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Vom Mischpult ins Rathaus: Stefan Reichel betreut Pegnitzer Ordnungsamt

Nach Jahren als Ton- und Veranstaltungstechniker führte die zweite Ausbildung in das Ordnungsamt. - 12.08.2020 08:55 Uhr

Die Pflege des Friedhofes ist nur eines von Stefan Reichels drei Betätigungsfeldern. Neben dem Bestattungswesen betreut der 51-Jährige das Ordnungs- und Gewerbeamt.

© Foto: Ralf Münch


Reichel ist der klassische Spätberufene. Seine erste Ausbildung setzte ihn nicht auf die Schiene, die einen im Normalfall in das Ordnungsamt des Pegnitzer Rathauses bringt: Nach einer Ausbildung zum Ton- und Veranstaltungstechniker war der 51-Jährige jahrelang selbstständig tätig, "am Ende hauptsächlich bundesweit", wie er sagt. "Ich war der Mann am Mischpult für Stars wie Kaya Yanar und Eckart von Hirschhausen." Ein aufregender Job, aber auch intensiv: von 160 Hotelnächten im Jahr spricht Stefan Reichel heute. "Davon wollte ich wegkommen."

Reichel entschied sich für die Veränderung: Mit Anfang 40 begann er eine Ausbildung zum Verwaltungswirt, heute hat er die klassische Beamtenlaufbahn hinter sich. "Ich war einer der Älteren, das war aber nicht weiter komisch. Ich sehe mich nicht als alten Knochen, sondern als flexiblen, nicht versteiften, lockeren Menschen."

Seine Fähigkeit, mit jungen Menschen umzugehen, helfe ihm auch heute im Job. Den begann er in Nürnberg, zunächst im Ausländeramt, dann im Ordnungsamt. Nach Pegnitz kam Reichel schließlich im vergangenen Sommer – der Liebe wegen. "Meine Lebensgefährtin lebt bei Kemnath und wir wollten zusammenwohnen. Da ist es von Vorteil, nicht täglich von und nach Nürnberg zu fahren." Er begann also, eine freie Stelle in der Umgebung zu suchen und wurde in Pegnitz fündig.

Mehrere Aufgaben

Hier hat Reichel mehrere Aufgaben: die öffentliche Sicherheit und Ordnung – also das Ordnungsamt –, das Gewerbeamt und das Bestattungswesen. "Die ersten beiden hängen in manchen Aspekten zusammen. Der Friedhof hängt dann mit dran", sagt Reichel. Warum das so sei, wisse er selbst nicht. "Das ist hier wohl so gewachsen."

Der Job im Ordnungsamt sei umfangreich, sagt der 51-Jährige. "Generell geht es hier darum, Gefahren für Leib und Leben der Bürger und Sachgüter abzuwenden", beschreibt er seine Aufgabe. Unter anderem sei er für Anordnungen bei Veranstaltungen – beispielsweise Risikospielen im Eishockey – zuständig, aber auch für Regeln bei der Haltung von Kampfhunden oder die Beseitigung des "Notstands der Obdachlosigkeit".

"Unfreiwillig Obdachlose müssen wir unterbringen", sagt er. Die Stadt sei kein Sozialträger und übernehme keine karitativen Aufgaben. "Darum geht es auch nicht, sondern darum, dass die Leute nicht auf der Straße schlafen und erfrieren. Wir bieten das Mindeste: ein Dach über dem Kopf." Die Notfallunterkunft sei dafür geeignet. "Dort soll und will aber auch niemand gerne länger sein."

Gewerbe anmelden

Bürokratischer geht es im Gewerbeamt zu. Jeder, der in Pegnitz ein Gewerbe betreiben möchte, muss sich bei Stefan Reichel melden. "Das geht vom selbstständigen Hausmeister bis zur GmbH." Spannender wäre es bei gastronomischen Betrieben, beispielsweise bei einer Gaststätte mit Spielhallen. "Da will das Landratsamt eine Stellungnahme von mir im Namen der Stadt. Ich muss mir das dann ansehen und feststellen, ob das geeignet ist. Da gibt es objektive Maßstäbe."

Im Bestattungswesen ist Reichel für die Verwaltung der beiden städtischen Friedhöfe zuständig. "Ich habe festgestellt, dass es wohl einen starken Bedarf nach Friedhofspflege seitens der Stadt gibt." Bereits im vergangenen Jahr hatte er angeregt, die Stelle eines Friedhofsarbeiters zu schaffen – mit Erfolg: "Die Ausschreibung wurde gestartet, der Findungsprozess läuft bereits."

Stefan Reichel ist glücklich mit seinem neuen Umfeld. "Mir gefällt es hier, ich habe echt Spaß", sagt der 51-Jährige. Manchmal, so sagt er, werde es stressig in seinem Büro. "Da wäre mir ein zweiter Mann durchaus recht." Er habe auch das bereits bei der Stadt angeregt.

JULIAN SEIFERTH

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