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Mittwoch, 30.09.2020

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"Von Probieren bis Profi": Graffiti-Künstler stellen im Gesundheitszentrum aus

Treppenhauskunst zeigt Arbeiten von Profi Michael Schoberth und Pottensteiner Graf-Botho-Schülern. - 04.08.2020 18:03 Uhr

Künstler und Verantwortliche vor dem Graffiti (von links): Martin Wiesent, Maria Dreßel, Mirja Failner, Michael Kutzberger, Johannes Fuchs, Oliver Klein und Michael Schoberth.

© Foto: Julian Seiferth


Auch außerhalb des Gesundheitszentrums hat Schoberth Spuren hinterlassen. An der Brauhausgasse schmückt ein Graffiti gut sichtbar eine Garagenwand (wir berichteten). Entstanden ist das Werk Anfang Juli, als Wiesent einen Graffiti-Workshop für Jugendliche unter der Leitung Michael Schoberths organisiert hatte. "Das ist das erste anspruchsvolle, professionelle Graffiti in Pegnitz", sagt Wiesent, dem es wichtig war, keinen Fremdkörper in der Stadt zu platzieren. "Die Pegnitzer sollen damit etwas anfangen können."

Einen Ruhepol schaffen

In Michael Schoberth wurde Wiesent fündig. "Ich versuche immer, die Natur einzubringen, wenn ich in der Stadt sprühe", sagt der Künstler, der sich selbst "Rebel" nennt. "Es soll ein Ruhepol sein, der auffällt." An der Garagenwand habe er allerdings nur den Feinschliff übernommen – die meiste Arbeit hätten die Jugendlichen übernommen.

Ausstellung, Workshop und Wandschmuck habe er organisiert, um Vorurteile gegen Graffiti zu entkräften, so Wiesent. Auf Schoberth sei er durch seinen Sohn gestoßen. "Magnus war bei einem meiner Workshops in Bayreuth", erinnert sich Schoberth. Wiesent wollte dieses Angebot auch nach Pegnitz bringen und sprach Schoberth auf die Idee an. "Er war sofort begeistert", so Wiesent. Zusammen mit neun Jugendlichen aus der Region erschuf Schoberth Anfang Juli schließlich das Wandgemälde in der Brauhausgasse. Er vergleicht sich mit einem Musiklehrer. "Ich mache das aus Leidenschaft", sagt der 47-Jährige, der seit 2016 in Vollzeit sprayt. Davor hatte er als Mediengestalter und Schriftenmaler gearbeitet. Heute verdient er seinen Lebensunterhalt mit seiner Kunst. "Meine Kunden kommen aus allen möglichen Richtungen: Privatleute, denen ich das Auto oder ein Jugendzimmer verzieren soll oder Firmen, die etwas für ihre Büros brauchen."

Neben Schoberth und seinen neun Teilnehmern stellen auch Schüler der Graf-Botho-Grund- und Mittelschule in Pottenstein im Treppenhaus des Gesundheitszentrums aus. Den Kontakt hatte die Pottensteiner Jugendbeauftragte Maria Dreßel hergestellt. Die Bilder hatten die Schüler mit einer App an Tablets erstellt. "Eine Jury aus Schulleitung und Künstlern hat die besten Bilder ausgewählt", erklärt Schulleiter Marco Speckner. In der Zukunft sollen die Werke den Schulhof schmücken – noch hängen sie an den Wänden des Gesundheitszentrums.

Einer der Künstler ist der zwölfjährige Michael Kutzberger. Auf seinem Bild ist ein stilisiertes Winter-Panorama des Pausenhofes seiner Schule zu sehen. "Die Ausstellung ist für mich etwas besonderes", sagt Kutzberger. "Nervös bin ich aber nicht." Mit dem Bild ist er zufrieden, obwohl es nicht die finale Fassung ist. Beim Speichern auf dem Tablet habe es wohl einen Fehler gegeben – die überarbeitete Version ging verloren.

Veranstalter Martin Wiesent ist zufrieden mit der Ausstellung. "Ich wollte die beiden Seiten zusammenbringen: die Schüler und den Profi." Das Ergebnis im Treppenhaus sowie in der Brauhausgasse mache ihn stolz. "Ich finde, das kann sich sehen lassen."

JULIAN SEIFERTH

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