Donnerstag, 06.05.2021

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Wegen Corona: Holpriger Start für acht neue Pottensteiner Stadträte

Eine geplante Klausurtagung muss immer wieder verschoben werden - 01.05.2021 14:55 Uhr

Vor knapp einem Jahr wurden die acht neuen Stadträte von Bürgermeister Stefan Frühbeißer (li.) im Pottensteiner Bürgerhaus vereidigt. Von links: Daniel Hofmann (CWU-UWV), Johannes Frosch (FWG), Reinhard Bauer (BU), Markus Polster (FWG), Alexander Berner (BU), Klaus Thiem (JL), Christian Weber (JL) und Matthias Dreßel (CWU-UWV).

29.04.2021 © Foto: Martin Burger


Die Angelegenheiten einer Gemeinde sind umfassend und vielseitig. Gerade in Zeiten einer grassierenden Pandemie sei es besonders schwierig, von Anfang an zu allen Themen und in allen Bereichen Stadträte breite Informationen zukommen zu lassen, das bestätigt der Bürgermeister rückblickend. Zumal individuell unterschiedliche Vorkenntnisse, Interessen und auch eigene Schwerpunktthemen von Stadträten selbst abgefragt oder erkannt werden müssten.

Zu diesem Zweck sei auch eine zweitägige Klausurtagung sowie eine mehrtägige Gemeindebereisung zu verschiedenen Einrichtungen vorgesehen – wegen der Pandemie mussten diese jedoch zurückgestellt werden. Im Hinblick auf eine besondere Qualifikation meint Frühbeißer, dass eher der "gesunde Menschenverstand" zähle, als ein gewisses Basis- oder Vorwissen.

Stellenwert der Sozialen Medien

Um das vorhandene Basiswissen aufzuwerten, wurden in der konstituierenden Sitzung des Stadtrats eine Textausgabe der Gemeindeordnung, der Verwaltungsgemeinschaftsordnung sowie der Landkreisordnung verteilt. Doch viel wichtiger als die Verordnungen selbst, sei das allgemeine Interesse, meinen die Stadträte Alexander Berner (BU) sowie Daniel Hofmann (CWU-UWV) fast einstimmig. "Man sollte sich für die Belange der Gemeinde und der Bürger interessieren und einsetzen", nennt Hofmann als Grundvoraussetzung.

Natürlich sei sehr vieles neu, aber man lerne eben auch täglich dazu. Zum einen habe man bereits vorab bei einigen Wahlveranstaltungen und durch Gespräche mit aktiven Stadträten einen Einblick erhalten, erzählt Berner. Zum anderen stünden die direkten Kollegen einem stets zur Seite: "Wenn Unklarheiten oder Fragen auftauchen, dann gibt es da immer jemanden, der einen aufklärt. Das trifft auf alle Stadtratskollegen zu."

Für Stadtrat Christian Weber (JL) war der Beginn weniger neu. Als persönlicher Referent und Büroleiter eines Abgeordneten kenne er die alltäglichen Prozesse und Abläufe einer Verwaltung. Trotzdem ist sich der Dritte Bürgermeister sicher: "Vieles erfordert aber ein beständiges ,learning by doing‘ – also nachfragen, hinterfragen und sich selbst mit Ideen und Vorschlägen in den Stadtratsalltag einbringen."

Ein immer wiederkehrender Punkt, der zu Gesprächen bei Stadtratssitzungen führt, ist die Kommunikation. Zwar unterhalte man sich kollegial miteinander. Einige Kanäle (Stichwort: Soziale Medien) sorgen jedoch immer wieder für Diskussionen. "Der Umgang mit Informationen ist sehr individuell", meint Bürgermeister Frühbeißer, "während der eine lieber mal nachfragt, posten andere Inhalte und Hintergründe zur eigenen Selbstdarstellung."

Auch Stadtrat Johannes Frosch (FWG) ist seit einem Jahr dabei und äußert sich eher kritisch darüber. "Das Verbreiten von Halbwahrheiten über Facebook finde ich bedauerlich", sagt Frosch. Für einige Stadträte sei dieses Medium aber ungemein wichtig geworden, um über gewisse Themen zu informieren und mit der Bevölkerung zu interagieren. So zum Beispiel auch Christian Weber, der die Sozialen Medien gerne nutzt. "Wir informieren transparent und offen über unsere Entscheidungen und den kommunalpolitischen Alltag", da ist sich Weber sicher.

Für die verschiedenen Sitzungen erhalten alle Räte vorab die Tagesordnungspunkte und auch zahlreiche Unterlagen, mit denen man sich, laut Frosch, gut einlesen und mit den Themen vertraut machen kann. Trotzdem sind sich alle vier befragten Stadträte einig, dass eine Klausurtagung keine schlechte Idee wäre. Aufgrund der Pandemie könne diese jedoch nicht stattfinden.

Für viele waren die eigenen Stadtratskollegen eine große Unterstützung. Ein erst kürzliches Beispiel kann Johannes Frosch nennen, der sich zur Vorbereitung auf den Haupt- und Finanzausschuss mit seiner Kollegin Maria Dreßel unterhielt und mit ihr verschiedene Punkte besprach. Es sei selbstverständlich, dass man die erfahrenen Räte um Ratschläge bittet.

Regen Austausch gepflegt

Für Christian Weber sind die Rückmeldungen von Außenstehenden beziehungsweise der Bevölkerung eine große Hilfe: "Wichtig ist mir auch der fraktionsübergreifende Kontakt zu vielen der anderen neuen Stadträte – auch abseits der Gremiensitzung", berichtet Weber. So kam es bereits am Anfang der Amtszeit zu einem regen Austausch mit den Räten der CSU und der Bürgerunion. Wieder andere Stadträte informierten sich in der Verwaltung. Neben den eingesessenen Stadträten gebe diese die sichersten Informationen, weiß Daniel Hofmann.

Auf die Frage, ob es große Überraschungen gab, auf die man gerne als Stadtrat vorab vorbereitet worden wäre, nannte Frosch die Emotionen rund um das Thema Feuerwehr. Für ihn sei klar, dass die Ehrenamtlichen gerecht ausgestattet sein müssen. "Wenn aber im Gremium wegen des Standorts eines Schlammsaugers Streit ausbricht oder man nach einer kritischen Aussage zu einer Anschaffung sich nach einer Sitzung anhören muss ,Wenn es bei dir brennt, kommen wir fei nicht‘, dann finde ich das befremdlich", meint Frosch.

Nach einem Jahr im Stadtrat und wichtigen Themen wie den Diskussionen um den Breitbandausbau, Feuerwehrwesen und anderen wichtigen Punkten, zeigen sich die Stadträte zufrieden mit der Arbeit in dem kommunalen Gremium und blicken teilweise hoffend auf ein besseres Jahr. "Ich denke, dass man sich immer verbessern und weiterentwickeln kann. Auch dieses Amt ist ein stetiger Lernprozess", sagt Hofmann im Hinblick auf das vergangene Jahr. Und auch für die restlichen Stadträte war das Jahr durchaus interessant, auch wenn aufgrund der Pandemie vieles nur eingeschränkt stattfinden konnte.

MARTIN BURGER

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