Wirte verschenken das Bier, bevor es sauer wird

14.2.2021, 20:57 Uhr
Ihm bleibt keine andere Wahl: Hans Herold von der gleichnamigen Brauerei in Büchenbach nimmt die Fässer seiner Kundschaft zurück und tauscht sie gegen frische, wenn die Gaststätten ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen.

Ihm bleibt keine andere Wahl: Hans Herold von der gleichnamigen Brauerei in Büchenbach nimmt die Fässer seiner Kundschaft zurück und tauscht sie gegen frische, wenn die Gaststätten ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen. © Foto: Ralf Münch

"Vielen macht es Spaß, anderen ist es peinlich", erklärt Gastwirt Heinrich Schreyer die Idee: Seine Gäste, die Essen zum Abholen bestellen, dürfen mit eigenen Gefäßen wie Milchkannen einen Liter Fassbier mitnehmen. Kostenlos. Die Kundschaft nehme das Angebot sehr gerne an, "auch wenn andere gefragt haben, ob sie nicht lieber Cola haben dürften", sagt Schreyer und lacht. Die Abholzeiten seien zwischen 11 und 14 Uhr.

Seit November geschlossen

Da er nicht mit einer Wiedereröffnung der Gaststätte vor Ostern rechne und das Bier das Mindesthaltbarkeitsdatum in etwa drei Wochen erreiche, sei das eine gute Möglichkeit, es nicht wegzuschütten. Seit November hätten sie schon zu, die Bierfässer seien bis jetzt nicht angestochen worden. Die Aktion laufe weiter, bis die Fässer leer seien, sagt Schreyer.

Prinzipiell sei das so auch erlaubt, so Tanja Manger vom Hauptzollamt Schweinfurt. Die Biersteuer werde von den Brauereien bezahlt, die Gaststätten könnten mit ihrem Bier also machen, was sie wollen.

Einige Brauereien nehmen das an die Gaststätten gelieferte Bier auch wieder zurück. Das bestätigt Manuela Schreiber, Eigentümerin der Gaststätte Schönfelder Hof in Hollfeld. Darunter fielen beispielsweise die Kulmbacher und die Maisel-Brauerei. "Wir nehmen das Fassbier unserer Gastronomen natürlich komplett zurück, das aufgrund der Lockdown-bedingten Gastronomieschließungen sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat", bestätigt Jeff Maisel, Inhaber der Brauerei Gebrüder Maisel. Um wie viele Fässer es sich handelt, dazu könne er jetzt noch nichts sagen.

Auch der Brauerei-Gasthof Herold in Büchenbach bei Pegnitz nehme die Fässer seiner Kundschaft zurück und tausche sie gegen frische, sobald wieder Betrieb herrsche, bestätigt Matthias Herold, Bruder des Eigentümers.

Produktion stillgelegt

Sie selbst hätten die Produktion aktuell stillgelegt und würden auch in der Gaststätte nichts verkaufen. Ab und zu wolle eine Privatperson ein Fünf-Liter-Fass kaufen, "das geht dann schon". Andere Brauerei-Gaststätten hatten bereits in weiser Voraussicht erst gar kein Fassbier gekauft oder produziert.

Ernst Rothenbach, Eigentümer des Braugasthofes Rothenbach in Aufseß, sagt, dass seine Gaststätte seit November gar kein Fassbier mehr einlagere. Das übrig gebliebene Flaschenbier habe er zu Weihnachten verschenkt. Ähnlich läuft es im Neudrossenfelder Bräuwerck. Dort hat man rechtzeitig komplett auf Flaschenabfüllung umgestellt. Die werden weiterhin – trotz Gaststättenschließung – zu bestimmten Zeiten zum Verkauf angeboten. "Fässer haben wir keine mehr da", sagt Bürgermeister Harald Hübner, Aufsichtsratsvorsitzender der Aktiengesellschaft.

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