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"Was Pegnitz fehlt, ist die Laufkundschaft"

Die Einzelhändler der Pegnitzer Innenstadt gehen davon aus, dass es nun langsam wieder aufwärts geht - 20.06.2019 17:30 Uhr

Die Geschäfte am Alten Rathaus litten unter dem Umbau des Gebäudes. Sie sind froh, dass die Arbeiten abgeschlossen wurden und wieder Normalzustand herrscht. © Foto: Klaus Trenz


Doch seit einiger Zeit sieht er einen Silberstreif am Horizont. "Es tut sich was. Der Wandel ist positiv. Den Leerstand hast du nicht mehr", sagt er. 20 Jahre habe sich dieser hingezogen, auch weil viele Geschäfte keinen Nachfolger aus der eigenen Familie gefunden hätten. Was aber nicht heiße, dass keiner einen übernimmt. Der Klage von Einzelhändlern und Kunden, dass die Innenstadt zu wenig Geschäfte habe, kann er sich nicht anschließen. "Wir brauchen keine Läden mehr. Wir haben ein guten Mix."

Er schlägt vor, dass die vorhandenen Läden ihr Angebot ergänzen, mit Dingen, die zu ihren Waren passen. Koukal geht mit gutem Beispiel voran. Er wird künftig eine Auswahl an Karten-, Brett- und Würfelspielen anbieten und eine Ecke anbieten, in der Kunden die Spiele testen können. "Ich will eine Lücke füllen." Koukal, der vor Jahren in den Umbau seines Ladens und des Geschäftshauses eine hohe Summe investiert hat, erwartet, dass auch die Stadt ihren Teil dazu beiträgt, die Innenstadt aufzupeppen.

Bilderstrecke zum Thema

Vor 50 Jahren blühende Geschäftswelt in der Stadt Pegnitz

Die Geschäftswelt in Pegnitz befindet sich seit Jahrzehnten in einem stetigen Wandel. Zwar kommen immer neue Geschäfte dazu, viele verschwinden aber auch wieder. Unser Blick in das Bilderarchiv aus der Vorweihnachtszeit in den 60er und 70er Jahren erinnert an viele Läden, die es bis auf wenige Ausnahmen heute nicht mehr gibt. Mit jedem Geschäft weniger ist die Stadt ärmer geworden.


Was er vermisst, sind fünf, sechs Infotafeln zur Pegnitzer Geschichte. Erst kürzlich habe ihn in der nahen Eisdiele eine Gruppe Tschechen angesprochen. Sie wollten wissen, was man in Pegnitz besichtigen könne. Doch er konnte ihnen nicht recht weiterhelfen: "Pegnitz hat für Fremde nichts zu bieten."

Einige Geschäfte sind in den vergangenen Jahren an der Hauptstraße verschwunden. Diejenigen, die übrig geblieben sind, hoffen auf mehr Laufkundschaft. Die Einzelhändler vermissen einen Magneten, von dessen Kunden auch die anderen Läden profitieren. © Foto: Klaus Trenz


Besucher würden in der Regel auch Geld ausgeben. Die Investitionen, die die Stadt für den Fremdenverkehr tätige, kämen langfristig wieder bei der Kommune an. Wert müsse die Stadt auch auf ihr Erscheinungsbild legen. "Alles muss mehr gepflegt werden." Natürlich seien auch die Pegnitzer und die Bewohner aus der Umgebung gefragt, in die Innenstadt zu kommen und sich alles anzuschauen.

Alexandra Wolf-Preuschl hat von ihrem Vater das Juwelier- und Uhrengeschäft am Schweinemarkt übernommen. Sie bedauert, dass vor einigen Wochen mit dem Haushaltswarengeschäft Mösinger ein weiteres traditionsreiches Geschäft in Pegnitz geschlossen hat. "Das ist spürbar negativ."

Was sich ihrer Ansicht nach Kunden wünschen, seien Geschäfte zum Bummeln. Denn, wenn jemand spontan kaufe, dann sitze das Geld lockerer. Was der Innenstadt guttun würde, seien Modegeschäfte, wo "junge Leute durchbummeln" könnten. Wichtig sei, dass die Innenstadt wieder ein Sportgeschäft bekomme. Auch der Bioladen an der Nürnberger Straße würde der Innenstadt guttun. Kleine Geschäfte, wie etwa ein Teeladen, könnten durchaus Nischen besetzten.

