Samstag, 28.11.2020

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Wegen Corona: Kulturschaffende aus der Region vor ungewisser Zukunft

Die Kulturschaffenden in der Region sehen das Veranstaltungsjahr 2021 mit gemischten Gefühlen. - 08.11.2020 07:55 Uhr

Wie schon bei der Komödie „Leonce und Lena – Zwei Königskinder auf der Flucht“ 2019 wollen Daniel Leistner (links) und seine Kollegen der Faust-Festspiele das Publikum auch 2021 zum Lachen bringen. Dann mit „Frühere Verhältnisse“ in Pottenstein.

06.11.2020 © Archivfoto: Klaus Trenz


"Die ganze Veranstaltungsbranche ist stillgelegt. Es ist total Scheiße, wie es läuft", sagt der Intendant der Faust-Festspiele, Daniel Leistner, im Gespräch mit der Redaktion. Damit meint er die Situation für die Veranstaltungsbranche, die seit März quasi stagniert. Verschiedene Bündnisse und Aktionen wollen darauf aufmerksam machen, "aber man kann nichts tun, das Virus ist da", findet Leistner. Allerdings kritisiert er das Vorgehen für die Auszahlung von Leistungen für Kunstschaffende. "Tausend Euro reichen nicht, wenn jemand 20 000 Euro bräuchte."

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Mit dem Stück "In der Hölle wird gescheuert" starteten die Faust-Festspiele in ihre zweite Saison. Die Darsteller servierten komödiantisches Können vom Feinsten und ernteten ordentlich Gelächter und Beifall vom Publikum. Für die zweite Saison erhofft sich Intendant Daniel Leistner ordentlich "Mund-zu-Mund-Propaganda", damit er bis Ende September die 6000 Zuschauer knackt.


Auch für ihn ist dieses Jahr finanziell nicht leicht: Wegen des ersten Lockdowns im Frühjahr hat er sämtliche Planungen aufgeben müssen und somit keinen Beweis für einen "Verdienstausfall". Ein Jahr könne er von seinen Rücklagen leben, danach werde es schwierig, so Leistner. Er kenne aber einige Schauspieler, die als Selbständige inzwischen Hartz IV bekommen.

Veranstaltung im Sommer ungewiss

Trotzdem möchte er "in fröhlicher Hoffnung" die Faust-Festspiele Pottenstein im Klumpertal und seine Herbstprojekte für das kommende Jahr vorbereiten. Neben Faust von Johann Wolfgang von Goethe soll die Komödie Frühere Verhältnisse von Johann Nestroy gezeigt werden. "Die Besucher sollen fröhlich durch den Sommer kommen", sagt Leistner hoffnungsvoll. Ob im Juli und August alles aufgeführt werden kann, sei fraglich, gibt er zu. "Wir alle haben das Virus unterschätzt. Wenn es zu Ostern einen dritten Lockdown gibt, ist ungewiss, ob wir im Sommer spielen können", gibt er zu bedenken. "Selbst wenn es nächstes Jahr einen Impfstoff gibt, dauert es bestimmt noch bis 2022, bis alle geimpft sind." Die Veranstaltungsbranche könne für 2021 eigentlich nicht planen, sagt der Intendant der Faust-Festspiele. Er und seine Mitstreiter wollen trotzdem schon ein bisschen vorarbeiten, aber so wenig Geld wie möglich ausgeben.

Doch die Corona-Pandemie habe auch etwas Gutes: Er und die Mitglieder des Fördervereins haben genug Zeit, um das gepachtete Gelände im Klumpertal vorzubereiten, Wege zu schottern, Hütten zu bauen, ein festes Bühnenbild zu gestalten.

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Maffeifestspiele auf Juli verschoben

Gearbeitet wird auch auf dem Bergbaugelände Maffeischächte in Auerbach: Der Umbau des Museums und die Ausweitung um verschiedene digitale Elemente verzögert sich etwas. "Doch der Druck ist gering, weil wir keine Veranstaltungen auf dem Gelände haben", sagt Vorsitzender Michael Grüner, der mit gemischten Gefühlen auf das neue Jahr blickt. Das Konzert mit der siebenköpfigen Blechbläsertruppe "Des Brassd scho" wurde zuerst von diesem Jahr auf nächsten April verschoben, angesichts der aktuellen Entwicklungen aber nun abgesagt. Möglicherweise könnten die Musiker im Herbst 2021 bei der Veranstaltung "Maffei Spezial" auftreten.

Um den Vertrag mit den Künstlern zu halten, haben Grüner und sein ehrenamtliches Team das Programm der Maffeispiele aus diesem Juli auf das kommende Jahr verschoben. "Wir bleiben in der Planung und hoffen, dass das Konzert auf dem Freigelände stattfinden kann", so Grüner weiter. Außerdem arbeitet der Verein mit einem Nitzlbucher an dem Programm für das erste Gruben-Open-Air am 24. Juli. Veranstaltungen auf dem weitläufigen Freigelände hält der Vorsitzende für realistischer als in den Hallen des ehemaligen Bergwerks, weil dort nur rund 25 Personen Platz finden könnten. Das wäre für den Förderverein unrentabel.

