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"Wer hat denn diese Türen verbrochen?"

Pegnitzer empfinden neue Zugänge zum "Alten Rathaus" als Stilbruch - "Spanische Treppe" - 30.03.2019 10:40 Uhr

Die Bürger empfinden die neuen Türen am "Alten Rathaus" als schlimmen Stilbruch. © Reinl


Was wurde im Vorfeld nicht alles besprochen. Verschiedene Farbschattierungen wurden an die Wand gemalt, dazu so viele Fenster- und Faschenvariationen, dass mancher Stadtrat damit überfordert war. Die Größe der Sitzungstische wurde diskutiert, auch die Frage, ob der Platz an den Ecken für die Geräte des immer noch in den Schubladen schlummernden Rats-Informationssystems ausreiche. Einig war man sich, dass vier alte Deckenbalken erhalten und sichtbar bleiben sollen, um den Denkmalschutzcharakter des Gebäudes zu wahren.

Stimmige Symbiose von Türen und Fenstern am renovierten Badershaus in Waischenfeld. © Reinl


Was dagegen kaum Beachtung fand, war die Gestaltung der künftigen Eingänge, wo doch anerkanntermaßen Türen die Visitenkarten von Häusern sind. Die Stadtverwaltung kann sich herausreden, dass einst in der Beschlussvorlage von einem "Türblatt Eiche" die Rede war, hinterfragt hat dies jedoch niemand. Als diese Vorgabe jetzt umgesetzt wurde, war das Erstaunen groß. Die meisten Passanten hielten die hellbraunen Türen hinter den Bauzäunen im Vorbeifahren für Sperrholz-Provisorien, bis Stadtspaziergänger darauf aufmerksam machten, dass dies schon die finale Lösung sei.

Einst war von einer leichten Rampe am neuen barrierefreien Zugang zum "Alten Rathaus" die Rede. Jetzt findet sich dort eine monumentale Treppe. © Reinl


Nicht nur der Stadtheimatpfleger Helmut Strobel schüttelt den Kopf, auch der frühere Rathaus-Mitarbeiter Manfred Richter pflichtet ihm bei: "Wie kann man ein altehrwürdiges Gebäude nur so verschandeln. Das hellbraune Türblatt passt zu den grauen Fenstern und dem rotbraunen Fachwerk wie die Faust aufs Auge." Kenner der Fränkischen Schweiz verweisen auf Lösungen wie etwa beim ebenfalls aufwändig sanierten Badershaus der Stadt Waischenfeld, wo die Fenster unter dem Fachwerk auch grau gehalten sind, genauso wie der mit Sprossen aufgelockerte Eingang zur Tourist-Information. Das ist stimmig.

Auch der barrierefreie Zugang zum "Alten Rathaus" fällt ins Auge. War einst von einer leichten Rampe zur Niveauregulierung am neuen westlichen Eingang die Rede, so wurde jetzt eine Rollbahn um das halbe Gebäude gezogen, beginnend am Marktplatz, vorbei an der gesamten Länge des Baus und um die Ecke zu den Toiletten. Die Mauer ist teilweise so hoch, dass ein Geländer nötig wird. "Man sollte nicht zu kritisch sein, dafür bekommen wir jetzt zur Rathausanlage hin eine spanische Treppe, fast wie in Rom", witzeln die Beobachter.

Diskussionsstoff bietet nicht zuletzt der in die Wand eingelassene Münzautomat neben der Tür zur künftigen Toilettenanlage. Vor allem die Frage, ob die nur außerhalb der Rathaus-Öffnungszeiten "scharf" gestellt wird oder ob man damit in Konsolidierungszeiten auch tagsüber Einnahmen erzielen will, bewegt die Gemüter. Manche reden schon von einem Treppenwitz, wenn man zwar in der ganzen Stadt kostenlos parken darf, beim Toilettengang aber abkassiert wird.

Wer nun meint, das seien alles Bedenken von verknöcherten Rentnern, der irrt. Stadtheimatpfleger Strobel: "Als ich kürzlich mit einer Schulklasse bei einer Führung in der Stadt unterwegs war, sind die Viertklässer von sich aus am "Alten Rathaus" stehen geblieben. Ihre Frage: Wer hat denn diese Türen verbrochen?"

ISI REINL

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