Sonntag, 05.04.2020

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Vor 50 Jahren: Schnee-Chaos legte Region lahm

Schulfrei in der Fränkischen Schweiz - Fußmarsch zur Arbeit - 12.03.2020 17:30 Uhr

Allerorten in der Fränkischen Schweiz mussten Straßen freigeschaufelt werden. © NN-Bildarchiv/Claus Volz


Überall wurde von einer katastrophalen Schneelage berichtet. Die Männer des Kreisbautrupps, der Stadt Pegnitz und der Autobahnmeisterei Trockau waren zum Teil pausenlos im Einsatz, um die vielen Straßen wenigstens notdürftig vom Schnee zu räumen. Erschwert wurden die Arbeiten durch die Schneeverwehungen, die teilweise meterhoch die Straße zudeckten.

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Vor 50 Jahren legte ein Schnee-Chaos die Region lahm

Kaum war eines der schlimmsten Hochwasser seit Jahrzehnten abgeflossen, wurde die Region vor 50 Jahren von einem Schnee-Chaos heimgesucht, wie es heute angesichts frühlingshaft anmutender Temperaturen nicht mehr vorstellbar ist. Schneepflüge blieben stecken, Schulkinder konnten nicht befördert werden, überall im Landkreis mussten die Bewohner Straßen freischaufeln, in Betzenstein war schneefrei und viele Arbeiter aus abgelegenen Dörfern kamen überhaupt nicht oder nur noch zu Fuß an ihren Arbeitsplatz. Die Bauhöfe arbeiteten rund um die Uhr, um wenigstens die Hauptstraßen passierbar zu machen. Fotos: NN-Bildarchiv/Claus Volz


Besonders betroffen waren die Busunternehmer und die Deutsche Bundespost. Der Schulbus in Kirchahorn musste ausfallen. Der Gößweinsteiner Schulbus blieb in Waidach hängen, so dass die oberen Klassen in Gößweinstein nur zu 50 Prozent belegt waren. Die Waidacher mussten zur Schaufel greifen, um den Bus wieder freizumachen, denn auch der Schneepflug blieb stecken. Völlig zu war die Straße Neuhof – Lobensteig – Hainbronn, auch hier konnte deshalb kein Bus fahren.

Freischicht aus den Betten geholt

Obwohl der Räumtrupp Morschreuth die ganze Nacht durcharbeitete und der Trupp Plech bereits um 2.30 Uhr losgeschickt wurde, liefen im Landratsamt pausenlos Anrufe von Bürgermeistern auf, die um die Räumung ihrer Straßen baten. Die Autobahnmeisterei musste die Freischicht aus den Betten holen. Die Stadt Pegnitz räumte am Donnerstag bis kurz vor Mitternacht und begann mit beiden Schneepflügen bereits wieder um 3.30 Uhr. Wenigstens eine kleine Ruhepause wollte man den arg strapazierten Männern gönnen.

In den Nebenstraßen konnte man oftmals nicht räumen, weil Autos im Weg standen. Die Deutsche Bundesbahn hat sechs Arbeitskräfte eingesetzt, die pausenlos mit Räumarbeiten beschäftigt waren. Einige Züge hatten teilweise größere Verspätungen.

Planierraupen eingesetzt

Die Gemeinde Adlitz begann mit den Räumarbeiten bereits um 4 Uhr. Moritz und Wölm waren komplett vom Verkehr abgeschnitten und die Straße nach Engelhardsberg konnte erst am Nachmittag geräumt werden. In Betzenstein setzte man Schaufelkommandos und Planierraupen ein, um die Zugangsstraßen zu umliegenden Ortschaften zu räumen. Mit Schneepflügen kam man nicht mehr durch.

Geschwand meldete, dass die Straßen nach Kleingesee und Bärnfels völlig zugeschneit sind. Einige außenliegende Ortschaften der Gemeinde Gottsfeld waren nur noch mit schweren Schleppern zu erreichen und Wasserkraut konnte überhaupt nicht angefahren werden. Moggast konnte erst am Nachmittag wieder erreicht werden.

In der Gemeinde Stierberg wurde überall geschaufelt. Keine Möglichkeit hatten die Bewohner von Neudorf-Ost, mit ihren Pkw auf die Hauptstraße zu gelangen. Erst als ein Schaufellader eingesetzt worden ist, kam man wieder durch. Einige Körbeldorfer marschierten gar zu Fuß nach Pegnitz, um rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Im Gebiet Arzberg geriet ein Räumfahrzeug in einen tiefen Graben und konnte sich erst nach langen Bemühungen wieder befreien.

Nicht besser erging es auch dem Zeitungsfahrer der „NN". Nachmittags um 15 Uhr war er noch im Gebiet Leupoldstein vermisst. Einige Ortschaften konnte er überhaupt nicht oder nur mit Verspätung anfahren. 

CLAUS VOLZ

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