Sonntag, 08.12.2019

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Votum für Dekanstreue in Pegnitz

Wahlen im Diakonieverein Kasch und Rieß unterlagen - 04.12.2015 21:07 Uhr

Der frisch gewählte Diakonieausschuss: (v.l.n.r.) Werner Schaller, Thomas Klebe, Dekan Gerhard Schoenauer, Rainer Dippe, Sabine Braun-Rohmer, Nicole Peter, Helmut Heinrich, Hans Frank und Kurt Liebig. © Frank Heidler


Ihre blauen Wahlkärtchen mussten die 153 anwesenden Mitglieder des Diakonievereins bei dieser denkwürdigen Versammlung im Sonnensaal oft heben. Nach der letzten Wahl und fast drei Stunden Versammlungsdauer traten einige Mitglieder sogar noch vor der Verkündigung der Wahlergebnisse für die fünf Plätze als Beisitzer vorzeitig den Heimweg an. Die Mitglieder des Diakonieausschusses wurden für vier Jahre gewählt. Nicht durchsetzen konnte sich Heinrich Axmann mit seinem Wunsch einer geheimen Wahl für die Beisitzerposten. Von der Versammlung wurde dieser Vorstoß per Handzeichen klar abgelehnt. nachdem Notar Helmut Heinrich anhand eines BGH-Urteils die Rechtsgrundlagen erläutert hatte.

Es war klar: In der Runde des Diakonievereins hatte Axmann nicht viel Freunde, in einigen Fällen stieß er auf blanke Ablehnung, trotz des Versprechens, „frischen Wind“ in den Verein bringen zu wollen. Bei der Bekanntgabe seiner eigenen Kandidatur stieß er auf höhnisches Lachen einiger weniger.

Lange Mitarbeit

Jörg Kasch verwies auf seine langjährige Mitarbeit in diesem Verein. „Ich vertrete Diakonievereine in ganz Oberfranken.“ Und fügte fast ein wenig trotzig hinzu: „Wenn sie wollen, mache ich weiter, wenn nicht, lasse ich es bleiben.“ Heinz-Dieter Rieß erklärte: „Mich bewegt der Umbau im Verein, ich kann betriebswirtschaftlich dazu einiges beitragen.“

Jörg Kasch (li.) und Heinz-Dieter Rieß vor der Wahl. Foto: Heidler


Die Wahl von zwei Pfarrern — nämlich den Pegnitzer und Creußener Pfarramtsführern — war kein Automatismus. Rein theoretisch hätte auch ein Gegenkandidat aufgestellt werden können.

Gerhard Schoenauer wurde bei einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen Vorsitzender, Nicole Peter als Vize sogar ohne Gegenstimmen (39 Enthaltungen) gewählt. Bestes Ergebnisse an diesem Abend für Kurt Liebig als neuer Kassier und als Schriftführer Werner Schaller (je eine Enthaltung).

Sie werden unterstützt von fünf Beisitzern: Thomas Klebe (116 Stimmen), Helmut Heinrich (109), Dr. Rainer Dippe (106), Hans Frank (97) und Sabine Braun-Rohmer (86). Nicht zum Zuge kamen Susanne Wittman (66), Jörg Kasch (62), Heinz-Dieter Rieß (55), Peter Hippmann (27) und Heinrich Axmann (26). Mit den Worten „Ich hoffe, wir haben die richtige Entscheidung getroffen“, beschloss Gerhard Schoenauer die Versammlung.

Vor der Wahl ging es um die künftige Geschäftsführung, die die Kirchliche Dienstleistungs- und Beratungsgesellschaft für Soziale Einrichtungen innehat. Die KDSE ist eine Tochtergesellschaft des Diakonischen Werkes Bayern. Ihre Aufgabe wird ab 1. Januar 2016 sein, einen wirtschaftlichen, operativen Betrieb sicherzustellen und die Geschäftsführung durchzuführen. Dazu gehören Tätigkeiten wie Ablauforganisation, Personalführung und Risikomanagement, erläuterte Dekan Gerhard Schoenauer.

