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Vor 50 Jahren: Aus Wassernot mit Bier rasiert

Im "Räuberstübl" erinnern wir heute an den Wasserkrieg zwischen Prüllsbirkig und Mandlau - 06.07.2019 22:37 Uhr

Vor 50 Jahren mussten die Bauern in Prüllsbirkig und Mandlau wegen der Wassernot das kostbare Nass für die Tiere mit Jauchefässern ankarren. © Georg Brendel


Streitobjekt war, wie sollte es anders sein, der akute Wassernotstand. Obwohl beide Orte auf der Höhe des Fränkischen Jura liegen, spielte eine auch damals schon lang anhaltende Trockenheit zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ging es um einen überdurchschnittlich hohen Wasserverbrauch, weil keine Wasseruhren eingebaut waren, und eine technisch völlig unzureichende Versorgungsanlage. So hatte das letzte Teilstück der über einen Kilometer langen Leitung aus dem Jahre 1924 nur einen Durchmesser von 40 Millimetern. Weil auch noch das Püttlachtal überwunden werden musste, war die Wasserförderung den Anforderungen nicht mehr gewachsen.

Waren beide Siedlungen nach einem Rohrbruch im Tal vorübergehend sogar völlig ohne Wasser, so ist nach der Reparatur erst recht massiver Mangel eingetreten, dauerte es doch eine gefühlte Ewigkeit, bis sich die Leitung wegen des großen Höhenunterschieds wieder füllte. Weil sich die Quelle im Püttlachtal als unzureichend erwies und die teure Pumpstation keine Abhilfe brachte, erwarben die Bürger eine hochgelegene Quelle in Kosbrunn, so dass das Wasser von selbst in die beiden Orte floss.

Alle anfallenden Kosten mussten von den Einwohnern aus eigener Tasche bezahlt werden. Kein Wunder, dass allmählich Differenzen auftraten. Und als schließlich das kostbare Nass wegen der Trockenheit erneut knapp wurde, haben die beiden Ortschaften sich kurzerhand gegenseitig das Wasser abgesperrt, ohne den Wasserwart zu fragen. Für das Vieh mussten die Bauern Trinkwasser entweder aus der Püttlach oder aus dem Pottensteiner Tal mit Jauchefässern holen.

Der Kriegsrat tagte, doch das Treffen ging aus wie das Hornberger Schießen. Der Einbau einer stärkeren Pumpe wurde abgelehnt, weil man danach noch mehr Rohrbrüche befürchtete. Eine Einigung kam nicht zustande, schon gar nicht über die Höhe des Wasserzinses. Einige wollten hohe Sätze, damit der bestehende Missstand baldmöglichst behoben werden könne, andere wieder wollten am liebsten überhaupt nichts bezahlen.

Die Folge: Das Wasser wurde so knapp, dass sich Wasserwart Georg Ringler zum Rasieren mit einer Halben Bier einseifen musste. So weit ist es in Leups trotz aller Meinungsverschiedenheiten mit der Juragruppe noch nicht. Das Gradl-Bier wäre dafür auch viel zu schade.

ISI REINL

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