Sonntag, 05.04.2020

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Wegen Corona: First-Responder-Standorte stellen Dienst ein

Seit dem 18. März sind Helfer vor Ort des BRK in Stadt und Landkreis Bayreuth nicht mehr im Dienst - 25.03.2020 17:46 Uhr

Die Helfer vor Ort Neuhaus (Bild) halten ihren Dienst noch aufrecht. Das HvO-Team Betzenstein/Plech hat seinen Dienst vorläufig eingestellt. Auch die First Responder in Königstein, Edelsfeld und Vorra sind erst einmal „vom Netz“ gegangen. © Foto: Roland Löb


 Aus Angst vor dem Coronavirus haben in der Frankenpfalz die Helfer vor Ort (HvO) des ASB Jura in Betzenstein/Plech ihren Dienst bis auf Weiteres eingestellt. Zuvor hatten sich schon die First-Responder-Standorte in Edelsfeld und Königstein verabschiedet. Am vergangenen Wochenende meldeten sich auch die First Responder in Vorra ab. Nur der HvO-Standort in Neuhaus ist mit fünf Leuten nach wie vor aktiv. "Solange keiner von uns infiziert ist, halten wir die Helfer vor Ort in Neuhaus aufrecht"", sagt Roland Löb. Der Vorsitzende des ASB-Regionalverbands Jura muss mit einer ungewohnten Situation zurechtkommen.

Die First Responder-Standorte, bei denen die örtlichen Feuerwehren das Personal und die Fahrzeuge stellen, der ASB jedoch die fachliche Verantwortung hat, mussten auf Anordnung der höheren Feuerwehrstellen ihre Tätigkeiten einstellen.

"Da die meisten unseres Teams zusätzlich aktiv in der Feuerwehr tätig sind, ist dies notwendig, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr aufrecht zu erhalten", teil das First Responder-Team Vorra auf Facebook mit. "Bei der ersten Hilfe handelt sich um eine freiwillige Leistung der betreffenden Personen oder Einrichtungen", so Löb.

Kreisbrandrat Norbert Thiel vom Landkreis Nürnberger Land erklärt auf Anfrage der Nordbayerischen Nachrichten: "Die Einheiten der Feuerwehr, die bei den First Respondern sind, haben eine freiwillige Tätigkeit übernommen. Das ist kein Grundauftrag der Feuerwehr. In der Corona-Krise beschränken sich die Tätigkeiten der Feuerwehren auf ihre ureigenste Aufgaben. Es geht um die Aufrechterhaltung des Feuerwehrdienstes." Erst wenn wieder ein Normalzustand herrsche, können Feuerwehrleute wieder andere freiwillige Dienste machen.

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Den Freiwilligen der Helfer vor Ort sei es freigestellt worden, ob sie weitermachen oder lieber erst einmal pausieren wollen, erklärt Löb. "Jeder muss sich darüber im Klaren sein, dass derzeit ein erhöhtes Risiko besteht. Ich kann jeden verstehen, der sagt, die Kiste wird mir ein bisschen zu heiß." Die rund zwölf Freiwilligen der HvO Betzenstein/Plech stufen die Lage als zu brenzlig ein: "Wir haben uns wie die anderen Helfer vor Ort und First Responder dazu entschieden, dass wir den freiwilligen Dienst vorübergehend einstellen. Wir wollen unsere Familien nicht unnötig in Gefahr und auch die Patienten nicht unnötig mit fremden Menschen in Kontakt bringen. Wir hoffen, dass wir gemeinsam diese Krise meistern und gesund überstehen", teilen sie via Facebook mit.

"Die Freiwilligen sind geschult, ihnen werden Verhaltensregel beigebracht und in den Fahrzeugen ist die notwendige Schutzausrüstung, aber der überwiegende Teil der Helfer will es vermeiden mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Sie fürchten, dass sie zu Hause ihre Familie anstecken könnten", sagt Löb. Für ihn ist klar: "Es ist Vorsicht geboten." Er selbst habe in Neuhaus den Vorteil, die Einsatzkleidung gleich in die Waschmaschine stecken können. "Diesen Vorteil haben die anderen Standorte nicht, die sind weit weg von der Wache."

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Der Vorsitzende des ASB-Regionalverbandes Jura spricht von einer bedauerlichen Situation, die aufgrund des Wegfalls der HvO und First Responder entstanden ist. "Wir müssen jetzt durchhalten." Nun zeige sich, wie wertvoll die Menschen sind, die sich freiwillig für andere einsetzen. Löb sagt aber auch, dass die medizinische Versorgung in den Leitstellengebieten nicht gefährdet sei. "Was wir machen, ist nur eine unterstützende Tätigkeit."

Grundsätzlich werde derzeit im Rettungswesen so wenig wie möglich Personal eingesetzt. "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt." Die bestehenden Ressourcen müssten zielgerichtet verwendet werden.

Ähnlich ist die Situation im Landkreis Bayreuth. Seit dem 18. März sind die Helfer vor Ort des Roten Kreuzes in Stadt und Landkreis Bayreuth bis auf Weiteres nicht mehr im Dienst. Dies gilt auch für die Helfer vor Ort in Pegnitz. "Grund für die Einstellung des Dienstes ist die Ausbreitung des Coronavirus", so Tobias Schif, Pressesprecher des BRK-Kreisverbandes Bayreuth. Ein Kontakt mit infizierten Patienten oder mit unter Infektionsverdacht stehenden Personen lasse sich bei diesen Einsätzen leider nicht ausschließen.

"Die Einstellung des HvO-Dienstes soll die Infektion der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer verhindern und die Einsatzfähigkeit dieser überaus wichtigen Personalressource für etwaige Großschadensszenarios im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sicherstellen", betont Schif. Helfer vor Ort des BRK-Kreisverbandes Bayreuth sind im Landkreis außer in Pegnitz noch in Warmensteinach, Gefrees, Weidenberg, Aufseß, Creußen, Hollfeld und Mistelgau stationiert.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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