Waischenfeld: Dachreiter der Stadtkapelle ist schwer beschädigt

7.5.2021, 08:55 Uhr
Ortstermin unter dem Foliendach: Architekt Stefan Stenglein (links) und Kirchenpfleger Stephan Keller begutachten die Sanierungsarbeiten.

Ortstermin unter dem Foliendach: Architekt Stefan Stenglein (links) und Kirchenpfleger Stephan Keller begutachten die Sanierungsarbeiten. © Foto: Frauke Engelbrecht

Mit einem sogenannten Hubsteiger – einer Arbeitsbühne – wurde das Zwiebeldach des Turmes von außen begutachtet. "Die Schieferdeckung ist in die Jahre gekommen, es haben sich Moose und Flechten ausgebreitet", so Stenglein. Noch gravierender war es aber unter der Schalung. Der obere Abschnitt der Zwiebel ist eine ebene Fläche und massiv geschädigt und muss durch das Eindringen von Feuchtigkeit über all die Jahre ausgetauscht werden. "Wir müssen nun das Wetter nutzen und nach und nach die einzelnen Teile bei guter Witterung austauschen." Besonders gelitten hat der obere Anschluss an der Zwiebel. "In gutem Zustand sind der mittlere Kranzbalken und der Ständer", so der Architekt, eine Achse könne erhalten werden. Die Schiefereindeckung der Zwiebel wird neu gemacht.

Auch der Kaiserstiel – der letzte Balken zu Kugel und Kreuz – muss erneuert werden. Er war vor Jahren schon mal stückweise ausgetauscht worden. Bis August, schätzt der Architekt, werde man mit dem Chor fertig sein und das Gerüst abbauen können.

An der Glockenstube sind massive Schäden sichtbar geworden.

An der Glockenstube sind massive Schäden sichtbar geworden. © Foto: Stefan Stenglein

Der obere Abschluss der Zwiebel soll nun verblecht werden und eine Unterdeckbahn aus Kunststoff soll das künftige Eindringen von Feuchtigkeit verhindern. "Zwischen Grate und Eindeckung kommt noch als zusätzlicher Schutz eine Schicht aus Walzblei – ein dickes, formbares Metall", erklärt er.

Wegen der Corona-Pandemie hätten die Firmen Probleme, die Preise, die sie Anfang vergangenen Jahres bei den Ausschreibungen gemacht haben, zu halten. Seit Herbst habe es bei den Materialien deutliche Preissteigerungen gegeben. "Das ist unangenehm für die Firmen, aber auch für uns", sagt Stenglein, "wir wollen ja gut mit denen zusammenarbeiten." Und auch die Lieferzeiten gerade für die Konstruktionshölzer hätten sich deutlich verlängert. Kam früher das Material innerhalb von zehn Tagen, dauere es jetzt vier bis sechs Wochen.

An den Achsen des Dachreiters sind massive Schäden sichtbar geworden. Sie sind in erster Linie durch Feuchtigkeit entstanden.

An den Achsen des Dachreiters sind massive Schäden sichtbar geworden. Sie sind in erster Linie durch Feuchtigkeit entstanden. © Foto: Stefan Stenglein

Rund 12 000 Euro Mehrkosten machen die zusätzlichen Arbeiten an der Turmzwiebel aus, schätzt Kirchenpfleger Stephan Keller. Man habe zu Spenden dafür aufgerufen, was von den Gläubigen gut angenommen werde, hat er festgestellt.

Im ersten Bauabschnitt waren alle geschädigten Holzbauteile der Dachstühle instandgesetzt worden. Dabei musste eine Achse zur Giebelwand erneuert werden, weil dort der Hausschwamm, ein holzzerstörender Pilz, gefunden wurde. Das befallene Teil wurde ausgebaut und erneuert. Außerdem wurde die Dacheindeckung mit Biberschwanzziegeln erneuert.

Die Gesamtkosten der Sanierungsarbeiten an der Waischenfelder Kirche betragen rund 550 000 Euro. Förderung gibt es unter anderem vom Erzbistum Bamberg, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Bayerischen Landesstiftung, der Oberfrankenstiftung, vom Landkreis Bayreuth, der Stadt Waischenfeld, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie von den örtlichen Banken.

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