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Waischenfeld bekommt eine neue Wiesentbrücke

Das fast 120 Jahre alte Waischenfelder Bauwerk muss wegen "offensichtlicher Mängel" weichen - 04.02.2021 05:55 Uhr

Die Wiesentbrücke soll bis Ende des Jahres Geschichte sein. Über ein Jahrhundert lang prägte das im Jahr 1903 errichtete Bauwerk das Waischenfelder Stadtbild mit.

03.02.2021 © Foto: Richard Reinl


In die Jahre gekommen sei die Wiesentbrücke, "unsere historische Brücke", sagt Bürgermeister Thomas Thiem (CSU). Diese Einordnung ist nicht übertrieben: Roland Kasel, Leiter der Tiefbauverwaltung im Landratsamt und damit verantwortlich für den Neubau, hat sich die Mühe gemacht und hat recherchiert: 30 Tonnen schwer ist die aktuelle Dreistahlkonstruktion, Baujahr: 1903.

Das bedeutet: Sollte die neue Brücke zum angepeilten Termin Ende des kommenden Jahres fertig werden, würde sie ein 119 Jahre altes Stück Waischenfelder Geschichte ersetzen.

Die Idee ist nicht neu, sagt der Bürgermeister. Seit Jahren sucht man in Waischenfeld nach einer Lösung. Bereits Thiems Vorgänger Edmund Pirkelmann hatte während seiner zwei Jahrzehnte im Amt das Problem der maroden Brücke mehrmals an das Landratsamt herangetragen. Im Herbst sei dann die frohe Kunde gekommen, es soll ernst werden, das Landratsamt nimmt sich der Sache an. Doch auch der Luftkurort soll beteiligt werden, sagt Kasel. "Wir haben versucht, die Wünsche der Stadt aufzunehmen."

Auch der Großteil der finanziellen Belastung soll zusammen mit der kreativen Kontrolle des Projektes in Bayreuth liegen. Von den rund 1,4 Millionen Euro, die für Ab- und Neubau anfallen werden, bleiben 65 000 an den Waischenfeldern hängen. "Nicht die Welt", sagt Kasel. Der Zusage im Herbst ging eine Prüfung durch das Landratsamt voraus. Das Ergebnis: Die Wiesentbrücke zeige "offensichtliche Mängel", die Tragfähigkeit sei vermindert, Einsturzgefahr bestehe allerdings zu diesem Zeitpunkt keine.

Die Bewertung ist dennoch alles andere als rosig: Note 3,0, in der Schule wäre das befriedigend. Doch diese Skala ist eine andere — sie endet bei 4,0.

Eine Sanierung hält das Landratsamt für nicht lohnenswert, auch eine Sprengung ist keine Option. Es bleibt: der Abbau. Dem stehen, der sichtlichen Motivation aller Beteiligten zum Trotz, noch Hürden im Weg.

Die Genehmigungen sollen bis Ende März da sein – "hoffentlich", sagt Roland Kasel. Dann könne das Landratsamt die Baugenehmigung rund einen Monat später in den letzten Tagen des April erteilen.

Baubeginn im September

Bis Ende Juli soll die Ausschreibung abgeschlossen sein. Der Baubeginn selbst ist erst für den September diesen Jahres geplant. Aufgrund der zu erwartenden massiven Verkehrsstörungen soll es mindestens zwei Bauabschnitte geben: Abbau und Vorbereitungen bis Ende 2021, der Neubau danach bis Ende 2022.

Auch um die Brücke herum sollen Straßen saniert und Gehwege ertüchtigt werden. Unter anderem sollen die Gehsteige behindertengerechter zugänglich werden. "Es ist eine große Maßnahme", sagt Verwaltungsleiter Kasel, "und es wird starke Einschränkungen geben." Er könne versprechen, dass niemand "mit einem Bagger vor der Tür aufwachen wird".

Kasel kündigt an: "Wir werden über jeden Schritt rechtzeitig informieren." Die Stadtratsmitglieder, die sich den Vortrag am Dienstagabend ohne sichtbare Widerrede anhörten, bat Kasel, gegenüber den Waischenfeldern eine offene Haltung zu vertreten. "Es wird Kritik geben, aber das ist notwendig und alternativlos. Wir bauen hier nicht für uns, sondern für sie."

Seine Hoffnung sei die, dass Ende 2022 ein Bauwerk in der Stadt stehe, "mit dem alle zufrieden sein können".

JULIAN SEIFERTH

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