Warnstreik der Bauhof-Mitarbeiter: "Wir sind es wert"

Die Beschäftigten der Bauhöfe in Pegnitz und Pottenstein fordern mit großformatigen Protest-Transparenten mehr Geld. - 09.10.2020 08:55 Uhr

Die Mitarbeiter der Bauhöfe Pegnitz und Pottenstein demonstrierten am Donnerstag mit großformatigen Transparenten am Pegnitzer Bauhof für eine Anhebung ihrer Gehälter.

© Foto: Ralf Münch


Es sind so ziemlich alle Bauhof-Mitarbeiter aus beiden Kommunen früh da, 15 aus Pegnitz, zwölf aus Pottenstein. "Ich will keinen Ärger mit den Kommunen und mit den Bürgern", erklärt Tina Karimi-Krause, Verdi-Bezirksgeschäftsführerin.

Die Gewerkschaft hatte zum Warnstreik aufgerufen, nachdem die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst auch bei der zweiten Verhandlungsrunde in der Tarifauseinandersetzung kein Angebot abgegeben haben. Bereits Ende September hatte es einen Warnstreik in Pottenstein gegeben. "Die Leute sollen sehen, wer den Laden am Laufen hält."

Bayerns Innenminister Horst Seehofer habe zwar ein Angebot angekündigt, das sei aber nicht gekommen. "Und ich habe Zweifel, dass in der nächsten Verhandlungsrunde welche kommen", so Karimi-Krause. Also werde es weitere Streiks geben. "Wir wollen mehr Geld", sagt Stefan Plößner, stellvertretender Bauhofleiter in Pegnitz, kurz und bündig. Die Bauhofkollegen seien auch in der Corona-Krise systemrelevant. Diese hätten trotz Beschränkungen und Regelungen den Laden am Laufen gehalten. So habe man in Pegnitz extra die Schichtzeiten geändert.

Eine Gruppe fange um 6 Uhr, die andere um 7 Uhr an. So seien die Kollegen bei der Arbeitseinteilung und der Brotzeit getrennt und es sei mehr Sicherheit gegeben. "Wir wollen keine leeren Versprechungen mehr", unterstreicht Plößner. Alle würden ihre Arbeit gerne machen, aber sie wollen dafür auch entsprechend entlohnt werden.

Tina Karimi-Krause, Verdi-Bezirksgeschäftsführerin, erwartet endlich ein Arbeitgeberangebot bei den Tarifverhandlungen.

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So sieht es auch Klaus Eckert, Leiter des Pottensteiner Bauhofs. "Der Streik ist wichtig." Ihn ärgere aber, dass es einige wenige gebe, die sich nicht an den Protesten beteiligen. Obwohl sie gewerkschaftlich organisiert wären. "Die Köpfe hinhalten müssen andere."

Kritische Worte auch von der Pegnitzer Personalratsvorsitzenden Tatjana Pfeffer.

"Es ist keine Bewegung in den Tarifverhandlungen." Wenn es keine Lohnerhöhung gebe, gehe auch die Kaufkraft verloren. "Und wir zeigen mit dem Streik Solidarität mit anderen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, wie zum Beispiel den Krankenschwestern." Diese würden unter wesentlich schwierigeren, gefährlicheren Bedingungen arbeiten. Sie hätten aber nicht so die Möglichkeit, auf die Straße zu gehen.

"Die Arbeitnehmer erwarten endlich ernst zu nehmende Verhandlungsbereitschaft von Seiten der Arbeitgeber", unterstreicht Karimi-Krause die Verdi-Forderungen. Die Kosten der Corona-Pandemie dürften nicht auf dem Rücken der Beschäftigen im öffentlichen Dienst ausgetragen werden.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem eine Anhebung der Einkommen der rund 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro monatlich mehr. Mit einer Laufzeit von zwölf Monaten.

"Die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte sollen um 100 Euro monatlich angehoben werden", so Karimi-Krause weiter. Schließlich werde noch eine Angleichung der Ost-West-Arbeitszeiten gefordert.

FRAUKE ENGELBRECHT