Vor allem bräuchte das Zentrum ein Geschäft, zum Beispiel eine Drogerie, das viele Kunden anziehe und wovon die gesamte Geschäftswelt an der Hauptstraße profitieren würde, meint Wolf-Preuschl.

Geschäftserweiterungen, um die Verkaufsfläche zu vergrößern, seien auch in der Innenstadt möglich. Was fehle, seien ein Gasthaus mit richtig fränkischer Küche und einheitliche Öffnungszeiten. Zumindest bei den Kernzeiten müssten sich die Geschäftsleute einigen, um die Kunden nicht zu verärgern.

Insgesamt geht es wieder aufwärts, sagt Wolf-Preuschl. Sie sähe es am liebsten, wenn die Erdgeschossflächen mit Geschäften besetzt würden und nicht mit Dienstleistern.

Imbissläden und Dienstleister seien besser als Leerstand, meint Andreas Kroder, Inhaber der Löwen-Apotheke gleich am Alten Rathaus. "Ich bin froh, dass etwas passiert und wieder Leben in die Stadt zieht." Die Stadtplanung gehe in die falsche Richtung, sagt seine Mutter Inge Kroder. Als Gegenpol zum Admira-Center hätte das zweite Einkaufszentrum an der Badstraße errichtet werden müssen. "Das wäre ideal gewesen."

Dass sie weit außerhalb der Innenstadt gelegen sind, findet auch ihr Sohn schlecht. "Zwei nebeneinander ist zu viel." Da es dort ein Überangebot gebe, würden sich die Kunden nicht mehr die Mühe machen, die Innenstadt zu besuchen. Was Inge Kroder im Zentrum von Pegnitz vermisst, ist ein Geschäft, im dem wenigstens die allernötigsten Lebensmittel angeboten werden. "Milch, Joghurt, Butter", zählt sie auf.

"Die guten Zeiten sind vorbei", sagt Margit Ponfick, die das 1870 gegründete Lederwarengeschäft ihrer Familie in der Hauptstraße führt. Der Internethandel sei mit ein Grund dafür. "Die Leute haben das Gefühl, sie brauchen nicht mehr in die Stadt zu kommen. Sie schauen gar nicht mehr, was es dort gibt."

Die Dienstleister würden zwar die Läden füllen, "aber sie bringen keine Laufkundschaft". Das dürfte bei der neuen Buchhandlung, die demnächst am Marktplatz eröffnen wird, anders sein. "Ich wünsche mir, dass sich neue Läden in Pegnitz halten können", sagt Ponfick.

Ihrer Meinung nach fehlt "ein Magnet", der eine größere Kundenzahl ins Zentrum lockt. Auch Geschenkeläden und ein Wäschegeschäft würden gut ins Bild passen. "Was fehlt, ist Laufkundschaft."

Kritisch äußert sich Margit Ponfick zu den zwei Pegnitzer Einkaufszentren. "Seit ihrem Bau ist die Kundenzahl zurückgegangen." "Die Weichen sind gestellt, die Richtung ist unumkehrbar", sagt ihr Ehemann Fritz Ponfick. Es werde alles im Supermarkt mitgenommen, so Margit Ponfick. Ihr Mann verweist auf die relativ kleine Verkaufsflächen der Innenstadt-Geschäfte.

Eine möglichst große Zahl an Läden sei wichtig, damit die Innenstadt eine Zukunft habe. "Der Kunde will die Vielfalt." Ein Sportgeschäft sei in der Schulstadt Pegnitz mit vielen Vereinen absolut notwendig, ist sie überzeugt.

Das Internet habe ihrem Geschäft zu schaffen gemacht, gibt das Ehepaar zu. Im Geschäft hätten sich die Leute über Schulranzen informiert und dann im Internet bestellt. Inzwischen sei ein Wandel zu beobachten. Jetzt würden sich Kunden im Internet informieren und dann im Laden anrufen. "Sie fragen, ob wir das gewünschte Model haben." Margit Ponfick tritt gegen den Internethandel offensiv an. "Ich gebe die gleichen Prozente wie im Internet." Zudem gebe es bei Schulranzen großen Beratungsbedarf, sagt Fritz Ponfick. 

HANS-JOCHEN SCHAUER

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