Investitionen ohne Neuverschuldung

Verkauf des Wunderlands bringt Geld ins Plecher Gemeindesäckel

Klaus Trenz

21.6.2022, 16:17 Uhr
Der Verkauf des ehemaligen Freizeitparks Fränkisches Wunderland sowie des Grundstücks im Gewerbegebiet Schönthal für eine Firmenansiedlung entspannen den Haushalt der Marktgemeinde deutlich.

© Foto: Archiv/Brigitte Grüner Der Verkauf des ehemaligen Freizeitparks Fränkisches Wunderland sowie des Grundstücks im Gewerbegebiet Schönthal für eine Firmenansiedlung entspannen den Haushalt der Marktgemeinde deutlich.

Die Investitionen, vor allem der Um- und Neubau der Kindertagesstätte, die Anbindung des Rathauses und der Schule an das Glasfasernetz, die Verbesserung der Ausrüstungen für die Feuerwehr und die regelmäßigen Beschaffungen für den Bauhof, belaufen sich in diesem Jahr auf knappe 850 000 Euro, wobei der Kindergarten mit 300 000 Euro, die Umlage für die Kläranlage mit 168 000 Euro und der Glasfaseranschluss mit 130 000 Euro die höchsten Ausgabenposten sind. Nach der Darlehenstilgung von 63 000 Euro verblieben der Marktgemeinde am Ende knapp über 570 000 Euro, die man in die Rücklage stellen kann und dieser Schritt im nächsten Jahr für die bevorstehenden Investitionen in Kläranlage und Kindergarten auch notwendig erscheint.

950 000 Euro für Grundstücke

Der Vermögenshaushalt schließt in Einnahmen und Ausgaben somit mit rund 1,48 Millionen ab. 950 000 Euro hat man mit dem Verkauf der Grundstücke erwirtschaftet. Eine weitere Rate für das Wunderland in Höhe von 750 000 Euro wird erst für das Jahr 2025 erwartet. Dennoch: Entspannt sieht Geschäftsleiter Stefan Pickelmann die Situation nicht. Immerhin hat sich die Zuführung vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt in Höhe von rund 175 000 Euro im Vergleich zum vergangenen Jahr nahezu halbiert.

Verantwortlich dafür seien die reduzierten Schlüsselzuweisungen bei gleichzeitiger Erhöhung der Kreisumlage um 100 000 Euro auf nunmehr rund 550 000 Euro. Der Verwaltungshaushalt, so Pickelmann, schließe in Einnahmen und Ausgaben mit rund 2,72 Millionen Euro ab und nähere sich immer mehr der Drei-Millionengrenze. Er liege mit 4,7 Prozent über den Ansätzen des Vorjahres und Pickelmann rechnet mit weiteren Ausgabensteigerungen bei "möglichen Einnahmeausfällen durch die Auswirkungen der Ukrainekrise sowie die Nachwirkungen der Coronapandemie".

Auch wenn erhöhte Kanalgebühren und Verbesserungsbeiträge die kommenden Jahre für erhöhte Einnahmen sorgten, sollte aus seiner Sicht der Marktgemeinderat weitere Einsparmöglichkeiten und Einnahmenpotentiale beispielsweise durch die Erhöhung der Kindergarten- und Friedhofsgebühren überdenken.

Kindergarten mit Defizit

Der Kindergarten weise ein Defizit von fast 50 000 Euro auf. "Gerade im Hinblick auf die hohe Betreuungsqualität, die sich insbesondere im sehr guten Betreuungsschlüssel und den hohen Investitionen in die Kita ausdrückt, sollte dies auch bei den Elternbeiträgen Niederschlag finden", so Pickelmann. Durch die staatliche Förderung seien die Kosten für die Kinderbetreuung "mehr als moderat".

Hinsichtlich der Gewerbesteuereinnahmen habe man in diesem Jahr "konservativ" geplant. Waren das im vergangenen Jahr real rund 450 000, liegt der Ansatz heuer bei etwa rund 300 000 Euro. Allerdings sieht Pickelmann diesen Ansatz als realistisch an.

Genauer planbar sind die Einnahmen aus der Einkommensteuer. "Hier wissen wir, was wir erwarten können", so Pickelmann. Sie sind mit 760 000 Euro nahezu identisch mit dem Vorjahr. "Die Einnahmen und Ausgaben sind im aktuellen Haushaltsjahr noch stabil, so dass sich eine ordentliche Zuführung zum Vermögenshaushalt ergibt". Die Grundstückverkäufe seien als Sondereffekte spürbar. Ohne diese wäre eine Kreditaufnahme erforderlich.

Weniger Schulden

Und damit sieht für Pickelmann die Entwicklung der Verschuldung "momentan sehr erfreulich aus". Immerhin sinkt sie in diesem Jahr von rund 524 000 Auf 460 000 Euro und damit auch die Pro-Kopf-Verschuldung, die sich am Ende des Jahres auf 308 Euro belaufen soll (Vorjahr rund 345 Euro).

Im Investitionsprogramm bis zum Jahr 2025 dominieren der Um- und Ausbau des Kindergartens und die Aufwendungen für die Abwasserbeseitigung alles andere. Neben den 300 000 Euro, die in diesem Jahr an Kosten für die Kindertagesstätte anstehen, werden sie sich laut Plan im Jahr 2025 am Ende auf insgesamt 2,8 Millionen belaufen. In den nächsten beiden Jahren soll der Kindergarten den Haushalt mit jeweils einer Million Euro belasten.

Die Umlage für die mit der Stadt Betzenstein gemeinsam betriebenen und zu sanierende Kläranlage soll sich schon im nächsten Jahr auf 376 000 Euro verdoppeln und in zwei Jahren 2,17 Millionen Euro betragen. Kanalbaukosten sind 2023 mit 750 000 und 2025 mit nochmals 900 000 Euro angegeben. Dabei handelt es sich um die Kanalsanierungen in der Neuhauser Straße und in der Riegelsteiner Straße.

"Wir hatten den großen Plan, die Kanalsanierung der Riegelsteiner Straße zusammen mit dem Landkreis bereits 2021 zu machen", sagte Bürgermeister Karlheinz Escher. Dies sei nicht zustande gekommen und es verzögere sich seiner Einschätzung nach noch weiter. Dennoch möchte Escher die Kanalsanierung in der Neuhauser Straße im nächsten Jahr angreifen und was die Riegelsteiner Straße betrifft eben "auf das Landratsamt hoffen".

Bürger müssen zahlen

Finanziert werden sollen die Aufwendungen in die Abwasserbeseitigung durch Verbesserungsbeiträge von den Bürgern. Man rechnet in den nächsten drei Jahren mit insgesamt über vier Millionen Euro. "Das wird weniger Begeisterung geben", ist sich Pickelmann sicher. Die Investitionen werden laut Finanzplanung die Rücklagen, die sich am Ende dieses Jahres auf fast eine Million Euro belaufen, bis auf die Mindestrücklage (25 000 Euro) aufbrauchen und auch eine Neuverschuldung - in überschaubarem Rahmen - nötig machen. Der Marktgemeinderat beschloss die Haushaltssatzung ohne Diskussion oder Anfragen einstimmig ebenso wie den Finanzplan bis 2025.

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