Sonntag, 16.05.2021

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Waldstockverein: "Wir-Gefühl" leidet unter der Corona-Pandemie

Kaum Hoffnung, dass heuer das Festival auf dem Pegnitzer Schloßberg stattfindet - 16.04.2021 16:25 Uhr

Versammlungen, wie diese aus dem Jahr 2017, sind für den Waldstock-Verein momentan nicht möglich. Alle wichtigen Versammlungen finden online statt. Dadurch leidet das Wir-Gefühl des Vereins.

16.04.2021 © Foto: Archiv/Hans von Draminski


"Wir sind ja nicht nur ein Verein, wir sind eine Gemeinschaft", so Schorner. In dieser gehe es darum, sich persönlich zu treffen und sich untereinander auszutauschen. "Persönlich miteinander zu reden und kreative Projekte umsetzen, das ist momentan nicht möglich." Außerdem das Wegfallen gemeinsamer Freizeitaktivitäten. Versammlungen finden sowieso seit langem nur online satt. "Die soziale Komponente fehlt komplett. Das Vereinsleben liegt komplett auf Eis."

Das gehe an den Mitgliedern nicht spurlos vorbei: "Je länger die Sache dauert, umso weiter sinkt die Motivation. Man weiß ja nicht, wo man steht." Für einen Verein, der von vielen Ehrenamtlichen unterstützt wird, sei gerade die Motivation enorm wichtig.


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Auch wenn die Zahl der Mitglieder momentan noch hoch sei, sinke sie spürbar. "Man merkt, die Begeisterung ist nicht so da." Es fehle einfach die Perspektive oder ein Lichtblick, der die Stimmung wieder nach oben treibt. Gerade die Absage von Waldstock im Vorjahr habe für viel Frust gesorgt. Auch weil für das Festival viel geplant wurde, aber nicht umgesetzt werden konnte. "Für uns war es so, als würde Weihnachten nicht stattfinden", erklärt Schorner.

Rund 50 Leute helfen bei einer Veranstaltung wie Waldstock zusammen, um sie auf die Beine zu stellen. Wenn diese dann abgesagt werden muss, sei die ganze Leidenschaft umsonst gewesen. Sollte diese Situation noch länger andauern, könne es zum Verlust von Mitgliedern führen.

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Das Waldstock-Festival startete mit groovigen und sanften Klängen. Neben der Band "Black Sea Dahu" um die charismatische Sängerin und Dichterin Janine Cathrein betrat unter anderem die internationale Combo "Globalivity" die Bühne. Mit Indiepop ließen "Rasga Rasga" den Abend ausklingen.


Ein Problem, mit dem momentan auch andere Vereine zu kämpfen hätten. Daher sei es umso wichtiger, eine Perspektive aufgezeigt zu bekommen. Im Fall des Waldstock-Vereins das Abhalten von Veranstaltungen. Das habe dann nicht nur Einfluss auf die aktuellen Mitglieder, sondern auch auf die zukünftigen: "Die Veranstaltungen entscheiden darüber, wie wir in der Öffentlichkeit zu sehen sind und ob uns die Leute attraktiv finden. Ohne sie bekommen wir auf Dauer keinen Nachwuchs."

Wie es heuer um Waldstock bestellt ist, könne er noch nicht sagen. Hoffnung machen will er aber keine. Eine endgültige Entscheidung soll im April bei einer Online-Konferenz fallen – auch das weitere Vorgehen für das Jahr wird dann besprochen. Sollte das Festival auch heuer ausfallen, gebe es wieder die Option der kleineren Veranstaltungen in den Sommermonaten.

Bereits nach dem ersten Lockdown im vergangenen Mai konnte der Verein spontan kleinere Outdoorevents organisieren – mit Erfolg. "Die Veranstaltungen Rollstock, Filmstock und Beatgartenstock liefen echt super. So viele wie kommen durften, sind auch gekommen. Da waren die Hygieneauflagen auch echt gut umsetzbar."

Trotz der ungewissen Lage, wie es dieses Jahr mit den Festen weitergeht, und der Absage des Festivals im vergangenen Jahr sei aber allen im Verein der Ernst der Lage bewusst. Eine Veranstaltung wie Waldstock, wo mehrere Tausend Personen aufeinandertreffen, würde ein größeres Risiko bedeuten. Zudem habe der Verein das Glück, dass er finanziell nicht von den Veranstaltungen abhängig sei, im Gegensatz zu anderen: "Für uns ist das ein Problem, weil wir unsere Leidenschaft nicht verfolgen können. Aber bei anderen steht wirklich die Existenz auf dem Spiel", sagt Schorner. Daher wünsche er sich so bald wie möglich den geforderten Lichtblick – auch für alle anderen.

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Das Waldstock-Festival findet an diesem Wochenende bereits zum 25. Mal auf der idyllischen Lichtung am Schlossberg statt. Zum Jubiläum zogen die Festival-Fans am Freitag durch die Pegnitzer Altstadt, vor dem Rathaus gab es eine kleine Kundgebung. Bei der entspannten Umsonst-und-Draußen-Veranstaltung treten insgesamt 13 Bands auf.


FLORIAN ZEILMANN

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