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Verfahren eingestellt: Unfall am Hexenbesen bleibt ein Rätsel

Die Auflage war die Entrichtung eines Geldbetrags - 30.07.2019 05:53 Uhr

Nach dem Unfall auf den Hexenbesen waren 20 Kräfte der Feuerwehr und zehn Aktive der Bergwacht — jeweils aus Pottenstein — im Einsatz. Sie befreiten die unterkühlten Fahrgäste aus den Gondeln. © News5/Marzbach


Für den Betreiber war es ein Debakel. Eine Woche vor der offiziellen Eröffnung des Hexenbesens, einer Attraktion an der Sommerrodelbahn, war es zu einem Unfall gekommen. Am Sonntag, den 15. Juli 2018, durfte der Hexenbesen schon testweise fahren. Wie mehrfach berichtet, war es an diesem Tag während eines aufziehenden Gewitters zu einem Stillstand auf der Bahn gekommen. Drei Gondeln waren zu diesem Zeitpunkt auf der Anlage, eine fuhr wieder los und prallte auf die vorausfahrende. Dabei zog sich ein Junge ein Hämatom am Knie zu.

Der Hexenbesen, wo Besucher auf einer 360 Meter langen Strecke in hängenden Gondeln durch die Luft fliegen und über Kurven seitliche Auspendelungen von bis zu 58 Grad erreichen, wurde daraufhin von der Staatsanwaltschaft Bayreuth gesperrt. Sie beauftragte den Tüv Süd, nach der Ursache des Unfalls zu suchen. Auch Susanne Möller, Geschäftsführerin des Betreibers Wiegand Erlebnisberge GmbH, war gespannt: "Dass eine Gondel auf die vorausfahrende auffährt, ist eigentlich unmöglich."

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Bergwacht musste Passagiere aus Pottensteiner "Hexenbesen" retten

Bei einem Starkregen sind am Sonntag vier Sommerrodler in der nagelneuen "Hexenbesen"-Bahn in Pottenstein festgesessen, als diese vermutlich nach einem technischen Defekt plötzlich stehen geblieben ist. Nach Angaben der Betroffenen und der Feuerwehr hat es rund eine Stunde gedauert, bis die Personen von der Bergwacht aus den hängenden Gondeln befreit werden konnten. Zwei Personen mussten im Krankenhaus behandelt werden.


Kein zufriedenstellendes Ergebnis

Das Unternehmen betreibt auch in Thale (Harz) sowie an der Wasserkuppe (Rhön) die Attraktion Hexenbesen, gebaut werden die Anlagen vom Schwesterunternehmen Josef Wiegand GmbH. In den drei beziehungsweise zehn Jahren, seit denen die schwebende Sommerrodelbahn an diesen beiden Standorten existiert, "hat es noch nie einen Auffahrunfall gegeben", sagte Möller, "wir stehen vor einem Rätsel".

Öffnen durfte der Betreiber die Anlage in Pottenstein wieder Mitte September. Die Suche nach der Unfallursache ging aber weiter. Im Februar diesen Jahres hatte die Staatsanwaltschaft Bayreuth immer noch keine Erklärung, wie es zum Zusammenstoß der zwei Gondeln kommen konnte. Das Gutachten des Tüv Süd lag der Staatsanwaltschaft bereits vor, die Ermittlungen der Polizei waren soweit abgeschlossen. Allerdings ohne zufriedenstellendes Ergebnis. "Am Unfall waren wohl verschiedene Leute beteiligt, die Verantwortlichkeiten sind noch zu klären", sagte der damalige Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel auf Anfrage der Nordbayerischen Nachrichten. Nun lag der Fall also wieder bei der Polizei. "Sie muss Nachermittlungen anstellen, es ist noch offen, wie es das Verfahren ausgeht", sagte Potzel.

Eingestellt gegen Geldauflage

Nun, knapp über einem Jahr nach dem Unfall, schließt die Staatsanwaltschaft den Fall ab. "Die Ursache ließ sich nicht konkret klären, es war eine Verkettung vieler Umstände", sagt Martin Dippold, der als Nachfolger Potzels nun der Leitende Oberstaatsanwalt ist. Das Verfahren wird "wegen geringfügigen Verschuldens" eingestellt, so Dippolt, was auch daran liege, dass der Unfall keine schlimmen Folgen hatte. "Die zwei Besucher, die in den Gondeln ausharren mussten, haben sich einen Schnupfen geholt und das Kind hat sich das Schienbein geprellt."

Was die Staatsanwalt dem Betreiber allerdings ankreidet: "Während der Anlaufphase der Inbetriebnahme hätte eine Fachkraft vor Ort sein müssen. Das war nicht der Fall." Deshalb war die Auflage für ein Einstellen des Verfahrens, dass die Wiegand Erlebnisberge GmbH einen bestimmten Geldbetrag an einen sozialen Zweck spendet. Die Firma hat akzeptiert.

Geschäftsführer Hendrik Wiegand ist froh, dass der Fall nun abgeschlossen ist. "Aber noch mehr freuen wir uns darüber, dass der Unfall damals bei glimpflichen Folgen geblieben ist." 

Marcel Staudt

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