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Dienstag, 11.05.2021

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Vor Gericht: Streit eines Paares endete mit schweren Verletzungen

Plädoyers im Überfahrprozess: Staatsanwältin beantragt drei Jahre und drei Monate Haft - 17.04.2021 15:55 Uhr

Staade warf dem Angeklagten nicht nur einen vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und eine vorsätzliche gefährliche Körperverletzung vor. Sondern auch ein "krasses Nachtatverhalten" und ein "unerträgliches Opfer-Bashing". Die Anklägerin meint damit die Behauptung des Angeklagten, seine damals stark betrunkene Freundin sei ihm vors Auto gelaufen – und er, der Angeklagte, könne nichts für die Folgen.

Staade betonte, ihrer Ansicht nach sei im Grund wahrscheinlich sogar ein Tötungsversuch verwirklicht, könne aber deshalb nicht abgeurteilt werden, weil der Mann nach dem Überfahren von dem nicht beendeten Versuch zurückgetreten sei: "In der Anklage habe ich noch geschrieben, dass er das aus Reue tat, davon habe ich im Prozess aber nichts bemerkt."

Zu ihrer Überzeugung kommt Staade unter anderem aufgrund des Gutachtens eines Unfallanalytikers, der am Tatort auf der Straße zwischen Weiglathal und Moritzmühle Reifenspuren gefunden hatte, die von einem Beschleunigungsvorgang mit Vollgas stammten.

Glück gehabt

Der Angeklagte und das Opfer hätten Glück gehabt, dass er nur einen 75 PS starken Diesel fuhr, der sich "nur" auf 27 Stundenkilometer beschleunigen ließ, ehe er die nach einem Streit aus dem Auto ausgestiegene und weglaufende Frau traf.

Der Anwalt des Opfers, Karsten Schieseck, war in seinem Plädoyer derselben Meinung wie die Oberstaatsanwältin: Einen Zeugen, der kurz danach zur Unfallstelle kam, habe er belogen, genauso wie die Nachbarn zuhause, die entsetzt waren über die Verletzungen und die Frau ins Krankenhaus brachten. Schieseck: "Der Versuch, das Geschehen als Unfall darzustellen und meiner Mandantin die Schuld zuzuschieben, ist eine Verhöhnung des Opfers."

Nicht beweisbar

Verteidiger Andreas Angerer – er war von der Oberstaatsanwältin indirekt kritisiert worden mit den Worten "Ist der Angeklagte gut beraten?" – hält den seinem Mandanten angelasteten Vorsatz nicht für beweisbar. Er verwies darauf, dass die nach dem Streit aus dem Auto ausgestiegene Frau mit über drei Promille ungewöhnlich stark betrunken gewesen und es deshalb nicht auszuschließen sei, dass sie seinem Mandanten vors Auto gelaufen sei. Angerer beantragte eine einjährige Bewährungsstrafe.

Wie das Gericht den Fall beurteilen könnte, geht aus einem rechtlichen Hinweis hervor: Darin heißt es, der Angeklagte könne gezielt auf die Frau zugefahren sein, um sie zu ängstigen. In diesem Fall sei bedingter Vorsatz anzunehmen. Das Urteil ergeht am kommenden Mittwoch.

MANFRED SCHERER

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