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"Wir mussten uns im Damenfußball alles erkämpfen"

Wohl bekannteste Pegnitzer Kickerin Ellen Kirchner erinnert sich an die Pionierzeiten der Sportart - 23.12.2020 13:16 Uhr

Immer präsent im Pegnitzer Frauenfußball: Ellen Kirchner spielte viele Jahre für den FC, jetzt bemüht sie sich als U17-Trainerin darum, wieder Nachwuchs für das Damenteam auszubilden, das noch in der Landesliga spielt.

18.12.2020 © Foto: FCP


"Ich bin in Sachsen-Anhalt in einer Sportlerfamilie geboren", so Kirchner. "Da gab es nur Sport". Mit fünf Jahren trat die wohl bekannteste Pegnitzer Fußballerin das erste Mal gegen einen Ball: "Und das nur mit Jungs." Allerdings musste sie mit elf Jahren mit den offiziellen Spielen aufhören, "denn Mädchen durften damals nicht mehr mit Jungs zusammenspielen".

Über den Umweg Niedersachsen kam sie dann zur Ausbildung 2001 nach Pegnitz. "Und genau in diesem Jahr wurde die Frauenmannschaft unter Trainer Peter Kraus gegründet". Für Kirchner waren dies die ersten Schritte im Pegnitzer Trikot.

Den Europameistertitel 1989 bekam sie noch nicht mit. Den Grund dafür, dass in Deutschland der Frauenfußball populär wurde, sah Ellen Kirchner im Gewinn der Weltmeisterschaft 2003 in den USA: "Da kam ein regelrechter Schub auf uns zu." Aber in der letzten Zeit gebe es in der Umgebung immer weniger Vereine.

"Wir Frauen mussten uns von Anfang an alles erkämpfen", so Ellen Kirchner. "Für die Jüngeren heutzutage ist alles normal." Für die Pegnitzer Pionierin wird der Fußball immer als Geschlechterkampf hingestellt. Aber sie will den jungen Mädchen auch zeigen, was möglich ist. Vielleicht auch deswegen hat sie ihre Trainerlizenz gemacht und trainiert zurzeit die U17 des FC Pegnitz in der Landesliga, um Nachwuchs für das Damenteam herbeizuschaffen, das heuer wohl nicht um den Abstieg aus der Landesliga herumkommen wird.

Nach 34 Fußballjahren hat sie ihre aktive Zeit im vergangenen Jahr beim FC Pegnitz beendet, dem sie immer treu blieb. Doch immer noch ist sie die treibende Kraft im Verein und so auch die Spartenleiterin im Mädchenbereich. "Das Jahr ist bisher sehr zäh gewesen", so Kirchner. "Ich hoffe, dass wir die Saison noch zu Ende spielen können". Wie es danach weitergeht, stehe in den Sternen.

Schwierig ist die Situation, "aber die haben alle Vereine", die Spielerinnen bei der Stange zu halten. "Wenn man eine lange Zeit nicht spielt, hat man irgendwann andere Interessen."

In ihrer Zeit in Pegnitz gab es neben den Erfolgserlebnissen auch schwierige Zeiten. Neben dem Aufstieg in die Bayernliga in der Saison 2015/2016 gab es natürlich Tiefschläge. "Aber ich finde, dass schweißt ein Team zusammen", sagt sie rückblickend.

Aber auch manch skurriles Erlebnis, von denen sie berichten kann. "Bei einem entscheidenden Spiel in der Oberpfalz wurden wir bei der Ankunft erst einmal bespuckt und beleidigt. Und nach dem Spiel wurde dann in der Kabine einfach das Licht ausgeschaltet." Aber es gebe auch schöne Momente und Vereine, die noch heute in Kontakt untereinander stehen und sich zu gemeinsamen Besuchen treffen.

Erfreut ist Ellen Kirchner darüber, dass der Bayerische Fußballverband (BFV) sich entschlossen habe, etwas aktiver in den Frauenfußball zu investieren. Er führte ein Leadership-Programm für Frauen durch, das sich speziell an ehrenamtlich aktive Frauen in Bayern richtete. Das Ziel des Programms sei es, Frauen im Fußball für die Übernahme zukünftiger Führungsaufgaben in den Gremien von Vereinen oder Verbänden vorzubereiten, zu motivieren und zu qualifizieren. 24 Teilnehmerinnen aus verschiedenen Vereinen in Bayern nahmen daran teil, darunter auch Ellen Kirchner. Den Kampfgeist, der sie als Spielerin auszeichnete, hat sie auch als Funktionärin nicht verlassen, wenn sie sagt: "Leider konnten wir die drei Module in diesem Jahr nicht mehr beenden, doch wir bleiben dran."

JÜRGEN MASCHING

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