Samstag, 16.11.2019

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Was macht Pegnitz liebenswert?

Neubürger erzählen, warum sie in die Stadt kamen und was sie hier schätzen. - 17.10.2019 16:33 Uhr

Julienne Schweiger mit Töchterchen Josefina (und Papa Andreas, der beim Fototermin auf der Arbeit war) haben in Leups ein neues Zuhause gefunden. Heute ist die Familie zum Neubürgerempfang der Stadt eingeladen. © Foto: Klaus Trenz


Auch Drilon Xërxa und seine Frau Adriana Shala Xërxa aus dem Kosovo zählen zu den Neubürgern in Pegnitz, die die Stadt heute zum Empfang lädt. © Foto: Klaus Trenz


 

Ursprünglich stammt Julienne Schweiger aus Essen, ihr Mann kommt aus Mittenwald. Beim Studium in Bayreuth haben sich die beiden kennengelernt, arbeiten jetzt als Wissenschaftler an der Uni. Dort hatten sie eine schöne Wohnung in der Nähe des Neuen Schlosses und einen Kleingarten in der Anlage Schwedenbrücke. "Wir standen dann vor der Entscheidung, entweder Geld in die Wohnung zu stecken oder etwas anderes auf dem Land zu suchen", sagt die Ökologin.

Die Entscheidung fiel schließlich auf Leups, dort hatte die Familie die Möglichkeit, ein kleines Haus zu mieten. Es ist angenehm warm in der urigen Küche, als sie erzählt. Die kleine Josefine sitzt auf ihrem Schoß und strahlt immer wieder den Besuch an. Kurz bevor sie auf die Welt kam, hat Julienne Schweiger noch schnell ihre Doktorarbeit fertig geschrieben.

"Wir sind richtige Workaholics", sagt sie. Darum ist sie jetzt in der Erziehungszeit auch viel unterwegs. Babyschwimmen in Bayreuth und Pegnitz sowie Babyyoga sind nur einige der Aktivitäten. "Außerdem habe ich mir vorgenommen, in der Erziehungszeit das Thema Mitfahrbänke in Leups umzusetzen", so Schweiger weiter. Sie hat sich eingehend mit der Sache befasst und hält sie auch in Leups für sinnvoll. Denn: "Die Verkehrsanbindung ist nicht unbedingt so toll hier." Klar, es gibt das Anruflinientaxi. "Das ist schon eine luxuriöse Angelegenheit", sagt die 34-Jährige. Aber das kann sie nicht nehmen, weil es keine Kindersitze dort gibt. Möglich wäre der Bus, da könne sie den Kinderwagen oder das Tragetuch benutzen.

Überhaupt wünscht sich Schweiger eine bessere Anbindung nach Bayreuth, denn der Bus, der von Leups aus fahre, sei schwerpunktmäßig auf die Zugabfahrtzeiten nach Nürnberg ausgerichtet. Ansonsten haben sie sich gut in Leups eingelebt, fühlen sich zu Hause. "Und als bekannt war, dass wir im Ort wohnen, wurden wir auch in die Dorfgemeinschaft aufgenommen", berichtet Schweiger.

Es gebe viele Familien mit Kindern in der Nachbarschaft, der Kontakt sei gut. Das sei wichtig für sie, denn ihre eigene Familie lebt nicht in der Nähe. "Ungewöhnlich für die Gegend hier", sagt Schweiger. Immer mal wieder geht die junge Familie auch ins örtliche Wirtshaus. "Das ist manchmal abends einfacher als selbst zu kochen. Außerdem gebe es guten Obatzden".

Und dass man in Leups einfach rausgehen kann, gleich in der Natur ist, das genießt die junge Mutter. Es sei einfacher als in der Bayreuther Wohnung. Dort waren Studenten ihre Untermieter und "die zeitlichen Schwerpunkte waren nicht immer die gleichen", sagt Schweiger diplomatisch. Ihr endgültiges Domizil werde Leups nicht sein, denn ihre Stellen an der Uni in Bayreuth sind zeitlich befristet.

Erst seit gut zwei Monaten wohnen Drilon Xërxa und seine Frau Adriana Shala Xërxa in Pegnitz in der Nähe des Cabriosols. Drilon Xërxa ist Assistenzarzt für Chirurgie an der Sana Klinik. Bereits Anfang des Jahres hatte er dort hospitiert, nun macht er seine Ausbildung fertig. Das Ehepaar kommt aus Pristina. "Da war alles etwas größer", sagen die beiden. Adriana Shala Xërxa hat dort ein Jurastudium absolviert und war beim Nationalfernsehen Journalistin. In Deutschland will sie – wenn sie die C1-Sprachprüfung absolviert hat – entweder ein Masterstudium dranhängen oder ein Praktikum bei einer Zeitung machen.

Über Freunde hatten die beiden von Pegnitz erfahren. Das passte in ihre Planungen, nach Deutschland zu gehen, weil sie sich dort bessere Chancen im Beruf erhoffen. Im Kosovo dauere manches recht lange. Ob sie manchmal Heimweh haben? "Nein, mit dem Handy ist ja jederzeit Verbindung möglich", sagt Drilon Xërxa.

Pegnitz "ist eine saubere Stadt", sagen sie. Der Umweltschutz sei hier viel besser als in Pristina. Und es fehle an nichts. "Pegnitz bemüht sich, seine Bürger bei Laune zu halten", sagt Drilon Xërxa. "Es wird nicht langweilig, ist immer was los." Das Ehepaar nennt zum Beispiel den Flinderer. Das Essen, das es dort gibt, hat ihnen sehr gut geschmeckt, genauso wie das Bier. Aber auch das Maibaumaufstellen und die ASV-Kerwa seien schön gewesen.

Das Ehepaar, das sich seit neun Jahren kennt und seit einem Jahr verheiratet ist, freut sich auf seine Zukunft. Kontaktschwierigkeiten haben sie nicht. Adriana Shala Xërxa geht immer wieder ins Integrationshaus, um andere Leute zu treffen und die Sprache noch besser zu lernen. Ansonsten macht sie das am Fernseher, der in der Wohnung im Hintergrund läuft. "Ich habe das auch so gemacht", sagt ihr Mann, der fast akzentfrei Deutsch spricht.

Während seine Frau ein Visum für fünf Jahre hat, ist er anerkannter EU-Bürger. Wenn die beiden unter sich sind, sprechen sie albanisch. "Aber das werden wir noch ändern", sagen sie.

FRAUKE ENGELBRECHT

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