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Dienstag, 18.06.2019

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Wie gefährlich sind die Wanderwege?

In der Fränkischen Schweiz soll ein Netzwerk umgestürzte Bäume erfassen - 07.06.2019 18:00 Uhr

Die Stürme der Vergangenheit haben auf den Wanderwegen der Fränkischen Schweiz viel Schaden angerichtet. Oftmals liegen umgestürzte Bäume quer oder werden nur durch benachbarte Stämme vor dem Umfallen bewahrt. Eine für Wanderer extrem gefährliche Situation. © Foto: Gesa Janssen-Schauer


Angerichtet haben den gefährlichen "Baumverhau" die Stürme, die seit letzten Herbst über Deutschland zogen und auch in den Wäldern extreme Schäden verursacht haben. "Fabienne" war in unserer Region der verheerendste, aber auch "Bennet" und "Eberhard" im März dieses Jahres hinterließen ihre Spuren. "Eberhard" war der stärkste Sturm seit dem Orkan "Friederike" im Januar 2018.

Schlimm sah es noch im April entlang des Wanderwegs im Wiesenttal zwischen Behringersmühle und der Riesenburg aus: Abgeknickte Stämme, entwurzelte Bäume, zersplittertes Holz. Bäume biegen sich über den Wanderweg. Noch finden sie Halt im Geäst von Stämmen – fragt sich nur wie lange.

Sandra Schneider, die Leiterin der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz in Ebermannstadt, ist von der NN-Redaktion auf die Sturmschäden aufmerksam gemacht worden. Sie habe die Informationen an die Wanderwege-Warte des Fränkische-Schweiz-Vereins weitergeben, teilt sie mit. Das sei halt Natur. Es könne jeden Tag irgendwo was abbrechen.

Sie weist auch darauf hin, das nicht alle Schäden sofort beseitigt werden können. Manches müsse halt erst später aufgearbeitet werden. "Es sind alles Ehrenamtliche." Damit meint sie die Wegewarte. Doch sie allein wären überfordert. "Es sind auch Bauhöfe und die Waldbesitzer und der Naturpark Fränkische Schweiz mit im Boot. Wir können die Ehrenamtlichen ja nicht allein lassen", sagt Schneider.

"Wichtig ist, dass man weiß, wo es schlimm ist, um nachzuarbeiten", fügt sie hinzu. Es müssten alle zusammenhelfen und es sollte ein Netzwerk angestoßen werden. Dafür plädiert auch Naturpark-Geschäftsführer Wolfgang Geißner, der sein Büro in Pottenstein hat. Die mangelnde Kommunikation ist seiner Meinung nach ein Nachteil. "Die Meldekette ist nicht optimal. Die Gemeinden sollten selbst tätig werden können."

Sehr gut sei die Zusammenarbeit mit der Stadt Waischenfeld. Dort sei Michael Schuster für die Wanderwege zuständig. "Er macht hervorragende Arbeit", betont Wolfgang Geißner. Wenn der Naturpark über umgestürzte Bäume informiert werde, werde dies weitergeben. Die Gemeinden würden mit Geld und ihren Bauhöfen unterstützen. So wie die Stadt Pottenstein, die laut Bürgermeister Stefan Frühbeißer die Wanderwege und Parkplätze mindestens zweimal jährlich auf ihre Sicherheit hin durch Beauftragte überprüfen lässt. Wenn Stürme gewütet haben, werde zusätzlich kontrolliert, ob irgendwo Gefahren drohen. Sollte dies festgestellt werden, werde sofort der Bauhof der Stadt Pottenstein aktiviert.

Bauhof half mit

Im vergangenem Herbst habe der Bauhof die Sturmschäden innerhalb einer Woche aufgearbeitet und zudem die Arbeiter des Straßenbauamts an der Bundesstraße unterstützt. Müssen Holzarbeiten in schwierigem Gelände, etwa an Steilhängen, durchgeführt werden, müssten Wanderwege unter Umständen auch mal abgesperrt werden. Grundsätzlich sei die Radhausverwaltung dankbar für Hinweise auf Sturmschäden an Wanderwegen oder Straßen, betont Frühbeißer.

In Pottenstein gebe es auch Ortssprecher oder "Holzfüchse", die Bescheid sagen, wenn ihnen etwas auffalle. Gehörten umgestürzte Bäume zu den Staatsforsten oder zu Privatwald, würden die Eigentümer darauf hingewiesen und bei Gefahr schriftlich aufgefordert, ihrer Verkehrssicherungspflicht unverzüglich nachzukommen, sagt der Pottensteiner Bürgermeister. Mitarbeiter der Bauhöfe könnten natürlich nicht tätig werden, wenn es sich um Bäume handele, die in Privatbesitz seien, ergänzt Geißner.

Gerade bei den Privatwäldern sieht Sandra Schneider Probleme. Wenn diese vererbt würden, würde sich ein Teil der neuen Besitzer nicht um den Wald kümmern. Zum einen fehlt die Zeit für die Waldpflege, zum anderen das Interesse.

Auch der Arbeitstrupp des Naturparks kann dort nicht helfen. "Unterhalt ist nicht förderfähig", so Geißner. Eine Verbesserung der Situation verspricht er sich von den vier Naturparkrangern, die im Herbst ihre Tätigkeit aufnehmen sollen. Sie könnten sich auch um den Zustand der Wege kümmern.

Für eine Wanderregion wie die Fränkische Schweiz sieht Geißner auch den Freistaat Bayern in der Pflicht. "Es könnte da mehr kommen." 

HANS-JOCHEN SCHAUER

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