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Vor 50 Jahren fuhr der letzte Personenzug in Auerbach ab

Mit zwei Waggons und elf Fahrgästen zuckelte die Bahn in zwölf Minuten bis nach Ranna - 01.02.2020 12:34 Uhr

Die Zugbegleiter schrieben einen letzten Gruß auf einen der zwei Waggons: Die letzte Fahrt: "Ade". © NN-Bildarchiv


Am Samstag, 12 Uhr. schlug dem Nahverkehrszug Auerbach - Ranna das letzte Stündlein. Zum letzten Mal zuckelte die Lok mit zwei Personenwagen im Schlepp mit 50-Kilometer-Tempo die gewohnten Geleise dem Bestimmungsbahnhof entgegen. Zum Abschied hatten Oberlokführer Anton Nagel und seine Mannschaft die Fahrgäste und Passanten auf das Schicksal „ihrer" Bahn hingewiesen: „Die letzte Fahrt, ade", so grüßte eine Inschrift von den Wagen.

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Vor 50 Jahren in Auerbach: Letzte Fahrt "Ade"

Am Samstag, 31. Januar 1970, um 12 Uhr. schlug dem Nahverkehrszug Auerbach - Ranna das letzte Stündlein. Zum letzten Mal zuckelte die Lok mit zwei Personenwagen im Schlepp mit 50-Kilometer-Tempo die gewohnten Geleise dem Bestimmungsbahnhof entgegen. Zum Abschied hatten Oberlokführer Anton Nagel und seine Mannschaft die Fahrgäste und Passanten auf das Schicksal „ihrer" Bahn hingewiesen: „Die letzte Fahrt, ade", so grüßte eine Inschrift von den Wagen. Anschließend wurden auf den Gleisen nur noch Güter befördert. 1982 wurde die Linie komplett eingestellt. Fotos: NN-Bildarchiv


Mit der Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern fuhren der Zug und elf Fahrgäste pünktlich um 12 Uhr aus dem Bahnhof Auerbach. Genau um. 12.12 Uhr gelangten sie, mittlerweile hatte man neun Kilometer zurückgelegt, an den Bestimmungsort Ranna.

1962 war die Strecke vom Dampfbetrieb auf die moderne Dieselloks vom Typ V 100 umgestellt worden. Elf Jahre lang stand Anton Nagel mit seiner Lokomotive im Dienst der berufstätigen Pendler. Täglich fuhr er vier Mal nach Ranna und wieder zurück.

Natürlich hatte die Bahnlinie schon mit der neu geschaffenen Busverbindung ihre Bedeutung für die Personenbeförderung weitgehend verloren, für eine Reihe von Pendlern jedoch war der Frühzug immer unentbehrlich. Der Stadtrat musste die Interessen dieser Fahrgäste wahrnehmen, die Bundesbahn hat deshalb ab dem l. Februar 1970 einen Bus eingesetzt, der morgens um 5.05 Uhr von Auerbach nach Neuhaus fuhr und dort Zuganschluss hatte.

Die Strecke Ranna - Auerbach war damit zum „Abstellgleis" degradiert. Fortan wurden auf ihr nur noch Güter befördert. Die Belieferung der am Bahnhof gelegenen Lagerhäuser mit Kohlen oder Kunstdünger allein ließ ein wenig Wehmut bei der Zugmannschaft nicht schwinden. Wie schrieb der NN-Reporter Joachim Hauck damals: „Der Personenzug wird im „Eisenbahnhimmel" so manche Bahn treffen, die das gleiche Schicksal ereilt hat. Vielleicht finden sie sich dann als „Klub der unrentablen Züge" wieder. 

Blick in die Geschichte

Ihren Höhepunkt hatte die Bahnlinie am 2. Februar 1969 erlebt, als in den Auerbacher Bahnhof ein Sonderzug mit 40 Natogenerälen und anderen hohen Dienstgraden einfuhr. Die Offiziere nahmen als Beobachter am Großmanöver Reforger 1 im Truppenübungsplatz Grafenwöhr teil.

Nach Einstellung der Personenbeförderung wurden auf dem Gleis nur noch Güter transportiert, bis am 21. Mai 1982 auch der letzte fahrplanmäßige Güterzug im Bahnhof Auerbach eintraf. Zum 22. Mai 1982 wurde der Zugverkehr komplett eingestellt, da für eine Pegnitzbrücke größere Investitionen zu tätigen wären.

Trotzdem verkehrte am Sonntag, 23. Mai 1982, mit einer Sondergenehmigung noch ein letzter Sonderzug auf der Strecke. Er war rund 240 Meter lang und wurde zwischen Auerbach und Ranna von zwei Dieselloks gezogen. An Bord waren etwa 700 Pilger die unter Leitung des 1986 verstorbenen Stadtpfarrers Johann Ritter von Auerbach nach Altötting fuhren. Abfahrt war um 2.55 Uhr, Rückkunft kurz nach 20 Uhr.

Wie Rudi Weber in seinen historischen Berichten weiter aufzeigt, beschloss die Bundesbahn am 19. September 1983 den Abbau der Strecke und den Verkauf des gesamten Areals. Ab Frühjahr 1984 wurden die Gleisanlagen des Bahnhofs Auerbach und der freien Strecke abgebaut. Die Stadt Auerbach erwarb das gesamte Bundesbahngelände bis hinunter nach Ranna im Jahr 1985 für etwa eine Million Mark.

Info: Mehr Informationen gibt es in dem Buch "Lokalbahn Ranna - Auerbach, Geschichte der oberpfälzischen Erzlinie", herausgegeben von Wolfgang Bleiweis und Hans-Jürgen Kugler im Jahr 2016. Der Band umfasst 96 Seiten mit 72 Fotos und Karten, kostet 14.90 Euro und ist erhältlich bei Schreibwaren Kleefeldt/Heinl in Auerbach oder über ISBN-3-938080-12-4.

 

rr/hk

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