32 Stunden pro Woche wird sich die Diplom-Sozialpädagogin Manuela Bierbaum um diese Tätigkeitsfelder in Pegnitz kümmern sowie Ansprechpartnerin für alle Mitarbeiter sein. Seit acht Jahren ist sie Projektleiterin bei der KDSE. „Weisungsbefugt ihr gegenüber ist der Diakonieausschuss“, erklärte Schoenauer. Und weiter: „Die Einarbeitungszeit möchten wir sehr kurz halten und hoffen, dass sie ganz bald die vollständige Verantwortung übernimmt.“

Weiterhin autark

Wie berichtet, zieht sich der Dekan nach fast 17 Jahren aus dem operativen Geschäft des Diakonievereins zurück. Der Zeitaufwand sei für ihn nicht mehr zu leisten, erklärte er bei der Versammlung, zu der 153 von insgesamt 519 Mitgliedern gekommen waren. Er stellte klar, dass der Diakonieverein weiterhin autark bleibe und es keine Fusionierung mit einem anderen Träger gebe. „Wir alle hoffen, dass mit dieser Geschäftsverbindung eine gute Maßnahme ergriffen wurde, um unsere Diakonie fit für die Zukunft zu machen.“

Schoenauer verabschiedete neben Christoph Groß, ehemaliges Mitglied des Diakonie-Ausschusses, Heinz-Dieter Rieß, ehemaliger Kassier, auch Jörg Kasch, den scheidenden Geschäftsführer der Diakoniestation. Rieß selbst und seine Frau hatten vor der Versammlung einen Antrag zur Änderung der Tagesordnung gestellt. Demnach sollte Schoenauer die Mitglieder „über die geplanten künftigen Maßnahmen in Bezug auf die zukünftige Geschäftsordnung“ informieren.“ Der Dekan erläuterte, dass er dies ohnehin tun werde. Bei der Abstimmung stimmten 62 Mitglieder für die Änderung, drei enthielten sich — der Antrag wurde abgelehnt.

In seinem Bericht verteilte der Dekan und Vorsitzende des Diakonievereins auch viel Lob: An die Sammler, die für die Diakonie unterwegs sind, die Mitarbeitenden, die Mitglieder des Ausschusses. Aber er erwähnte auch, dass es in der Diakoniestation „ein besonders schwieriges Jahr“ war. Der Umzug in neue Räume, der Umbau zur Tagespflege, das tägliche Geschäft.

Das bestätigte auch die Pflegedienstleitung der Diakoniestation, Steffi Wolf. „2014 war schon ein schwieriges Jahr, 2015 wurde noch ein bisschen schlimmer“, sagte sie und bezog sich damit auf die Arbeit in der Diakoniestation und der Tagespflege. Doch die Ehrenamtlichen seien tatkräftige Unterstützer. Und die Arbeit im Team funktioniere auch. „Es kann sich jeder auf die anderen verlassen, ob Geschäftsführer oder Putzfrau, das spielt keine Rolle“, so Wolf. In diesem Jahr seien 13 Personen neu eingestellt worden. „Was nächstes Jahr kommt, weiß keiner so genau. Aber wir machen so weiter wie bisher, denn darin sind wir stark“, schloss Wolf ihren Bericht.

Kaum Gespräche

Auch die Leiterin des Brigittenheimes, Anke Schellermann, gab ihren Bericht ab. Demnach sind alle 138 Heimplätze belegt. Sie bemängelte, dass dem Personal während des Dienstes kaum Zeit für persönliche Gespräche mit den Bewohnern bleibe — und dankte in diesem Zusammenhang den Ehrenamtlichen. Schellermann und einige Mitarbeiterinnen bedankten sich im Anschluss auch bei Schoenauer, „der mit uns ein ganz turbulentes Jahr durchgemacht hat“. Rainer Dippe sprach stellvertretend für den Diakonieausschuss. Er hoffe, dass der Dekan nun etwas freie Zeit gewinnen könne.

Bei der anschließenden Aussprache meldete sich nur Heinz-Dieter Rieß zu Wort. Er wolle nicht wissen, was Bierbaum pro Monat verdiene, sondern „was uns die Chose im Jahr kostet“? Denn es sei ja Zeit, die die KDSE für die Geschäftsführung aufwende. Schoenauer antwortete, dass mit dem Bierbaums Gehalt alle Kosten abgedeckt seien. Die Mitglieder entlasteten daraufhin den Vorstand.

VON LUISA DEGENHARDT UND FRANK HEIDLER

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