenn wir uns nur auf Bestimmungen berufen, dann ist das nicht hilfreich. Das Ganze macht uns ja keine Arbeit. Wir müssen kooperativ sein und den gesunden Menschenverstand einschalten."

Stadtoberhaupt bittet um Verständnis

Bürgermeister Wolfgang Nierhoff kennt die Sorgen der Vereine und meint, dass es für die Verwaltung keine andere Möglichkeit gegeben habe. Die Stadt verlange so oder so schon wenig Geld für die Miete. Im Vergleich mit anderen regionalen Hallennutzungsgebühren sei die Stadt Pegnitz sehr zuvorkommend. "Gewisse Sachen können wir uns einfach nicht mehr leisten und es geht ja nur um die Ferienzeit. Die Coronaregeln müssen eingehalten werden. Da schaut uns das Landratsamt auf die Finger", weiß das Stadtoberhaupt.

So bittet er um Verständnis für die Situation und hofft selbst auf bessere Zeiten. Die Kritik der Vereine versteht Nierhoff nur bedingt. Nur, weil es in den Jahrzehnten vor seiner Zeit anders gehandhabt wurde, könne es nicht so weitergehen.

"Es gibt Gründe, weshalb der Geldbeutel der Stadt nicht mehr so voll ist", mahnt Bürgermeister Nierhoff mit Blick auf die vereinzelten Forderungen nach Unterstützung und verweist gleichzeitig auf die hohe Vereinsförderung von 20 Prozent, die es andernorts in dieser Höhe nicht gebe. Und weiter: "Ich kann keine Prognose erstellen, wie es weitergeht, sondern aktuell nur über die Sommerferien sprechen. Für die Regelung kann ich nichts."

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