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VR-Bank Bayreuth-Hof schließt Ottenhofer Filiale

Die VR-Bank Bayreuth-Hof schließt ihre Filiale im Gewerbegebiet Ottenhof. Bürgermeister Karlheinz Escher aus Plech ist verärgert. - 10.05.2020 15:55 Uhr

Die Filiale der VR-Bank im Gewerbegebiet Ottenhof. Das Geldinstitut wird diese Filiale wie sieben weitere im Landkreis Bayreuth demnächst schließen. Der Plecher Bürgermeister Karlheinz Escher ist über die Entscheidung enttäuscht und befürchtet für die Bürger erhebliche Nachteile. © Foto: Kerstin Goetzke


Herr Escher, hat die VR-Bank Ihnen gegenüber vorab begründet, weshalb sie die Filiale schließt?

Escher: Vorab nicht gerade. Am Montag, also einen Tag bevor es in der Presse veröffentlicht wurde, hat mich Herr Dr. Schappert telefonisch darüber informiert. Ihm ging es wohl in erster Linie darum, dass ich das nicht in der Zeitung lesen muss. Wirklich reagieren kann man als Gemeinde dann nicht mehr. Es ist bedauerlich, dass man nicht vorher ein Gespräch gesucht hat. Vielleicht gäbe es ja Lösungsmöglichkeiten. Aber das war schon beschlossene Sache und von Seiten der Bank wohl gar nicht gewünscht. Der Zug ist abgefahren.

Was bedeutet der Rückzug der VR-Bank aus dem Gewerbegebiet Ottenhof für die Bürger der Marktgemeinde Plech?

Escher: Gerade für ältere Bürgerinnen und Bürger, aber auch für solche, die nicht so mobil sind, ist es schon eine starke Belastung. Bisher konnte die Filiale zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden. Auch für Auto- oder gar für Busfahrer ist es ein Unterschied, ob ich hin und zurück zehn Minuten nach Ottenhof oder — nach Pegnitz — fast eine Stunde mit dem Auto oder fünf Stunden mit dem ÖPNV zur Bank brauche.

Karlheinz Escher (ÜWG) ist seit 2002 Erster Bürgermeister von Plech. Von 1990 bis 2002 war der ehemalige Polizeibeamte Marktgemeinderat. Schwerpunkte seiner Arbeiten sind: Das Seniorenprojekt, „Innen statt Außen“ (Dorferneuerung) im Bereich Badstraße/Kirchplatz, der Kita-Anbau, das Nahwärmenetz und das Wunderland. © Foto: privat


Besonders ärgerlich ist es, dass gerade die genannten Menschen meist auch Probleme mit der Computertechnik haben. Also doppelt schwierig.

Wie können Kunden der VR-Bank künftig mit ihrer EC-Karte ohne Zusatzkosten Geld abheben?

Escher: Diese Frage müssten Sie der Bank stellen. Es geht ja gar nicht so um das Geld abheben. Das kann man in der Zwischenzeit auch bei Aldi und Rewe. Es geht um die anderen vielfältigen Bankgeschäfte, wie Sparverträge, Kreditverträge, Geld oder Devisen wechseln und vieles mehr. Wer keine Bankkarte hat oder sie nicht unbedingt überall anwenden will, hat doppelte Probleme. Er kann kein Geld bei der Filiale abheben, aber auch nicht im Einkaufsmarkt bezahlen. Von Service für den Menschen kann man da nicht mehr sprechen. Und wenn der Service in der großen Filiale in der Stadt verbessert wird, so hilft das der Seniorin auf dem Land herzlich wenig.

Die Raiffeisenbank kehrt damit ihrer Heimat, dem flachen Land, endgültig den Rücken. Dort, wo sie einst von Bauern und kleinen Geschäftsleuten gegründet und groß wurde, zieht sie sich jetzt zurück. Wo bleibt da der ursprüngliche Genossenschaftsgedanke? Der alte Herr Raiffeisen würde sich im Grab umdrehen . . .

Welche Auswirkungen hat die Aufgabe der Bankfiliale auf das Gewerbegebiet?

Escher: Auf das Gewerbegebiet eher nicht so große. Die meisten Menschen kaufen dort mit Kreditkarte ein. Wer mit Kreditkarte nichts anfangen kann, hat schon Probleme und muss vorher sein Geld in Pegnitz holen. Nicht gerade nachhaltig umweltfreundlich.

Das würde dann noch eher die Geschäfte in Plech treffen, bei denen man mit Karte nicht bezahlen kann. Ich hoffe, dass zumindest der Geldautomat noch lange im Gewerbegebiet in Ottenhof erhalten bleibt.

Wie groß ist die Fläche, die aktuell im Gewerbegebiet Ottenhof leersteht?

Escher: Etwa 1800 Quadratmeter in den drei größeren Läden mit jeweils etwa 500 bis 700 Quadratmetern und zwei kleineren zwischen 70 und 90 Quadratmetern. Da ist die Bankfiliale dabei.

Gibt es derzeit Interessenten?

Escher: Das weiß ich nicht. Da müssten Sie den Eigentümer fragen. Mir ist derzeit aktuell nichts bekannt. Natürlich will auch die Gemeinde, dass die Leerstände möglichst bald beseitigt werden. Wir unterstützen den Eigentümer bei der Suche auch. Aber letztlich liegt die Entscheidung bei ihm, ob etwas Geeignetes dabei ist.

 

INTERVIEW: HANS-JOCHEN SCHAUER

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