Donnerstag, 19.09.2019

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Vor diesen Herausforderungen steht das Dekanat in Pegnitz

Dekan Gerhard Schoenauer blickt sorgenvoll in die Zukunft - 15.08.2019 18:00 Uhr

Eine historische Aufnahme der Bartholomäus-Kirche. © Quelle: Dekanat Pegnitz/Repro: Kilian Trabert


 

Gerade jetzt sieht Gerhard Schoenauer so viel vom Dekanat wie nur selten im Jahr – und das eher unfreiwillig. Weil derzeit zu viele seiner Kollegen in den Gemeinden ausfallen, tritt er selbst vor den Altar, hält Predigten und spricht mit den Gemeindemitgliedern vor Ort.

Auch deshalb wird das 125-jährige Bestehen des Dekanats nicht größer gefeiert. Es fehle schlichtweg die Zeit dafür, so Schoenauer. Stattdessen wird der Geburtstag in die zentrale Reformationsfeier mit einfließen. "Dazu sind alle Gemeinden eingeladen", so der Dekan.

Warum es weniger Austritte gibt

Und er ist sich sicher, dass sie kommen werden. Das sei nämlich der ganz große Vorteil des Dekanats: "Wir sind zwar klein, aber alle sehr verbunden. Wir kennen uns gut und haben kurze Wege." Der Hauptgrund, warum das Dekanat noch so viel besser dasteht als andernorts in Deutschland – da ist sich Schoenauer sicher. Zwar sei die Mitgliederzahl in Pegnitz in 25 Jahren von 17 000 auf knapp 15 000 gefallen, das sei aber noch weit unter dem Durchschnitt der Landeskirche. "Wir haben hier nicht so viel Anonymität wie in der Stadt. Man kennt sich und hält zur Kirche", so Schoenauer. "Vor 20 Jahren gab es sicher weniger Austritte, aber auch heute haben wir sie nicht in ganz großer Menge." Wenn Mitglieder im Dekanat aus der Kirche austreten, dann vor allem wegen der Kirchensteuer.


Amtszeit von Dekan Gerhard Schoenauer endet im Jahr 2020


Das eigentliche Problem liege aber woanders: "Wir verlieren deshalb Mitglieder, weil mehr Menschen sterben als geboren werden", erklärt der Dekan. In diesem Jahr stehen beispielsweise 200 Bestattungen nur 125 Taufen gegenüber.

"Viele sind am Ende ihrer Kraft"

Der Vorteil, ein kleines Dekanat auf dem Land zu sein, ist gleichzeitig aber auch die größte Schwäche – und auch ein Grund, warum Schoenauer derzeit nicht in Feierlaune ist: "Wir haben kaum mehr Personal, auf das wir im Notfall zurückgreifen können."

Und der neue Landesstellenplan der evangelischen Kirche, der derzeit ausgearbeitet wird, macht ihm und seinen Kollegen keine Hoffnung – im Gegenteil. Durch die Austrittswellen, die die Kirche seit Jahren überrollen, gilt ein strenger Sparkurs: "Wir rechnen damit, dass uns eine ganze Stelle gekürzt wird. Und ganz ehrlich: Wir wissen nicht, wie wir das auffangen sollen."


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Das hat auch Konsequenzen für die Gemeinden vor Ort: "Viele sind durch die Mehrbelastung am Ende ihrer Kraft. Wir müssen uns besser organisieren und überlegen, mit welchen Aufgaben wir aufhören können." Er stellt aber klar: "Bei Gottesdiensten und der Seelsorge lassen wir nichts einbrechen."

Die Organisation der Pfarrstellen vor Ort ist für ihn eine der drei zentralen Herausforderungen für die Zukunft: "Wir wollen eine Kirche in der Fläche sein und kein Zentrum. Die Leute sollen nicht 40 Kilometer nach Pegnitz zum Gottesdienst fahren müssen."

"Wäre eine Katastrophe"

Großen Mangel gibt es auch an anderer Stelle im Dekanat: Der Pflegenotstand beim Brigittenheim, das vom zentralen Diakonieverein getragen wird, bereitet dem Dekan große Sorgen: "Wir habe eine Flut von Anmeldungen, aber immer weniger Pfleger. Wir müssen den Pflegeberuf wieder nach vorne bringen, sonst wäre das eine Katastrophe." Helfen könnten hier aus seiner Sicht die Geflüchteten, die in Pegnitz aufgenommen wurden. Damit würde auch die Arbeit des Dekanats Früchte tragen. "Geflüchtete kommen an erster Stelle. Wir sind sogar das einzige Dekanat in Bayern mit einer Integrationsbeauftragten." Das Ziel ist klar: "Wir müssen die Menschen nicht in Deutschland, sondern in Pegnitz integrieren."

Nicht nur bei der Geflüchteten-Thematik fordert er von seinem Dekanat eine klare Haltung ein: Es gebe "sehr viele Sinnanbieter", viel mehr als noch vor 125 Jahren auf dem Markt, sagt Schoenauer. "Wir müssen unser Profil zeigen, ohne unser Fähnchen in den Wind zu hängen." Nur so bleibe die Kirche für die Menschen relevant: "Kirche ist immer auch politisch. Wir müssen kämpfen für Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden." Und in diesen Zeiten erst recht: "Bei rechten Umtrieben werden wir unsere Stimme erheben und deutliche Worte finden." 

KILIAN TRABERT

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