Was ist, wenn das Windrad brennt?

24.9.2013, 17:19 Uhr
Zum Bau des Windrads war ein riesiger Kran nötig. Mit einer 30-Meter-Leiter der Feuerwehr ist bei einem Brand nichts auszurichten.

© Reinl Zum Bau des Windrads war ein riesiger Kran nötig. Mit einer 30-Meter-Leiter der Feuerwehr ist bei einem Brand nichts auszurichten.

Bei Naumburg ist erst im April der obere Teil einer Windkraftanlage völlig ausgebrannt. Die Einsatzkräfte konnten das Feuer nicht löschen und mussten das Windrad kontrolliert abbrennen lassen. Die Ursache für das Feuer war vermutlich ein technischer Defekt. Der Schaden lag hier mit rund 100000 Euro relativ niedrig. Bei Norden im Kreis Aurich brannte in der Silvesternacht 2011 auch eine Anlage nieder — geschätzter Schaden drei Millionen Euro.

So ein Zwischenfall kann sich jederzeit in jedem Windrad ereignen — also auch in Büchenbach, wo vier Windräder mit einer Nabenhöhe von 140 Metern direkt neben der Autobahn 9 stehen. Hoch oben im Maschinenhaus, auch Gondel genannt, befindet sich jede Menge technische Ausrüstung, wie die Windrichtungsnachführung, Kühlsysteme und viel Elektronik. Wenn es dort in der Höhe brennt, ist die Feuerwehr in der Regel machtlos.

Was ist dann zu tun? „Es gibt für jeden Windpark ein Brandschutzkonzept mit einem genauen Feuerwehreinsatzplan“, erläutert Christoph Markl-Meider, Pressesprecher der Firma Ostwind aus Regensburg, die die Anlage in Büchenbach gebaut hat. Aber ob dieser vorbereitete Einsatzplan auch wirklich funktioniert, das soll nun am Samstag durchgespielt werden. 14 Freiwillige Feuerwehren aus dem Umkreis von Pegnitz üben ab 14 Uhr den Ernstfall im Windpark. Rund 140 Einsatzkräfte und zahlreiche Fahrzeuge werden vor Ort sein, um gemeinsam zu trainieren, was gemacht werden muss, wenn ein Windrad brennt.

„Unsere Drehleiter ist maximal 30 Meter hoch, dazu kommt noch eine Wasserwurfweite von 20 Metern, da brauch ich gar nicht anfangen“, schildert Adolf Mendel, Kreisbrandinspektor für den südlichen Landkreis Pegnitz die Problematik der Anlagen. Weil Löschen in der Höhe sowieso nicht geht, konzentriert sich die Feuerwehr darauf, dass kein Brand am Boden entsteht. Für die Übung wird also angenommen, dass das Windrad brennende Teile durch die Gegend schleudert und dadurch zwei Waldbrände ausbrechen. „Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, einen Flächenbrand zu verhindern“, schildert Mendel. Dafür muss natürlich vor allem die Wasserzufuhr klappen. Die Einsatzkräfte bauen daher eine 1200 Meter lange Wasserleitung von Bodendorf bis zum Windpark Büchenbach, dabei gibt es einen Höhenunterschied von 80 Metern zu überwinden.

Wenn die Technik in der Gondel trotz Feuer noch funktioniert, lässt sich ein Windrad schnell abschalten. Doch bei einem Feuer könnte es sein, dass die Anlage nicht mehr zu stoppen ist. Dann könnten brennende Teile weit fliegen — zum Beispiel bis auf die direkt benachbarte Autobahn und dort Fahrzeuge und Menschen treffen. „Dann müssen wir die Autobahn im Radius von 500 Metern sperren“, erläutert der Kreisbrandinspektor.

Feuerwehr hat Schlüssel

Besser reagieren könne die Feuerwehr, wenn im Sockelfuß des Windrades ein Brand ausbricht, so Mendel. Auch dort sind Elektroanlagen installiert. „Da drin gibt es Feuerlöscher. Außerdem hat die Feuerwehr Büchenbach dafür einen Schlüssel und wir kommen im Notfall hinein.“ Von der Einsatzübung am Samstag versprechen sich die Feuerwehr-Verantwortlichen Aufschluss darüber, wie sie im Notfall richtig reagieren sollen. „Ostwind hat bisher knapp 500 Windräder gebaut, doch zum Glück ist bei uns bisher noch nichts passiert“, sagt Markl-Meider. Dennoch müsse man natürlich für den Notfall vorsorgen.

Der Windpark Büchenbach mit vier Windrädern ist ein Projekt der Stadt Pegnitz. Gemeinsam mit Ostwind entstand hier zwischen Büchenbach und Leups der derzeit größte Kommunal-Windpark Bayerns. Im März wurde die Anlage eingeweiht. Die Windräder haben eine Nabenhöhe von 140 Metern, die Rotoren einen Durchmesser von 112 Metern. Jedes Windrad produziert drei Megawatt Leistung. Der Windpark erzeugt Strom für 7500 Haushalte und spart so pro Jahr 21000 Tonnen Kohlendioxid ein.

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