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Wirte winken ab: "Das ganze Jahr über Bierwoche"

Gastronomie der östlichen Fränkischen Schweiz zeigt Aktion der Tourismuszentrale die "kalte Schulter" - 09.03.2019 15:33 Uhr

2016, zum Jubiläum des Reinheitsgebots, wurden die BierWochen in der Fränkischen Schweiz ins Leben gerufen. © Reinl


2016, anlässlich des Jubiläums "500 Jahre Reinheitsgebot" ins Leben gerufen, finden die "Bierwochen" nun schon zum fünften Mal statt. "Die Aktion erfreut sich wachsender Beliebtheit", glaubt die Tourismuszentrale und hat deshalb ihre neu aufgelegte Broschüre bei der Freizeitmesse in Nürnberg massenhaft verteilt. "Genießen Sie die kurze Zeit bis zum Tag des Bieres am 23. April, in denen es in ausgesuchten Restaurants Gerichte gibt, die mit Bier verfeinert sind." Das muss man uns vom "Räuberstübl"-Stammtisch nicht zweimal sagen.

Zweimal haben wir den Flyer gedreht und gewendet. Mehr als sechs Lokalitäten haben wir auf der Empfehlungsliste aber nicht gefunden, darunter als einzige im Landkreis Bayreuth die Guts-schenke auf Burg Rabenstein. Sie gilt zwar nicht gerade als Bier-Hochburg, verfeinert aber in der Fastenzeit eine Suppe, den Schweinebraten und ein Tiramisu mit Held-Bieren aus Oberailsfeld.

Mäßig könnte man dieses touristische Angebot nennen, besonders wenn man es mit den Anstrengungen in anderen fränkischen Landesteilen vergleicht. So befasst sich etwa der Landkreis Bamberg schon seit Jahren mit einem Konzept für ein "Internationales BierKulturZentrum", massiv gefördert mit europäischen Leader-Mitteln.

Die Abteilung Wirtschaftsförderung, die in dieser Hinsicht ihren Namen verdient, weiß zwar noch nicht, wo die Institution untergebracht werden soll, aber die Vorstellungen über den Inhalt sind schon weit gediehen. Dabei ist man sich einig, dass es nicht etwa ein weiteres Brauereimuseum werden soll, trotz einer Dauerausstellung und/oder einer Multimediapräsentation. Man träumt vielmehr von einem Ort, an dem sich Touristen und Einheimische über die regionale Bierkultur informieren können, wo aber auch Seminare rund ums Bier stattfinden, zum Beispiel in einer hauseigenen Brauerei, in der Brauer in Kooperation neue Sude entwickeln.

Dabei werden die regionalen Brauer nicht etwa zur Konkurrenz, sondern vielmehr zu Projektpartnern. Das Zentrum könnte so als Fortbildungsstätte ebenso dienen, wie als Genussstätte für ein breites Publikum. Kurzum: "Die regionale Bier- und Brautradition soll sich in den Themen Kultur, Genuss, Bildung, Aus- und Weiterbildung, Wissenschaft, Tourismus, Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und kulturelles Erbe widerspiegeln."

Der Bamberger Landrat ist Feuer und Flamme: "Es ist höchste Zeit, einen Ort zu schaffen, um dem Qualitätsprodukt Bier den gleichen Stellenwert einzuräumen, wie etwa dem Wein an Main, Rhein oder Mosel."

Wer offenen Auges durch die Nürnberger Freizeitmesse geschlendert ist, musste erkennen, dass zahlreiche andere Regionen der Fränkischen Schweiz in Sachen Werbung mit "Speis‘ und Trank" längst den Rang abgelaufen haben. Haben früher etwa Wirte wie der Hollenberger Heinrich Schatz und der Pottensteiner Theo Bruckmayer mit Bier und Schmalzbroten die Massen an den Messestand gelockt, so ist das Interesse an einem außerhäusigen Engagement geschwunden. Die gescheiterten Bemühungen um einen "Biergipfel" analog zum "Bratwurstgipfel" unterstreichen dies.

Die knappe Entschuldigung der Brauer: "Wir haben das ganze Jahr über Bierwoche. Das reicht uns." Auch wieder wahr.

ISI REINL

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