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Samstag, 15.05.2021

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Wegewart mit Leib und Seele kümmert sich um Wanderwege

Tobias Raum aus Spies sorgt dafür, dass sich auch ortsunkundige Wanderer schnell zurechtfinden - 21.04.2021 12:55 Uhr

Tobias Raum kümmert sich seit 14 Jahren um die Beschilderung der Wandwege rund um Spies. 100 Stunden investiert er dafür in der freien Natur, plus 150 bis 180 Stunden im Büro.

20.04.2021 © Foto: Rosi Thiem


Gerne arbeitet Raum dabei mit den umliegenden Vereinen zusammen, wie dem Plecher und dem Betzensteiner Heimatverein. Besonders dankbar sei er Anja Heisinger und Renate Pickelmann vom Plecher Heimatverein: "Sie haben uns bei den drei aktuellen Vorhaben – dem Naturkundlichen Rundwanderweg, Leader-Projekt und der noch fehlenden Ergänzung der Beschilderungen – sehr unterstützt. Als kleiner Verein hätten wir das gar nicht stemmen können", zeigt er sich dankbar.

Der 39-Jährige markiert Wege sowohl für den Fränkische Schweiz- als auch für den Fränkische Alb-Verein. Spies liegt an der Grenze beider Organisationen. "Wir sind ein kleiner Verein, haben Netzwerke und arbeiten mit anderen kooperativ zusammen", erläutert Raum. "Wandern ist wieder in – gerade jetzt in Corona-Zeiten. Besonders am Wochenende sind viele Ausflügler bei uns unterwegs. Einen Wanderer interessiert es ja nicht, ob gerade die Vereinsgrenzen überschritten werden."

Fantastischer Ausblick

Ausflügler genössen die Natur und den Ausblick rund um die Altgemeinde Spies oder erholten sich bei einem Picknick an der frischen Luft. Die Müllsituation hat sich nach Einschätzung des Wanderwegbetreuers gebessert; er hat ein gestiegenes Bewusstsein für die Natur bei der Bevölkerung festgestellt und zeigt wie zum Beweis auf den Wanderparkplatz: "Müll liegt hier keiner auf dem Boden. Der Großteil der Wanderer bleibt auch auf den Wegen und verhält sich angemessen." Vandalismus sei die Ausnahme.

"Die Wanderer wollen Themenwege haben – auch gerne solche, die an Natur-Highlights vorbeiführen. Das macht schon Arbeit", sagt er. "Durch Markus Schnurrer, einen guten Freund, habe ich eine riesige Unterstützung draußen beim Markieren. Auf Dauer schafft man das nicht allein." Der hauptberuflich als Betriebsleiter in einer Massivholz-Schreinerei arbeitende Raum hat ehrenamtlich gerade jetzt viel zu tun: Zu den 100 Stunden draußen an den Wegen würden heuer noch zusätzlich 150 bis 180 Stunden im Büro kommen, schätzt er. "Dieses Jahr haben wir extrem viele Projekte. So muss jeder einzelne Wegweiser geplant und die Wege am Computer herausgemessen werden."

Aktuell sind es für 70 Kilometer Wanderwege insgesamt 42 Pfostenstandorte mit rund 310 Wegweisern – das alles muss ehrenamtlich gepflegt werden. Gemäß des Mottos "Ab Eichenstruth noch acht Kilometer" müsse jeder Pfostenstandort neu gedacht werden: Wie weit ist es zum nächsten Ziel? In welche Blickrichtung muss der Pfeil gehen? Welches Wandersymbol führt auf diesem Weg? "Da kann es dann schon mal sein, dass quergedacht werden muss, um es für den fremden, ortsunkundigen Wanderer stimmig und übersichtlich zu gestalten", sagt Raum.

Das alles passiert vom Schreibtisch aus – wenngleich mit dem Wissen eines einheimischen Wanderwarts. Im Wanderleitsystem Hohe Reuth seien in einem ausgeklügelten Konzept idyllische Ortschaften wie Eichenstruth, Hunger oder Velden erwanderbar. An jedem Metallpfosten müsse sich neu orientiert werden – mitunter bis zu acht Hinweisschilder in verschiedene Richtungen je Standort.

Grenzen der Digitalisierung

Auch die Homepage des Vereins soll besser werden. Seit Kurzem gebe es eine E-Mail-Adresse für Anregungen, Lob und Mängelmeldung (wege.hohereuth@gmx.de). Die Ehrenamtlichen freuten sich über jedes Feedback. Die digitalen Wanderkarten und QR-Codes würden ständig aktualisiert. Raum lobt besonders die Bayernatlas-Wege und betont gleichzeitig: "Aber trotz aller digitalen Fortschritte ist die örtliche Beschilderung zur Orientierung nach wie vor sehr wichtig."

Als Wegewart ist er bemüht, mit den Jägern, Landwirten und Waldbesitzern gut zusammenzuarbeiten. Manche Waldbesitzer hätten als Wertschätzung der Wegewarte Baumstümpfe stehen lassen, an denen Wanderschilder angebracht waren. "Wir versuchen, mit allen Interessengruppen eine Lösung zu finden und ich freue mich, wenn die Leute auf mich zukommen – auch wenn etwas nicht passt", zeigt er sich offen für Kritik.

Seit 2007 ist der heute 39-Jährige mit Leib und Seele Wegewart. "Ich wandere selbst gerne und habe mich immer gefreut, wenn ich woanders gut ausgeschilderte Wege vorfand. Genau so hat es mich geärgert, wenn es nicht so war. Da dachte ich: Mensch, da könnte ich mich engagieren." Natürlich, verrät Raum, seien nicht nur aktuell die neuen Schilder zu organisieren, sondern alle Wegstrecken müssten zweimal im Jahr gemäht und eingewachsene Schilder freigeschnitten werden.

2009 hat die Landjugendgruppe Riegelstein an die 40 Wanderbänke und Tische aus Eiche gebaut und aufgestellt. Wanderer und Ausflügler können dort ihr Picknick und den schönen Ausblick genießen.

"Ein Dorf steht und fällt mit dem Ehrenamt", ist Tobias Raum überzeugt. Dabei denkt er vor allem an den Spieser Spielplatz und den Zusammenhalt der Ortsvereine. Der Betriebsleiter sagt aber auch: "Wir vom Heimatverein sind an einem Punkt angelangt, wo wir dringend Nachwuchs brauchen. Ich bin dankbar für jeden, der sich meldet, damit der Heimatverein weiterlebt."

Markanter Felskopf

Der Spieser schätzt die Kontakte und die Natur um sich herum. "Unsere Dorfgemeinschaft ist schon einmalig. Es ist gut zu wissen, wo man hingehört – ich möchte nirgends anders hin", betont Raum. Ob er einen Insider-Tipp für unsere wanderfreudigen Leser hat? Da muss Raum nicht lange überlegen: "Ein Höhepunkt des Naturkundlichen Rundwanderweges ist die Felswand ,Spieser Felsenʻ mit dem markanten Felskopf ,Spieser Fässlaʻ auf 616 Meter Höhe", erzählt er. "Da kann man bei guter Sicht bis Nürnberg oder in Richtung Fichtelgebirge schauen. Es ist traumhaft da oben."

ROSI THIEM

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