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Wie geistesgegenwärtig eine Auerbach Seniorin auf betrügerische Anrufe reagierte

85-jährige Auerbacherin sollte ihren Sohn mit 50 000 Euro aus der Untersuchungshaft befreien - 20.04.2021 14:55 Uhr

Mit so genannten Schockanrufen versuchen Betrüger immer wieder, sich von Senioren Geld zu holen. Im Falle der 85-jährigen Auerbacherin war dem Anrufer sogar der Name des Sohnes bekannt, der angeblich eine junge Mutter überfahren haben sollte.

19.04.2021 © Foto: Sabine van Erp/Pixbay


Vor inzwischen acht Jahren ist der Ehemann von Elisabeth D. verstorben. Er war in höherer Position tätig, was am Eintrag im Telefonbuch noch heute ersichtlich ist. Die 85-Jährige hat diesen bislang nicht ändern lassen. Wer seinen Namen im Internet eingibt, findet nicht nur zahlreiche Artikel über die Lebensleistung von Elisabeths Ehemann, sondern auch die digitale Traueranzeige mit den Namen aller Kinder. Im Netz wurden offenbar auch die Betrüger fündig, die am vergangenen Donnerstag kurz vor 15 Uhr bei ihr anriefen.

Der angebliche Sohn

Eine Männerstimme war am Apparat, verzweifelt und laut weinend. Er gab sich als ihr jüngster Sohn aus und schluchzte etwas von "Unfall" und "Untersuchungshaft" in den Hörer. "Erst hatte ich nichts verstanden, doch dann dachte ich wirklich, es wäre mein Sohn." Danach meldete sich ein Polizist. Was der Anrufer erzählte, machte die vierfache Mutter betroffen. Sohn Martin hatte in Bayreuth eine rote Ampel missachtet und dabei eine 32-jährige Radfahrerin überfahren. Die Mutter von zwei kleinen Kindern starb noch an der Unfallstelle. Um ihren Sohn aus der Untersuchungshaft zu holen, solle sie 50 000 Euro Kaution bezahlen.


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Elisabeth D. wollte nochmals mit ihrem Sohn sprechen. Dies sei nun nicht mehr möglich, da er gerade psychologisch betreut werde, teilte der Anrufer mit. Sie wisse nicht, wo sie das Geld so schnell herbringen soll, und wollte erst mit den Töchtern reden. Dies redete ihr der Anrufer aus. Da das Gespräch aufgezeichnet werde, wäre jeder andere Anruf eine Unterbrechung und würde womöglich zur Folge habe, dass die Auslösung des Sohnes nicht klappt. Die Auerbacherin wurde dann noch mit einem Staatsanwalt namens König verbunden, der plötzlich von 25 000 Euro sprach. Sie sagte zu, das Geld zu organisieren. Es sollte bei der Gerichtskasse in bar einbezahlt werden. Wenn sie das Geld zuhause habe, könne eine Übergabe organisiert werden, erfuhr sie.

Die 85-Jährige war nicht nur geschockt, sondern auch unsicher und holte sich Rat bei ihrer ältesten Tochter Manuela. In ihrem Unternehmen arbeitet auch der jüngere Bruder Martin. Schnell stellte sich heraus, dass der 57-Jährige um 14 Uhr noch im Büro war und unmöglich in dieser kurzen Zeit in Bayreuth einen Unfall hätte verursachen können. Manuela sprach mit ihm und bald darauf war auch Martin bei seiner Mutter.


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Der Betrüger meldete sich gegen 15.30 Uhr wieder. Der Mann hielt Elisabeth D. vor, trotz seiner dringenden Bitte telefoniert zu haben. Sie habe doch ein Taxi anrufen müssen, da sie schlecht zu Fuß sei und sonst nicht zur Bank gelangen könnte, war die geistesgegenwärtige Antwort der Auerbacher Seniorin. Im Beisein ihrer Kinder fragte sie auch nach der Telefonnummer, bekam aber keine Auskunft. Das Telefon zeigte "unterdrückte Nummer" an.

Noch am gleichen Tag informierte Tochter Manuela die Auerbacher Polizei. Solche Tricks seien Alltag für die Beamten, erfuhr sie. Eine Nachbarin riet ihr, an die Öffentlichkeit zu gehen, um andere Senioren vor diesem besonders niederträchtigen Trick zu warnen. "Ich war aufgeregt und emotional kaputt nach den Anrufen", bestätigt Elisabeth D. im NN-Gespräch. Gerade zu Beginn des Telefonats, als ihr vermeintlicher Sohn in den Hörer schluchzte, sei ihr Verstand regelrecht ausgeschaltet gewesen.

INFO: Alle im Bericht vorkommenden Namen wurden von der Redaktion geändert. Die Personen sind alle persönlich bekannt.

BRIGITTE GRÜNER

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