Montag, 24.02.2020

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Wenn Geschenke in Apotheken verboten sind

Kritik an unterschiedlicher Behandlung von deutschen Apotheken und solchen aus dem Ausland - 13.06.2019 23:59 Uhr

Apotheker Bernhard Weiß sieht die neuen Regeln problematisch: Wie soll er einem Kind erklären, dass es keinen Traubenzucker mehr bekommt, aber ein anderes schon?


Wie großzügig dürfen Apotheken nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs von vergangener Woche noch sein? Die Entscheidung ruft bei hiesigen Apothekern meist Zustimmung, aber auch Bedenken bezüglich der Konkurrenz aus dem Europäischen Ausland hervor. "Auch ich will nicht, dass mit zweierlei Maß gemessen wird", sagt Bernhard Weiß, Apotheker und Inhaber der Hirsch Apotheke in Pegnitz.

Es geht um das grundsätzliche Verbot von Zugaben oder sonstigen Geschenken, die den Kunden für rezeptpflichtige Arzneimittel nach Ansicht der Richter nun nicht mehr gegeben werden dürfen. Weiß findet, dass "bei einigen Kollegen die Zuwendungen an Kunden übertrieben worden" seien. Dabei denkt er nicht an das Päckchen Taschentücher, sondern beispielsweise an Gutscheine für nahe gelegene Metzger oder Bäcker.

Genau über solche Fälle hatte auch der Bundesgerichtshof (BGH) zu entscheiden. In ihrem Urteil stellten die Richter klar, dass grundsätzlich keine Geschenke bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln mehr an die Kunden gegeben werden dürften, weil — so das Urteil — indirekt die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente unterlaufen würde und hierin ein Wettbewerbsverstoß zu sehen wäre. Allerdings tasteten die Richter nicht die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EUGH) an, in der bereits 2016 klargestellt wurde, dass "Online-Apotheken" aus dem Europäischen Ausland nicht im gleichen Maße von diesem Verbot betroffen wären als deutsche Apotheken. Das heißt: Die Konkurrenz aus dem Ausland darf ihren Kunden noch Geschenke machen, die örtlichen Apotheken allerdings nicht.

Traubenzucker nicht mehr für alle

Genau dieser Umstand stört Weiß. "Es ist zwar richtig, dass die Preisbindung von Arzneimitteln durch eine solche Geschäftspraktik umgangen wird. Aber wenn schon, dann soll das Verbot für alle gelten", findet Weiß.

Er selbst habe bislang ohnehin keine "übermäßigen Zugaben an die Kunden" gegeben. Dennoch macht sich der Pharmazeut Gedanken: "Wie soll ich einem Kind erklären, dass es bei mir keinen Traubenzucker bekommt, wenn es ein rezeptpflichtiges Medikament holt, während ein anderes Kind, zum Beispiel beim Kauf von Aspirin, diesen bekommt?"

Durch das Urteil befürchtet Weiß zwar keinen "totalen Geschäftseinbruch". Aber: "Da ich so gut wie keine Laufkundschaft, beispielsweise für kosmetische Artikel, habe, trifft mich das Urteil schon hart. Denn manche Kunden erwarten schon ein kleines Dankeschön für den Arzneimittelkauf." Es komme aber auch auf "guten Service, gute Beratung und Freundlichkeit" an.

Eine Sonderstellung bei den Apothekenzuwendungen stellt die Umschau dar. Die Weitergabe des Magazins wurde vom Zugabeverbot durch den BGH ausgenommen und müsse, so Weiß, ebenso gekauft werden wie "ich auch etwa 80 Prozent der Taschentücher, die ich verschenke, selbst kaufen muss". Alles in allem sieht Weiß die neuen Regeln jedoch positiv. Denn gerade kleine Apotheken sollen von ihnen profitieren.

Apothekerin Barbara Jobst spricht für die Schug-Apotheke in Betzenstein. Sie sagt, dass "manche Kollegen es mit den Geschenken übertrieben haben". Sie selbst beziehungsweise die insgesamt vier Apotheken, die zur Schug-Gruppe gehören, hätten ebenfalls stets die Beratung in den Vordergrund gestellt. Weiter erklärt sie, dass sie bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln gar keine Zugaben mehr an die Kunden mache. "Wir halten uns aber auch bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten zurück", sagt sie. Denn die Kunden würden es wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen können, wenn diejenigen, die rezeptfreie Artikel kaufen, Geschenke bekämen, die Kunden mit Rezept aber leer ausgingen.

Auch ihr ist die unterschiedliche Behandlung von deutschen Apotheken und solchen aus dem europäischen Ausland ein Dorn im Auge. Auch sie fordert: "Es soll das gleiche Recht für alle gelten!".

Wolfgang Rausch, Apothekeninhaber der Stadtapotheke in Auerbach teilt mit, dass für ihn die Sache noch nicht eindeutig klar sei. Er wolle sich erst nach der entsprechenden Mitteilung der Landesapothekerkammer zu dem Thema äußern.

VOLKER SCHMITT

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