Wasserleitung

Wenn es in der Leitung zischt: Wie Wasserwerke ein Leck orten

21.8.2021, 15:00 Uhr
Die Abgabemenge wird in den verschiedenen Orten der Riegelsteingruppe monatlich kontrolliert. Gibt es starke Abweichungen vom durchschnittlichen Verbrauch, machen sich Wassermeister auf die Suche nach dem Grund.

Die Abgabemenge wird in den verschiedenen Orten der Riegelsteingruppe monatlich kontrolliert. Gibt es starke Abweichungen vom durchschnittlichen Verbrauch, machen sich Wassermeister auf die Suche nach dem Grund. © Symbolfoto: Boris Roessler dpa/lhe

In jedem Ort gibt es einen Wasserzähler, dessen Abgabemenge monatlich abgelesen und mit den Durchschnittszahlen anderer Monate verglichen wird. So kam kürzlich heraus, dass in Eichenstruth fünf Kubikmeter Wasser pro Tag verloren gingen. "Für einen Haushalt scheint das eine große Menge zu sein, für uns ist das relativ wenig Wasser", erklärt Wassermeister Stefan Bammler von der zuständigen Riegelsteingruppe.

Der Schaden war zu gering, um Nachforschungen zu erstellen

Mit einem sogenannten Geräuschlogger – das ist eine Art Stethoskop für Wasserwarte mit dem sie das Leitungsnetz untersuchen – wurden in der Folge verschiedene Armaturen überprüft. Wenn ein Fließgeräusch eher pfeifend klingt, wissen die Fachleute, dass irgendwo ein Leck besteht. Im jüngsten Fall hat die Suche nach der undichten Stelle rund zwei Tage gedauert: Ein Hydrant war nicht richtig zugedreht worden und das ausgetretene Wasser ist im Untergrund versunken.

Wie das passieren konnte, kann Bammler sich nicht erklären. Denn ihm ist nichts von einem Einsatz oder einer Feuerwehr-Übung bekannt, bei der der Hydrant nicht richtig geschlossen worden sein könnte. Er schließt auch aus, dass die Armatur sich von selbst gelockert hat: "Es waren zwei Umdrehungen nötig, um die Öffnung wieder zu schließen", erklärt er. Eine weitere Ursachenforschung, oder gar eine Anzeige gegen Unbekannt, soll aber nicht vorangetrieben werden. Das sei zu aufwändig und der Schaden zu gering.

Weitere Lecks im Leitungsnetz, die er und seine Kollegen beheben müssen, sind Rohrbrüche oder -risse oder schadhafte Armaturen. Bei Problemen an Rohren wird die betroffene Stelle aufgegraben und das Rohr mit einer Rohrdichtungsschnalle versehen, mit einer Ummantelung mit Dichtung. "Das hilft in 60 bis 70 Prozent der Fälle und hält für die Ewigkeit, meistens länger als die Rohre an sich", so Bammler weiter. Je älter die Rohre, durch die das Wasser fließt, sind, desto öfter gibt es damit Probleme. Im Versorgungsgebiet der Riegelsteingruppe, die unter anderem Höfen, die Altgemeinde Spies, die Stadt Velden mit den Ortsteilen und Simmelsdorf mit Wasser versorgt, sind noch etwa fünf Prozent der Leitungen veraltet; teilweise stammen sie aus den 1960er Jahren.

Wie oft der Wasserversorger Probleme mit Leckagen hat, kann Stefan Bammler nicht sagen: "Das ist ganz unterschiedlich: Manchmal passiert es dreimal pro Woche und dann ist mal wieder ein halbes Jahr lang gar nichts."

Ähnliches berichtet auch der Verbandsvorsitzende der Betzenstein-gruppe, Werner Otto: "Der langfristige Durchschnitt bei Leitungslecks oder Rohrbrüchen liegt in unserem Bereich bei zirka acht Ereignissen pro Jahr, wobei die jährliche Schwankung – abhängig von einer Vielzahl von äußeren Einflüssen – groß ist. Es gibt Jahre, in welchen fünf bis sechs Lecks zu beheben sind; es gibt aber auch Jahre, in welchen bis zu zwölf Rohrbrüche auftreten."

Lecks werden über die Messtechnik zur Netzüberwachung festgestellt: So können außergewöhnliche Durchflussmengen sehr schnell festgestellt und gemeldet werden. "Mit dieser Technik lässt sich der Schadensbereich auch stark eingrenzen, so dass in der Regel die Schadstellen umgehend geortet werden können", erklärt Otto.

Meist trete dann auch unmittelbar an der Leckstelle bereits Wasser an der Bodenoberfläche aus. Teilweise werden diese Wasseraustritte auch durch Bürger gemeldet.

Wenn kein Wasser an der Oberfläche austritt, gibt es unterschiedliche Methoden, um die Leckstelle zu orten. "So kann zum Beispiel das Austrittsgeräusch an der Leckstelle, welches sich im Rohrmaterial ausbreitet, an Armaturen gemessen werden und die Leckstelle aufgrund des Ausbreitungsverhaltens der Geräuschwellen geortet werden", so der Verbandsvorsitzende.

Hat man gefunden, wo das Wasser austritt, wird in diesem Bereich die Leitungstrasse aufgegraben und die Leckstelle repariert. Dies erfolgt bei größeren Schäden durch den Austausch der schadhaften Rohrstücke. Für kleinere Schadstellen gibt es aber auch Dichtmanschetten, welche an der Schadstelle um das Rohr verschraubt werden.

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