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"Weg vom Image des Clubs": Waischenfelder mit 23 Jahren der jüngste Rotarier

Johannes Schwindel ist das mit Abstand jüngste Mitglied in seinem Rotary-Distrikt. - 18.12.2020 12:55 Uhr

Die Nadelung – so nennt der Rotary-Club den Akt der Aufnahme in den Verein – musste aufgrund der Corona-Pandemie über Video-Chat stattfinden.

17.12.2020 © Foto: Rotary-Club Distrikt 1950


Die Antwort auf diese Frage hat eine kurze und eine lange Version. Die kurze Antwort lautet: Johannes Schwindel fühlt sich wohl im Umfeld des Vereins, der seit 2012 zu seinem Leben gehört. "Ich bin stolz, Teil von Rotary zu sein", sagt der 23-Jährige. Vor Schwindels Beitritt im Herbst war das jüngste Distrikt-Mitglied laut Pressesprecher Jörg Hahn über 40.

Die längere Version beginnt im Jahr 2012, Schwindel ist gerade 15 Jahre alt. Die damalige Jugendbeauftragte des Vereins besucht sein Gymnasium in Ebermannstadt, ihr Vortrag über das Schüleraustausch-Programm von Rotary geht im ersten Moment spurlos an Schwindel vorbei. "Eines Tages kam es mir dann wieder in den Kopf", sagt Johannes Schwindel heute, "und da hat sich ein Schalter umgelegt."

Schwindel bewirbt sich um ein Austauschjahr in den USA, Zweitwahl Mexiko, Drittwahl Italien. Aus dem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten wird nichts, stattdessen geht es für den damals gerade 16-Jährigen in den mexikanischen Westen nach Tepic, Hauptstadt des Bundesstaates Nayarit. Die anfängliche Enttäuschung weicht schnell purer Freude, denn: "Das sind geniale Menschen. Ich wurde vom ersten Moment an buchstäblich in die Arme geschlossen." Schwindel, der vor Antritt seiner Reise nicht mal wusste, welche Sprache in Mexiko gesprochen wird, lernt zusammen mit den Kleinkindern der Gastfamilie Spanisch. In Mexiko nimmt Johannes Schwindel erstmals an Rotary-Aktivitäten teil. "Eine Erinnerung, die immer wieder hochkommt, wenn ich das Logo sehe, ist die einer alten Frau, der wir einen Rollstuhl gebracht haben."

Verein hat Altersregelungen erst aufgeweicht

Die Menschen in den Armenvierteln hätten so gut wie nichts, hätten aber dennoch ihm, dem recht wohlhabenden Europäer, ihr Wasser angeboten. Schwindel nennt seine Gasteltern heute noch Mama und Papa. "Das Jahr war für mich so besonders, dass ich danach bei Rotary bleiben wollte."

Da der Verein allerdings erst in diesem Jahr seine Altersregelungen aufgeweicht hat – vorher sollten Mitglieder mindestens um die 30 Jahre alt sein – engagierte sich Schwindel, der in Bayreuth BWL im Master studiert, bei Rotaract, einer Art Jugendschmiede des Vereins. Eine Initiative von Rotaract, auf die der 23-Jährige besonders stolz ist, ist die Kauf-Eins-Mehr-Aktion im August. Mitglieder von Rotaract sammelten innerhalb eines halben Tages insgesamt 52 Kisten voller Lebensmittel für die Tafel. "Ich bin definitiv über das Humanitäre zu Rotary gekommen", sagt Schwindel. Die Arbeit für Rotary habe ihn zu einem offeneren Menschen gemacht, angefangen beim Austausch 2012 bis hin zu Hilfsaktionen wie die von Rotaract. Im Herbst ließ sich der Verein schließlich erweichen, Schwindel wurde trotz seiner Jugend genadelt, wie die Aufnahme bei Rotary heißt. "Wir müssen und wollen wegkommen von diesem Image des Eliten-Clubs. Jeder, der Rotarier von Herzen ist, ist bei uns willkommen. Wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann – sei es vielleicht schon durch meine Mitgliedschaft, dann macht mich das stolz."

JULIAN SEIFERTH

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