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Freitag, 05.06.2020

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Von wegen "Sauerbraten für Vielfraß Foreman"

Vor 25 Jahren betreute der Pegnitzer Ringarzt Dr. Walter Wagner Axel Schulz in legendärem WM-Kampf - 23.04.2020 19:13 Uhr

Prof. Dr. Walter Wagner mit George Foreman, der nach dem Kampf einen Sonnenbrille brauchte, um seine geschwollenen Augen zu verbergen. © privat


Kaum jemand hat Axel Schulz, der in seiner gesamten Laufbahn nie einen Titel gewonnen hat, damals nur den Hauch einer Chance eingeräumt gegen einen der ganz Großen der Branche. Walter Wagner lüftet nach 25 Jahren ein Geheimnis: Der Promotor Wilfried Sauerland hat damals seinen Match-Maker Jean Marcel Nartz losgeschickt, um einen Koffer mit 100 000 Dollar zu besorgen, damit der Deutsche überhaupt unter die Top Ten der Weltrangliste eingestuft und als Herausforderer akzeptiert wurde.

Die Amerikaner ließen sich gerne bestechen, sahen sie doch den blonden deutschen Jüngling als idealen Gegner. Schulz wertet das heute realistisch: „Ich wurde als Fallobst eingekauft, um dem alternden Foreman weiterhin den Weltmeister-Gürtel zu sichern.“ Die amerikanischen Medien titelten drastischer: „Sauerbraten für den Vielfraß Foreman“.

Der Pegnitzer Ringarzt Prof. Dr. Walter Wagner (r.) betreute Axel Schulz bei dessen Weltmeisterschaftskampf gegen die Schwergewicht-Ikone George Foreman. © Foto: privat


Niemand traute Schulz zu, den Schlägen des 120-Kilo-Kalibers länger als zwei Runden standhalten zu können.“ Wenn der Außenseiter trotzdem in den Ring geschickt wurde, so wegen der medizinischen Tests, die der blonde Jüngling vorher bei Wagner in Bayreuth absolviert hatte. Der Pegnitzer Ringarzt erinnert sich: „Er hat sich bei der fünfstündigen Untersuchung in einer ausgezeichneten Verfassung präsentiert. Für ihn sprachen seine Jugend, seine bessere Technik und seine Schnelligkeit, den Haken Foremans auszuweichen.“

Axel Schulz ließ sich vor seinen Kämpfen in Bayreuth von Dr. Walter Wagner und Dr. Ulrike Lex (Bild) untersuchen. © privat


Die von Trainer Manfred Wolke ausgegebene Taktik, ruihig zu agieren und darauf zu hoffen, dass der 46-jährige Box-Veteran müde wird, schien sich auszuzahlen. Foreman, der vorher alle Schwergewichts-Größen ausgeknockt hatte, verzeichnete anfangs Vorteile, während der 20 Jahre jüngere Deutsche die letzten Runden klar dominierte. Wagner: „Hätte Schulz über einen härteren Punch verfügt, hätte er die Ikone zum Schluss auf die Bretter geschiickt. Während Foreman nach dem Kampf sein zugeschwollenes linkes Auge hinter einer Sonnenbrille vor den Kameras verbergen musste, hatte Schulz kaum Blessuren und ich keine Arbeit.“

Im offiziellen Urteil sieht Wagner bis heute eine gewisse Ironie des Schicksals: „Während alle Experten am Ring davon ausgingen, dass Schulz nach Punkten knapp gewonnen hatte, sahen die drei Kampfrichter, die übrigens entgegen der Richtlinien alle aus Las Vegas stammten, ihren Landsmann vorne. So haben sich die Amerikaner letztendlich doch für den Bestechungsversuch der Deutschen gerächt.“

"Axels Genusswelt" läuft bestens

Axel Schulz, der Walter Wagner gelegentlich immer wieder einmal besucht, steht heute über der Sache: „Unter dem Strich war das ein Glücksfall für mich. Gerade durch die Art und Weise der Niederlage habe ich die Herzen meiner Fans erobert. Meine Firma „Axels Genusswelt“ läuft bestens und meine öffentlichen Auftritte beweisen immer wieder meine Beliebtheit.“

Auch Walter Wagner wird den Auftritt in Las Vegas nicht vergessen: „Obwohl ich bei allen Titelkämpfen von Henry Maske über Graciano Rocchigiani bis hin zu Arthur Abraham dabei war, erlebte ich diesen Fight vor 17000 Zuschauern doch als Highlight. Deshalb bin ich Wilfried Sauerland und seinem Boxstall bis heute dankbar, dass er bei all diesen Herausforderungen stets auf meine jahrzehntelange Erfahren vertraut hat.“ 

RICHARD REINL

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