Sonntag, 05.04.2020

|

Wahlhelfer kommen sich nahe

Corona-Krise: Bei der Auszählung der Stichwahl wird nicht in allen Kommunen der Mindestabstand eingehalten. - 24.03.2020 18:02 Uhr

Für die Stichwahlen am nächsten Sonntag werden die ausschließlich per Briefwahl abgegebenen Wählerstimmen berücksichtigt und in den jeweiligen Briefwahllokalen ausgezählt. © Foto: dpa/Rolf Vennenbernd


Vor unüberwindlichen Problem bei der Durchführung der Stichwahlen am Sonntag, 29. März, steht trotz Corona–Krise keine der Kommunen im Südlandkreis. So zumindest das Ergebnis einer Kurzumfrage unter den Wahlleitern in Pegnitz, Pottenstein, Betzenstein, Waischenfeld und Creußen.

Dabei wurden aber auch die Grenzen der Gesundheitsvorsorge für Wahlhelfer deutlich. "Die Kommunalwahl ist nicht Corona-konform", erklärte der Creußener Wahlleiter Harald Heidler auf Anfrage gegenüber den Nordbayerischen Nachrichten. Grund dafür sei auch die "Vier-Augen-Regel", nach der bei jeder Wahl ausgezählt werden müsse.

Spätestens bei der Auszählung der Stimmen und den dafür nötigen Arbeitsschritten kämen sich einzelne Wahlhelfer unweigerlich näher als die von den von Virologen empfohlenen 1,5 Meter.

Für die Stadt Pottenstein kündigte der Wahlleiter und Geschäftsleitende Beamte Gerhard Thiem-Förster an: "Alle Wahlhelfer erhalten Handschuhe." Außerdem sei ausreichend Desinfektionsmittel vorhanden. Beim Mundschutz dagegen Fehlanzeige. Den empfohlenen Sicherheitsabstand könne aber auch er nicht in jeder Phase der Briefwahlauszählung garantieren.

Zum zeitlichen Ablauf bei der Stimmauszählung gelte folgende Maxime: "Wir machen keine Hektik, die Sicherheit geht vor. Wenn es eine halbe Stunde länger dauert, ist das auch okay."

Stefan Pickelmann, Wahlleiter für die Verwaltungsgemeinschaft Betzenstein/Plech, erwartet eine "recht simple" Auszählung am Stichwahl-Abend. "Das dauert keine zwei Stunden."

Entwarnung auch vom Pegnitzer Wahlleiter Herbert Lauterbach. Und das, obwohl für die Kommune — als einzige im Südlandkreis — für Bürgermeister und für Landrat die Stichwahlergebnisse ausgezählt werden müssten. "Das schaffen wir bis halb Acht oder acht Uhr", zeigte sich Lauterbach zuversichtlich.

Dabei könne er sich auch auf die bewährten Dienste der Wahlhelfer aus dem vorangegangenen Wahlsonntag verlassen. "Die sind fast alle im öffentlichen Dienst." Absagen habe es bisher bei den Wahlhelfern noch keine gegeben.

Ausgezählt werden müsse in insgesamt zehn Pegnitzer Briefwahlbezirken. Für die nötigen Sicherheitsabstände seien die Auszählungslokale — Sammethalle, Feuerwehrhaus, Altenstädter Schloß und Wiesweiherhalle — bei weitem groß genug. Insgesamt sind für diese Briefwahlbezirke zusammen 60 Wahlhelfer eingeteilt.

Auf einen Briefwahlhelfer muss Stefan Pickelmann, VG Betzenstein/Plech, verzichten — "wegen Quarantäne". Das könne er aber mühelos durch nun nicht mehr benötigte Urnenwahlhelfer kompensieren. Während am normalen Kommunalwahlsonntag in neun Stimmbezirken 72 Wahlhelfer benötigt wurden, werden es am nächsten Sonntag für die ausschließlichen drei Briefwahlbezirke nur noch 24 sein. Wer von den Helfern Mundschutz oder Handschuhe will, muss diese selbst mitbringen.

Der Pottensteiner Wahlorganisator Thiem-Förster hat "noch keine Absage" von den Helfern bekommen. Er hofft, dass es so bleibt.

Spaziergang zum Briefkasten

Aus Kostengründen wäre es ihm lieber, wenn Wahlbriefe möglichst persönlich im Rathausbriefkasten eingeworfen würden. "Spaziergänge sind ja erlaubt." Zur Wahlbeteiligung wagt er k eine Prognose: "Der Landrat ist im Gegensatz zur Bürgermeisterwahl ja weit weg." Kaum eine Veränderung bei der Wahlbeteiligung erwartet Wahlleiter Alexander Dressel für die Stadt Waischenfeld. Am 15. März wählten 1438 von 2550 Wahlberechtigten Waischenfeldern.

Also 56 Prozent. Bei der Landrats-Stichwahl würden die zwölf helfenden Stadtmitarbeiter in "zwei Riesenräumen" platziert. Dennoch: "Die Wahlzettel werden immer zu zweit ausgezählt." Das lasse sich "gar nicht vermeiden."

Mehrere Absagen

"Einige Veränderungen" werde es für die Verwaltungsgemeinschaft Creußen bei den Wahlhelfern geben, so Harald Heidler. Die Absagen seien "zum Teil beruflich, zum Teil auch krankheitshalber" erfolgt. Vereinzelt seien auch Risikopatienten unter den Helfern, die jetzt nicht mehr dabei sind.

Während es in Schnabelwaid den großen Bürgersaal gebe, werde sich in anderen Auszählungslokalen der Mindestabstand "nicht immer verwirklichen lassen". Besonders bei der Öffnung der Wahlbriefe entstehe die in Corona-Zeiten ungewünschte körperliche Nähe.

Die Briefwahl-Beteiligung lag bei der Kommunalwahl in Creußen, Schnabelwaid, Haag und Prebitz zwischen 40 und knapp 50 Prozent. Obwohl jetzt alle Bürger per Briefwahl abstimmen müssen, dürfte Heidler zufolge die Stichwahl-Auszählung "nicht viel später" erfolgen als bisher. Wenn sich der Trend vom Montag fortsetzt, werde es eine "hohe Wahlbeteiligung" geben. Schließlich erhielten alle Wähler die nötigen Wahlunterlagen automatisch frei Haus. Wer Mundschutz und Handschuhe will, muss diese selbst mitbringen. 

FRANK HEIDLER

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Pegnitz