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Deutlich mehr Besucher – im vergangenen Jahr waren es etwa 10 000 – wären in einem Jahr ohne Corona-Pandemie zur Bergwerksweihnacht im Dezember gekommen. Die zweitägige Veranstaltung hat der Vorstand aber bereits frühzeitig abgesagt. "Wir hatten keine Alternative", so Grüner weiter. Das Problem sei allerdings, dass durch die Einnahmen des Weihnachtsmarktes die Ausgaben für den Museumsbetrieb für das Folgejahr gedeckt werden sollen. "2021 können wir noch aus den Rücklagen stemmen, danach wird es aber kritisch für das Museum", gibt er zu.

Auch der Auerbacher Bürgermeister Joachim Neuß (FW) weiß nicht, wie es im kommenden Jahr weitergehen soll. Die Stadt habe fünf Kultur-Termine von diesem Jahr bereits auf das nächste verlegt beziehungsweise abgesagt. Detaillierte Absprachen zu Bewirtung und Bestuhlung sollen aber erst kurzfristig anlaufen, wenn feststehe, ob die Konzerte stattfinden können. "Es wäre Unsinn, die Planungen jetzt zu starten", so Neuß, der die Corona-Entwicklung genau beobachtet. Nur ein Konzert hat heuer stattgefunden: Ende September traten die "Tenöre4you" auf. "Diese Veranstaltung war ursprünglich auf Maffei geplant, wurde dann aber wegen Corona in den größeren Raum des Kolpingssaales verlegt", erklärt der Rathauschef, der das Veranstaltungsjahr als "leider zu ruhig" bezeichnet.

Keine Kozerte in der Sophienhölle

Klare Worte findet auch Sabine Deß, Geschäftsführerin der Burg Rabenstein Event GmbH. In der Sophienhöhle konnte kein einziges Konzert stattfinden, nur sechs konnten in die Burg verlegt werden. Zwölf mussten, ebenso wie drei von sieben Konzerten, die ursprünglich für die Burg Rabenstein vorgesehen waren, abgesagt werden. Der Kulturbetrieb sei "stark beeinträchtigt" gewesen.

Deß arbeitet schon an Planungen für das bevorstehende Jahr. Einige Konzepte seien in den vergangenen Monaten bereits angepasst worden. Trotzdem werde sich bei der einen oder anderen Veranstaltung, beispielsweise bei den Mittelaltermärkten, erst in den nächsten Monaten herausstellen, was in welcher Form tatsächlich möglich sein wird.

Das andere Standbein, die Event-Dinner, mussten auch abgesagt werden. "Mit neuem Corona-Konzept konnten dann im Spätsommer zwei Veranstaltungen mit begrenztem Publikum stattfinden, bevor der erneute Lockdown nun wieder alles lahmlegt", so Deß bedauernd.

Trotz des Lockdowns arbeitet das Pottensteiner Tourismusbüro "routinemäßig" an den Vorbereitungen für die Veranstaltungssaison 2021, antwortet Thomas Bernard auf Nachfrage. "Wir sind zuversichtlich, dass ab Beginn der neuen Saison unser Veranstaltungsprogramm wieder durchgeführt werden kann." Das Programm von "Kultur und Kinderkultur in der Teufelshöhle" soll von diesem auf das nächste Jahr verlegt werden.

Generell scheint er positiver gestimmt zu sein als die anderen Kulturschaffenden: "Bei den Veranstaltungen, die wir vom Tourismusbüro anbieten (Stadtführungen, geführte Wanderungen, Kurkonzerte) war die Resonanz bis Ende Oktober hervorragend", bilanziert er. Nur der Weihnachtsmarkt fällt dieses Jahr aus. Der Lockdown light treffe die Stadt in der Nebensaison und wirke sich nur gering auf die Veranstaltungen aus.

Auerbacher Neujahrskonzert fällt ins Wasser

Nicht nur in diesem Jahr haben die Veranstalter Events abgesagt. Auch die ersten Absagen für Anfang 2021 stehen schon fest: das Auerbacher Neujahrskonzert und die Ewige Anbetung in Pottenstein. Dabei brauchen die Künstler ganz dringend eins, wie Daniel Leistner betont: "Unser Publikum."

Und Sabine Deß ergänzt: "Wir hoffen, dass die Menschen im Privatbereich so umsichtig und vorsichtig sind, wie es im Bereich der Gastronomie automatisch erwartet wird. Das würde der Veranstaltungsbranche sehr helfen. Die Branche bringt große Opfer, um die Infiziertenzahlen zu drosseln. Sie braucht kein Mitleid, sondern die tatkräftige Unterstützung jedes Einzelnen, um die Corona-Zahlen niedrig zu halten."

KERSTIN GOETZKE

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