Montag, 06.04.2020

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Weltklasse am Beckenrand im CabrioSol

Früher schwamm Andreas Behrend bei Olympia, jetzt trainiert er die Pegnitzer Jugend. Seine Ziele sind hoch. - 28.02.2020 17:59 Uhr

Ein gemeinsames Bild auf Bahn sechs: Andreas Behrend und ein Teil seiner Schützlinge aus den Leistungsgruppen I und II der Schwimmfreunde Pegnitz. © Klaus Trenz


Behrend, nicht laut, aber bestimmt: "Warum ist egal. Alle auf Bahn sechs." Behrend geht auch dorthin, er lässt sich mit seiner Gruppe für diesen Zeitungsbericht fotografieren. "Ich bin nicht besonders kompromissbereit", sagt Behrend später im Gespräch, meint aber gar nicht den Wortwechsel bezüglich Bahn sechs, sondern seine Art. Nicht nur als Trainer, sondern als Mensch.

Die Schwimmfreunde Pegnitz hatten über Jahre versucht, ihn für ihren Verein zu gewinnen. Wenn nicht ein ehemaliger Weltklasse-Schwimmer, der seine frühe Kindheit in Pegnitz verbracht hat, bei ihnen mitmacht, wer dann? Doch Behrend wollte nicht. Die Möglichkeiten in Pegnitz passten nicht zu seinen Vorstellungen. Außerdem hatte er nach so vielen Jahren "einfach keine Lust mehr, am Beckenrand zu stehen."

Die Schwimmfreunde Pegnitz blieben hartnäckig, Behrend sagte acht Jahre nachdem er zum letzten Mal an einem Beckenrand stand doch zu. Aber ohne Kompromisse. "Wenn ich dabei bin, will ich auch überall mitreden." Seit Januar ist Behrend nun Trainer der zwei stärksten Leistungsgruppen, in denen die meisten Schwimmer zwischen 14 und 16 Jahre alt sind.

In diesem Alter wurde der heute 56-Jährige Jugend-Europameister über 100 Meter Schmetterling. Er startete bei den Olympischen Spielen 1984 und war zeitweise unter den zehn besten Schwimmern der Welt. "Ich werde höchstwahrscheinlich keinen hier in die Nationalmannschaft bekommen", sagt Behrend über seine Pegnitzer Schwimmer, was nicht an deren Fleiß liegt, sondern an den Möglichkeiten: "Wer richtig gut ist und es schaffen will, muss als Jugendlicher in einem Stützpunkt trainieren."

Behrend stellt aber klar: "Ich will Erfolg haben." Die Pegnitzer sollen eine feste Mannschaft bei den Bayerischen Meisterschaften sein, dafür seien die Möglichkeiten gut genug. Behrend lobt, dass sie ihr Trockentraining in der Turnhalle des Gymnasiums abhalten dürfen, das Cabriosol genehmigt zu den vier Trainingseinheiten in der Woche noch Sonderzeiten.

Die wirklich großen Ziele betreffen aber die Schwimmfreunde als Verein. Behrend sieht es als gesellschaftliche Verpflichtung an, dass hier Kindern das Schwimmen beigebracht wird. "Weil wir uns auskennen und weil wir die Leute haben." Das ist einer von zwei Gründen, warum die Schwimmfreunde jetzt Kurse für Vorschulkinder anbieten. "Wir wollen Nachwuchs generieren", sagt die Vorsitzende Susann Bauer, neben Behrend hat der Verein ja auch viele Ehrenamtliche, die sich kümmern.

Momentan haben die Schwimmfreunde um die 100 Mitglieder. "90 Prozent sind aktiv", sagt der stellvertretende Vorsitzende Bernhard Gnan, Teil des sogenannten Masterteams, das sich laut ihm mit Altherrenfußballern vergleichen lässt. Etwa die Hälfte der Aktiven nimmt noch an Wettkämpfen teil, Kinder und Jugendliche machen den Löwenteil aus.

Alles in allem sieht Behrend ein gutes Fundament, um darauf aufzubauen. "Ich will den Verein bekannt machen", hat er sich vorgenommen. Wer selbst schwimmen oder seine Kinder zum Schwimmen schicken will, der soll zu den Schwimmfreunden kommen, ist die Botschaft. Mittelfristig soll der Verein so bekannt und beliebt werden, dass sich die Gründung eines Fördervereins lohnt. Und der soll dann Sponsoren bringen.

Fernziel – "vielleicht kann man das in vier fünf Jahren angreifen", so Behrend – ist ein von Sportvereinen gemeinschaftlich genutzter Raum, in dem an Athletik gearbeitet wird. "Kontrolle des Körpers, koordinatives, altersgerechtes Bewegen", erklärt Physiotherapeut Behrend. Da gebe es bei Breitensportlern im Allgemeinen ein enormes Defizit.

Noch ist alles Zukunftsmusik. Behrend befindet sich bei den Schwimmfreunden in einer selbst auferlegten Probephase: "Wir schauen bis zum Sommer, wie es klappt. Falls es vorwärts geht, bleibe ich dabei."

MARCEL STAUDT

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