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Wie eine Sängerin aus Pottenstein die Pandemie in Finnland erlebt

Rebecca Spörl beschreibt die Auswirkungen der Pandemie auf ihr Leben in Finnland - 19.01.2021 07:55 Uhr

Musik macht Rebecca Spörl, die eigentlich aus Pottenstein kommt, sowohl in ihrer Wohnung in Helsinki (Bild), aber auch im Studio mit ihren Bandkollegen. Ihre Arbeit in einer Tagesbetreuung und ihr Studium haben sich durch die Corona-Pandemie verändert.

18.01.2021 © Foto: Jussi Eskola


Neben dem Studium der sozialen Arbeit arbeitet Spörl 50 Stunden pro Monat in einer Tagesbetreuung für schwerbehinderte Erwachsene. Seit Ausbruch der Pandemie muss sie dabei eine chirurgische Maske tragen. Außerdem wird darauf geachtet, dass Abstände eingehalten werden.

Auch Ausflüge mit den Kunden werden nicht mehr unternommen, nur Spaziergänge sind noch möglich. Die Höchstteilnehmerzahl liegt bei zehn Personen, inklusive Angestellten. Spörl hofft, dass sich das bald wieder ändert. Sie hat festgestellt, dass Menschen mit Behinderung sehr an der Einsamkeit während der Pandemie leiden.

"Vor Corona sind wir ab und zu ins Museum, zum Bowlen oder ins Kino gegangen, aber das machen wir jetzt vorsichtshalber erstmal nicht mehr. Manche Kunden trauen sich nicht mehr zu kommen, die können dann per Videochat dabei sein", erklärt die 25-jährige Studentin aus Pottenstein. Weil ein Kunde der Einrichtung positiv getestet worden ist, musste diese im vergangenen Jahr kurzfristig schließen. Es hatte sich aber niemand sonst angesteckt, deshalb konnte die Tagesbetreuung bald wieder geöffnet werden.

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Quasi geschlossen hat hingegen die Universität von Rebecca Spörl: Vorlesungen finden derzeit im Internet statt. Arbeit und Studium war aber auch schon vor Corona digital in Finnland. "In meiner Uni ist fast jeder Kurs auch online möglich. Durch Corona ist jetzt aber fast alles online", berichtet Spörl.

Und sie weiß von Familien mit Kindern, die in der Pandemie ebenfalls von zu Hause arbeiten. Neben dem Studium und der Arbeit macht die ehemalige Pottensteinerin auch Musik mit ihrer Heavy-Metal-Band "Averlanche". Im vergangenen Jahr hat sie ihr erstes Album veröffentlicht und wollte auf Tournee gehen (wir berichteten). Wegen Corona ist das derzeit nicht möglich. "Ich bin eine Sängerin ohne Konzerte", sagt die Musikerin, die vor sechs Jahren nach Nord-Europa ausgewandert ist. Zu Hause spielt sie oft Klavier, aber auch die Bandproben finden derzeit statt. "Denn sobald es möglich ist, wollen wir touren, auch in Deutschland. Hoffentlich schon nächsten Sommer", hofft Spörl, die inzwischen auch die finnische Staatsbürgerschaft hat.


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Ihr und ihren Landsleuten wurde von der Regierung empfohlen, eine Maske zu tragen. Eine Pflicht, diese zu tragen, gebe es nur in Firmen und im sozialen Bereich. Auch sind Treffen mit mehr als zehn Personen verboten und in Restaurants dürfen nur die Hälfte der Plätze besetzt werden.

Sperrstunde für sie ist um 22 Uhr. "Für die meisten Finnen hat sich das Leben durch die Regeln gar nicht so sehr verändert", hat die ehemalige Pottensteinerin beobachtet. Im nord-europäischen Land sei es ohnehin normal, dass die Leute Abstand zu anderen einhalten. "Es ist Teil der Kultur, sich gegenseitig Raum zu geben, und das auch physisch. Es gibt kaum Smalltalk und man geht lieber auf Abstand, um den anderen nicht aus Versehen zu ,nerven‘".

Infektionszahlen eher niedrig

Sie vermutet, dass das ein Grund ist, warum die Infektionszahlen in Finnland relativ niedrig sind: Rund 40 300 bestätigte Fälle und 618 Tote, so der Stand am 18. Januar. Einen Lockdown gab es bislang nicht, nur eine Empfehlung, zu Hause zu bleiben. Daran musste sich die Wahl-Finnin halten, als sie im Sommer und im Herbst zum Besuch der Eltern und zur Einschulung ihres Patenkinds nach Deutschland kommen wollte. Danach hätte sie zwei Wochen lang nicht zur Arbeit gehen können. Aber ihre Eltern haben sie im Juli besucht.

Für dieses Jahr hat sie noch nichts gebucht, hofft aber, dass es im Sommer klappt. "Spätestens im nächsten Winter zum Weihnachtsmarkt", fügt sie hinzu.

KERSTIN GOETZKE

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