Samstag, 21.09.2019

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Wie 13 Auerbacher bei zwei Bombenfunden halfen

Helfer erzählen von ihren außergewöhnlichen Einsätzen - 21.08.2019 06:00 Uhr

Markus Popp (mit Telefon) aus Auerbach war bei der Evakuierung nach einem Bombenfund am Montag in Haselmühl bei Amberg der Einsatzleiter für alle Rettungsorganisationen. © Foto: BRK Auerbach


"Ein solcher Einsatz gehört nicht zu unserem alltäglichen Geschäft", drückt es Daniel Sertl aus. Der Rotkreuzler war mit einigen Kameraden in den letzten Tagen zwei Mal wegen eines Bombenfunds unterwegs.

Bei Bauarbeiten im Kümmersbrucker Ortsteil Haselmühl war am vergangenen Mittwoch erstmals eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Danach wurde in dem betroffenen Baugebiet gezielt gesucht, um weitere Überraschungen während der Arbeiten zu vermeiden. Am Montagvormittag wurde dann erneut eine 225-Kilogramm-Bombe gefunden. An beiden Tagen mussten rund 1500 Menschen – darunter auch die Bewohner eines AWO-Seniorenheimes – evakuiert werden.


Bombe in Oberpfalz wurde kurz vor Mitternacht entschärft


Hier waren die Rettungsorganisationen besonders gefordert. "Unsere wichtigste Aufgabe war, die Menschen zu registrieren", erzählt Sertl, der stellvertretender Vorsitzende der BRK-Gemeinschaft Auerbach. Akribisch wurden alle eintreffenden Menschen mit Name, Adresse, Telefonnummer und bei Bedarf mit benötigten Medikamenten erfasst.

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Seniorenheim evakuiert

Zu den 300 Betroffenen, die von den Auerbacher Rotkreuzlern am Mittwoch betreut wurden, gehörten die Senioren aus dem Altenheim. Die Mehrheit konnte die Einrichtung nicht selbstständig verlassen. Zur Evakuierung waren der Krankentransportwagen und der Rettungswagen des BRK Auerbach eingesetzt. Am Montag kümmerten sich die Ehrenamtlichen aus Auerbach um rund 200 evakuierte Menschen.


1500 Menschen evakuiert: Fliegerbombe erfolgreich entschärft


Nach dem Registrieren mussten die Leute verpflegt werden. In Amberg wurde dazu in mehreren Bäckereien und Metzgereien eingekauft. Die Versorgung mit Leberkäse, Würstchen und Brot funktionierte gut. Am Mittwoch war allerdings ein sechs Monate altes Kleinkind dabei.

Da die Menschen nur das Nötigste mitgenommen hatten und niemand wusste, wann eine Rückkehr in die Wohnung möglich sein würde, wurden Babynahrung und Windeln benötigt. "Die Windeln holten wir im Krankenhaus, die Nahrung besorgte der Vater", erzählt Daniel Sertl. Getränke hatten die Auerbacher am Montag gleich im örtlichen Edeka-Markt mitgenommen. Die Zusammenarbeit sei sehr gut, so Sertl. "Wir können zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, wenn für Einsätze etwas benötigt wird."

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Die Ehrenamtlichen halfen den Betroffenen, ihre Angehörigen zu finden oder den Kontakt zur Familie herzustellen. Da am Mittwoch einige Pflegebedürftige im Jugendzentrum "Klärwerk" (JuZ) untergebracht waren, unterstützten die Auerbacher auch das Pflegepersonal, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.


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Erst als ein Gebiet im Umkreis von rund 500 Metern um die Stelle des Bombenfunds evakuiert war, konnten Spezialisten mit dem Entschärfen der Bomben beginnen. Am Mittwoch hieß es gegen Mitternacht "Bombe entschärft". Gerne erinnern sich die BRK-Helfer an das spürbare Aufatmen und den einsetzenden tosenden Applaus. Anschließend wurden die Betroffenen zügig wieder nach Hause verbracht.

Viele waren aufgeregt

An beiden Tagen waren die BRK-Helfer mit den evakuierten Menschen im JuZ untergebracht. Am Mittwoch seien die Betroffenen recht angespannt und unruhig gewesen, erinnert sich der Daniel Sertl. Viele waren aufgeregt und fragten sich, wie lange die Evakuierung nötig sein würde. "Am Montag beim zweiten Bombenfund waren alle irgendwie entspannter."


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Die beiden Einsätze waren zeit- und personalintensiv. Am Mittwoch waren 13 Auerbacher BRK-Mitglieder ab 16 Uhr knapp zehn Stunden unterwegs. Am Montag blieben 15 Helfer fast sieben Stunden im Einsatzgebiet. Die Gruppe war mit drei Fahrzeugen – einem Rettungswagen, einem Krankenwagen und dem Mannschaftsbus – unterwegs.

Markus Popp aus Auerbach war beim zweiten Einsatz der organisatorische Leiter für alle Rettungsorganisationen vor Ort, zwei Auerbacher BRK-ler waren als Abschnittsleiter eingeteilt, zwei Mitglieder unterstützten die Gruppe "Information und Kommunikation". Insgesamt waren laut Polizeiangaben am Montag 300 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, THW und dem Rettungsdienst vor Ort. 

BRIGITTE GRÜNER

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