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Wasserrechtliche Genehmigung für Kläranlage läuft aus

Warum es nicht tragisch ist, wenn die "Wasserrechtliche Erlaubnis" nicht bis zum 30. Juni eintrifft - 02.05.2021 08:55 Uhr

Betriebsleiter Dominik Schauer vor der biologischen Reinigung der Pegnitzer Kläranlage in Hainbronn.

29.04.2021 © Foto: Udo Fürst


Droht Ungemach? "Nein", sagen der Pegnitzer Bürgermeister Wolfgang Nierhoff und der Leiter des Eigenbetriebs Wasserwerk der Stadt, Alfons Deiml, unisono. "Das ist kein Grund zur Beunruhigung", so Deiml. Es stimme zwar, dass die wasserrechtliche Genehmigung für die Anlage 20 Jahre nach der Sanierung turnusgemäß auslaufe. "Das Ingenieurbüro Baur Consult überarbeitet aber derzeit die Pläne und nach deren Fertigstellung werden sie an das Wasserwirtschaftsamt und an den Landkreis Bayreuth weitergeleitet."

Rechtzeitig vor dem ominösen 30. Juni? "Wenn das Planungsbüro das schafft, ja, klar", versichert Deiml. Es könnte aber trotzdem etwas später werden, was man nicht hoffe. "Es dauert in der Regel dann noch einige Zeit, bis alle zuständigen Behörden das genehmigt haben." Man habe die größte Kläranlage im südlichen Landkreis und einen ausreichend großen Puffer für Unvorhergesehenes, erklärt Nierhoff. Auch wenn jetzt noch der Creußener Ortsteil Lindenhardt angeschlossen werde.

42 000 Einwohnerwerte (EW: siehe Info am Ende des Berichts) umfasst die Kläranlage in Hainbronn. Von den rund 15 000 Einwohnern der Stadt und ihrer Ortsteile sind über 12 000 Einwohner an die Kläranlage angeschlossen, ebenso knapp 1000 Einwohner der Nachbargemeinde Schnabelwaid. Daneben leiten Gewerbe, Industriebetriebe und öffentliche Einrichtungen ihr Abwasser ein. Diese Abwassermenge wird äquivalent bemessen und entspricht 19 000 EW.

Die Kläranlage wurde 1968 gebaut und entsprach Ende der 80-iger Jahre nicht mehr dem Stand der Technik. Die Stadt beauftragte daher 1994 eine Planung, die den Ausbau auf 42 000 EW mit weitergehender Abwasserreinigung beinhaltete. Die Anlagen zur Vor- und Nachreinigung, die Belebungsbecken, der Faulbehälter und das Betriebsgebäude wurden zwischen 1998 und 2006 für circa sieben Millionen Euro in zwei Abschnitten um- beziehungsweise neu gebaut.

Seit der Generalsanierung laufe die Anlage problemlos, versichert Deiml. Lediglich gewisse Unterhaltsarbeiten müssten erledigt werden. Wegen defekter Belüftungsplatten musste man vor drei Jahren ein Nachklärbecken stilllegen. Dies hätten aber die zwei anderen Becken auffangen können.

Ferner habe man die Anlage auf einen "intermittierenden Betrieb" umgestellt. Das bedeutet, dass der Sauerstoffeintrag nicht durchgehend läuft und die Bakterien gezwungen werden, das Nitrat zu Sauerstoff für die eigene Atmung und molekularem Stickstoff abzubauen. Insgesamt spare man durch diverse Maßnahmen circa 30 Prozent Energie ein, freut sich Deiml. Außerdem produzierten die nahe Photovoltaikanlage und das Blockheizkraftwerk zusätzlich sauberen Strom.

Die Behandlung des Abwassers erfolgt zunächst mechanisch in der Vorklärung, danach biologisch im Belebungsbecken. Durch chemische Fällung wird das noch verbliebene Phosphat entfernt. In der Nachklärung setzen sich alle Schwebstoffe ab. Überschüssiger Schlamm sowie der Schlamm aus der Vorklärung kommen in den Faulturm.

Das dort entstehende Methangas dient zum Heizen, ein Blockheizkraftwerk erzeugt Strom. Nährstoffreiches Prozesswasser aus der Schlammeindickung und -entwässerung kann zwischengespeichert und wieder zugeführt werden. Ausgefaulter Schlamm wird entwässert und an ein Kompostierwerk geliefert. Die Kläranlage verfügt über ein eigenes Labor und ist auch eine anerkannte Ausbildungskläranlage.

Die Stadt hat neben dem Ausbau der Kläranlage in den vergangenen Jahrzehnten auch die Mischwasserbehandlung deutlich verbessert. Die bei Regen ansteigende Abwassermenge wird in Regenüberlaufbecken und Stauraumkanälen weitestmöglich zurückgehalten und erst später behandelt. Diese Verbesserungen spiegeln sich in der Gewässergüte wider. Die Güteklasse II fällt lediglich in einem kurzen Abschnitt unterhalb der Kläranlage auf II-III, da trotz der guten Reinigungsleistung ein ungünstiges Verdünnungsverhältnis von Kläranlagenablauf zu Flusswasser besteht. Durch ihr gutes Selbstreinigungsvermögen erreicht die Pegnitz bald wieder die Güteklasse II, mit der sie Oberfranken verlässt.

INFO: Der Einwohnerwert (EW) ist der in der Wasserwirtschaft gebräuchliche Vergleichswert für die in Abwässern enthaltenen Schmutzfrachten. Damit ist die Anzahl der Einwohner gemeint, die im Einzugsgebiet einer Kläranlage leben. Mit Hilfe des Einwohnerwertes lässt sich die Belastung einer Kläranlage abschätzen. Er entspricht der Summe aus Einwohnerzahl und Einwohnergleichwert.

UDO FÜRST

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