Donnerstag, 21.01.2021

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Wirbelstürme und Corona: So hat eine ehemalige Neuhauserin das Jahr 2020 in den USA erlebt

Birgitt Thurmann hatte wegen Windschäden drei Wochen keinen Strom - 04.01.2021 08:55 Uhr

Zwei Hurrikans binnen sechs Wochen trafen den Südwesten des US-Bundesstaats Louisiana. Die ehemalige Neuhauserin Birgitt Thurman lebt mittlerweile in einer Kleinstadt dort und berichtet, wie sie die Unwetter erlebt hat.

03.01.2021 © Foto: imago images/Zuma Wire


"Die Windschäden waren so extrem, dass unser Stromversorger sein ganzes Netz neu aufbauen musste. Das sind allein in unserem Landkreis 44 000 Haushalte, die drei Wochen keinen Strom hatten. Bei uns waren es 13 lange, miserable Tage", berichtet Thurmann, die seit 2002 in den USA lebt, über die Nachwehen des Hurrikans "Laura".

Der Sturm Ende August ist als "extrem gefährlich" eingestuft worden, wie die Deutsche Presseagentur damals berichtete. Thurman habe von vielen älteren, einheimischen Mitbürgern gehört, dass "Laura" mit Abstand der schlimmste Sturm gewesen sei, den sie je erlebt hätten. Und das, obwohl sie "Rita" und "Katrina" 2005 auch erlebt hatten. Nur sechs Wochen nach "Laura" traf der Hurrikan "Delta" die Region und hat viele Zerstörungen verschlimmert. "Wir hatten viel Glück und brauchten nur ein neues Dach", berichtet die Wahl-Amerikanerin.

 Viele Menschen haben sich vor den Hurrikans Generatoren gekauft, damit Kühlschränke und Ventilatoren in der Zeit des Stillstands mit Strom versorgt werden konnten. Für die Klimaanlage reichte die Energie aber nicht. Und das, obwohl es im Sommer "extrem heiß mit bis zu 43 Grad und schwül" ist, wie Thurman beschreibt. Sie selbst habe drei Stunden an einer der wenigen Tankstellen in der Kleinstadt gewartet, um drei Kanister mit Benzin für ihren Generator zu kaufen. Viele Häuser seien durch entwurzelte Bäume und heftigen Regen schwer beschädigt worden und mussten mit Planen abgedeckt werden.

Bereits einen Tag nach dem Hurrikan kamen Kirchengruppen und Organisationen, um Bäume, die über die Straßen lagen, zu zersägen oder um Milch, Eiswürfel, warmes Essen oder Aufräummaterial zu verteilen. Denn der größte Lebensmittelhändler der Stadt, Walmart, hatte einige Tage geschlossen.

"Die Leute hatten einfach ganz andere Probleme, als sich um ein Virus zu sorgen", fasst es die 42-jährige Mutter von zwei Teenagern zusammen. "Natürlich hat sich das auch wieder normalisiert und die meisten tragen wieder Maske und halten Abstand." Derzeit seien die Beschränkungen "moderat". Beispielsweise dürften Gastronomiebetriebe nur 50 Prozent der Gäste aufnehmen.

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Wegen der Hurrikans sei auch ein Großereignis in den Hintergrund gerückt: die Wahl des US-Präsidenten. Die Menschen in der "eher pragmatischen und konservativen" Gegend Louisiana waren mehr mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, hat Thurman beobachtet. Sie hätten sich nicht zu sehr an der "Hysterie der Wahl" beteiligt. Sie selbst durfte nicht daran teilnehmen, weil sie keine US-amerikanische Staatsbürgerschaft hat.

Sogar Eier und Fleisch waren zeitweise ausverkauft

Wie auch in Deutschland habe es in den USA im März und April Hamsterkäufe gegeben: Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, Bohnen, Reis – alles, was man in Dosenform kaufen kann, sei rar gewesen, sagt die ehemalige Neuhauserin. Selbst Eier und Fleisch seien anfänglich ständig ausverkauft gewesen. "Für die Stürme haben die Menschen auch vorgesorgt, aber die meisten hatten wahrscheinlich noch Vorräte von den Corona-Einkäufen", vermutet Thurman.

Birgitt Thurman hat über das gerade abgelaufene Jahr Positives wie Negatives zu berichten.

03.01.2021 © Foto: privat


 Mitte März traf die vierköpfige Familie mit dem Lockdown die wohl größte Veränderung des Jahres: Die Schulen wurden geschlossen und Distanzunterricht lief an. "Ich arbeite nicht und konnte daher meinen Kindern helfen, aber die Umstellung war für beide nicht einfach", sagt sie über ihre Söhne Noah (16) und Lukas (12).

Doch die ehemalige Neuhauserin hat auch Positives über 2020 zu berichten: Ihr Ehemann Kyle, mit dem sie seit 2000 verheiratet ist, hat sein Management-Studium an der Universität in Kansas erfolgreich absolviert, berichtet sie stolz. Gleichzeitig hat er an einer Militär-Universität studiert, damit er zum Major befördert werden und sich einen anderen beruflichen Bereich suchen kann, und Vollzeit gearbeitet. "Wir haben army-bedingt vermutlich die Hälfte unserer Ehe getrennt verbracht", resümiert sie. Auch ihr Mann hatte im Lockdown Distanz-Unterricht, musste diesen aber von seiner Wohnung im etwa 1100 Kilometer entfernten Kansas belegen und konnte nicht zu seiner Familie nach Hause fahren. "Die Army hat ihre Regeln, damit mussten wir uns abfinden", sagt sie.

Deutsche Silvester-Tradition in der amerikanischen Familie

Silvester haben die Thurmans gemütlich zu Hause verbracht: mit zwei Hunden, fünf Katzen und dem Fernseh-Sketch "dinner for one". Auf Böller hätten sie wegen der Tiere verzichtet, aber ihre Nachbarn hätten schon Tage vor dem Jahreswechsel "geübt". Daran hätte auch Corona nichts geändert. "Die Leute hier lieben ihre Feuerwerkskracher."

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Für das neue Jahr wünscht sich Thurman, dass sich die Corona-Lage bessert und sich Familien und Freunde wieder sehen dürfen. Und "im Allgemeinen Dinge wieder so werden wie früher. Aber wir werden uns an ein ,neues Normal‘ gewöhnen müssen", vermutet sie.

 

KERSTIN GOETZKE

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