Bier

Wie Betzenstein beinahe die Stadt zum Sitz eines „global Players“ geworden wäre

24.8.2021, 17:23 Uhr
Alte Bierkrüge, ein Bierfilz, ein Qualitätssiegel und ein Waagschein: In Betzenstein drehte sich früher recht viel um den Gerstensaft und seine Zutat Hopfen.

Alte Bierkrüge, ein Bierfilz, ein Qualitätssiegel und ein Waagschein: In Betzenstein drehte sich früher recht viel um den Gerstensaft und seine Zutat Hopfen. © Foto: Klaus Trenz

Das kam nicht von ungefähr. Betzenstein war früher Hopfenanbaugebiet. Die aromatischen Dolden (Blütenstände) aus Betzenstein wurden Gebirgshopfen genannt und sollen eine ausgezeichnete Qualität gehabt haben.

Auf die Spuren des Hopfenanbaus und den Anfängen des Hopfenhandels machte sich am vergangenen Sonntag eine Exkursion des Geoparks Bayern-Böhmen mit den Geoparkrangern Isabell Stickling und Jürgen Großberger. Mit dabei war auch Bürgermeister Claus Meyer, der das Bierbrauen zu seinen Hobbys zählt.

Grab des Firmengründers

Nicht nur er erfuhr vieles über den traditionellen Hopfenanbau rund um Betzenstein. Petra Schörrig, Firmenarchivarin der Großhandelsfirma BarthHaas, hatte sich angeschlossen. Noch heute unterhalte man gute Beziehungen zur Stadt des Firmengründers, sagt sie. Und pflegt das Grab von Johann Barth auf dem Friedhof in Betzenstein.

Das erste mal sei sie in Betzenstein und könne dabei auf den Spuren von Johann Barth wandeln. Das moderne Familienunternehmen mit Sitz in Nürnberg, das heute in der siebten und achten Generation geführt wird, beweist auch auf seiner Homepage Geschichtsbewusstsein. Man hat nicht vergessen, wo man herkommt: Aus einer kleinen Stadt in der Fränkischen Schweiz. "Es ist schön, den Ort in Natura zu sehen", sagt Schörrig.

Erst 1794 – zwei Jahre vor seinem Tod – begründete Johann Barth mit seinem Sohn Georg den Hopfenhandel. Mit dem Planwagen belieferten sie Kleinstbrauereien rund um Nürnberg. Den Hopfen bezog man von einheimischen Bauern, die schon seit dem Mittelalter die wichtige Zutat für Bier anbauten und auch selbst brauten.

An mehreren Häusern – so auch am Maasenhaus – sieht man heute noch die kleinen Öffnungen unterhalb der Spitzgiebel, durch die der Hopfen auf den Dachboden zum Trocknen gezogen wurde. Noch bis in die 1970er Jahre gab es Hopfengärten, vor allem rund um Eichenstruth. Einige Hausnamen erinnern auch heute noch an die Hopfenanbautradition.

Säcke für geernteten Hopfen und Bierkästen der letzten Betzensteiner Brauerei zeugen davon, dass die Zutat zum Bierbrauen eine wichtige Rolle in Betzenstein spielte.

Säcke für geernteten Hopfen und Bierkästen der letzten Betzensteiner Brauerei zeugen davon, dass die Zutat zum Bierbrauen eine wichtige Rolle in Betzenstein spielte. © Foto: Klaus Trenz

Schon 1825 ist das Unternehmen von Georg Barth deutschlandweit tätig. Rund 70 Prozent des deutschen Hopfens kommen von fränkischen Anbaugebieten. Als Georg Barth 1842 das Geschäft seinen Brüdern überschreibt, die fortan als "Gebrüder Barth" firmieren, wechselt der Firmensitz nach Lauf an der Pegnitz.

Beim Umzug nach Nürnberg 1860 war man bereits international tätig, belieferte rund 400 Brauereien und schickte die erste Sendung des "grünen Goldes" 1868 nach New York.

Aus zwei Weltkriegen in den Jahren zwischen 1914 und 1945 und ihren Folgen geht das Unternehmen schwer angeschlagen und ausgebombt hervor. 1950 gelang es aber wieder, Fuß zu fassen.

1974 wurde die Firma Haas in Yokima (USA) übernommen. Damit wurde der Grundstein für die BarthHaas Group gelegt. Der Hopfenanbau und -handel in Betzenstein war noch bis zur Jahrhundertwende von 19. zum 20. Jahrhundert ein bedeutender Wirtschaftszweig.

Bereits 1824 erhielt der Betzensteiner Hopfen von der Königlich Bayerischen Regierung ein eigenes Hopfensiegel. Umso bedauerlicher ist es, dass es in Betzenstein keine Brauerei mehr gibt. Das könnte sich ändern, wenn der Investor und Eigentümer des Geländes der ehemaligen Brauerei Wagner und des abgebrannten Lokals "Zeiserla" seine Pläne für eine kleine Brauerei umsetzt.

INFO: Im Maasenhaus (Tourist-Info) gibt es im Dachgeschoss eine Ecke mit Zeugnissen des Hopfenhandels und der Braukunst aus Betzenstein. Dort ist auch die Geschichte der Firma BarthHaas nachzulesen. Der umtriebige und fleißige Heimatforscher Anton Buchner (1903 bis 1983) hat in seiner heimatkundlichen Schriftenreihe diesem Thema ein eigenes Heft gewidmet Die ausführliche Schrift mit der Nummer 19 ist auf der Homepage der Stadt Betzenstein (Rubrik Geschichte) nachzulesen. Diese kann auch heruntergeladen werden.

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